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Rezension: »Die Marquise von O…« von Heinrich von Kleist

Schon vor einiger Zeit habe ich für den Deutschunterricht „Die Marquise von O…“ von Heinrich von Kleist gelesen, eine Novelle aus dem Jahr 1808.


Inhalt

Am Anfang steht ein Rätsel. Die verwitwete Marquise von O… ist schwanger. Nur weiß sie nicht, von wem. Ohne ihr Wissen, sagt sie, sei sie in andere Umstände gekommen. Ein Skandal, finden nicht nur die Verwandten. Die Marquise droht am Widerspruch zwischen ihren Gefühlen und den gesellschaftlichen Konventionen zu zerbrechen. Meisterhaft erzählt Kleist die Geschichte ihrer schuldlosen Verstrickung. Eine Novelle, die bis heute beispiellos in der Literaturgeschichte ist.


Bibliographische Daten

Quelle: Amazon

Titel: Die Marquise von O…
Autor: Heinrich von Kleist
Genre: Gesellschaftsroman / Familienroman
Format: Taschenbuch
Seiten: 40
Verlag: Henricus
ISBN: 978-3-847830627
Erstveröffentlichung: 1808
Sprache: Deutsch

Erster Satz:

»In M…, einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O…, eine Dame von vortrefflichem Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekannt machen: dass sie, ohne ihr Wissen, in andre Umstände gekommen sei, dass der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und dass sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten.«


Meine Meinung

Zuerst einmal ist »Die Marquise von O…« ziemlich leicht zu lesen und zu verstehen, wenn man bedenkt, dass es 1808 das erste Mal veröffentlicht wurde. Und wäre das Ende nicht gewesen, hätte ich der Novelle mit Sicherheit auch ganze fünf Sterne gegeben. Aber fangen wir vorne an.

Die Marquise als Protagonistin ist eine teils sehr emanzipatorische Hauptfigur. Sie beugt sich nicht dem Willen ihrer Familie, steht zu sich selbst und lässt sich auch nicht aufhalten. Mit der Heirat des Vaters ihres ungeborenen Kindes ordnet sie sich zwar wieder der Gesellschaft und ihren Konventionen unter, doch geschieht das, wie es scheint, hauptsächlich, um dem Kind ein gutes Leben bieten zu können.

Dass die Eltern der Marquise diese nach der Erkenntnis, dass sie schwanger ist, verstoßen, kann man auch als Gesellschaftskritik durch Heinrich von Kleist auffassen. Die Eltern wollen der Marquise von O… ihre Kinder wegnehmen und glauben ihr nicht, dass sie unschuldig ist, obwohl ihre Tochter es ihnen immer wieder versichert.

Leider war es von Anfang an ziemlich offensichtlich, wie sie schwanger geworden ist und wer der Vater des Kindes ist. Das war keine große Überraschung, man hat es vielmehr schon die ganze Zeit über kommen sehen.

Gegen Ende taucht eine Szene zwischen der Marquise und ihrem Vater auf, die sehr inzestuöse Eigenschaften besitzt. Dies fand ich als „Versöhnung“ ziemlich befremdlich und ich frage mich, ob von Kleist auch hiermit Gesellschaftskritik äußern wollte, oder es vielleicht ganz anders gemeint hat.

Mein größer Kritikpunkt jedoch ist das Ende an sich. Dort wird der Vater des Kindes für seine bisherigen Taten belohnt, indem er all das bekommt, was er sich immer gewünscht hat. Er muss sich nicht für seine Handlungen in der Vergangenheit verantworten, und trotzdem ist das Ende á la „Friede, Freude, Eierkuchen“.


Fazit

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es sich gelohnt hat, »Die Marquise von O…« zu lesen. Zwar gab es ein paar Dinge, die mir sauer aufgestoßen sind, aber dabei darf man auch nicht vergessen, dass das Buch bereits 1808 veröffentlicht worden ist. Somit ist nicht ganz ausgeschlossen, dass mir einige Anspielungen auf den historischen Kontext entgangen sind, die möglicherweise eine Antwort auf meine Fragen geliefert hätten.

Rezension: »Wolfsblut« von Jack London

»Wolfsblut« ist ein Buch, das ich eigentlich nur deshalb gelesen habe, weil es vorinstalliert auf meinem tolino war und ich im Urlaub keine Lust hatte, mir ein anderes E-Book zum Lesen runterzuladen. Irgendwie hab ich nicht damit gerechnet, dass mir das Buch so gut gefallen würde. Mehr dazu aber in der Rezension.


Inhalt

Als Sohn eines wilden Wolfs und einer den Menschen entlaufenen Wolfshündin kommt Wolfsblut zur Welt. Er wächst zur Zeit des Goldrausches in der rauhen Natur Alaskas auf. Dann aber verschlägt ihn das Schicksal zu den Menschen und eine Zeit des Leidens beginnt – bis Wolfblut einen Menschen als Freund gewinnen kann.

(Quelle: Thalia)


Bibliographische Daten

(Quelle: dtv)

Titel: Wolfsblut
Originaltitel: Wild Fang
Autor: Jack London
Übersetzung: Lutz-W. Wolff
Genre: Abenteuerroman
Seiten: 304
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 1906
ISBN: 978-3-423-14239-7
persönliche Altersempfehlung: ab 14
Preis: 10,90 €


Meine Meinung

Vorab möchte ich einmal darauf hinweisen, dass »Wolfsblut« keinesfalls ein Kinderbuch ist, obwohl es häufig als solches bezeichnet wird. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Geschichte aus der Sicht eines Tieres, Wolfsblut, erzählt wird – und da Animal Fantasy häufig als Kinder- und Jugendliteratur abgestempelt wird, geschah dies auch mit diesem Klassiker der Weltliteratur.

Aber lasst mich an anderer Stelle anfangen. Das Buch ist in sich in fünf Teile gegliedert, die einander mit Ausnahme des ersten Teils in nichts nachstehen. Dass mir der erste Teil des Buches nicht so gut gefallen hat, liegt daran, dass er noch nicht aus Wolfsbluts Sicht erzählt wird, wie ich ursprünglich angenommen hatte, sondern aus der Sicht der beiden Männer Bill und Heinrich (im Original und in neueren Übersetzungen Henry). Diese müssen den Leichnam eines Edelmannes in die Stadt transportieren und werden dabei von einem Rudel hungriger Wölfe verfolgt. Im zweiten Teil wechselt dann die Perspektive, allerdings ist Wolfsblut – der eigentliche Protagonist – auch da noch nicht auf der Welt. Stattdessen wird aus Sicht von Wolfsbluts Eltern erzählt. Erst im dritten Teil, als Wolfsblut geboren wurde, geht es tatsächlich um dessen Schicksal und weiteres Leben.

Zugegeben, Jack Londons Schreibstil fand ich von vornherein grandios. Zwar wurde ich im ersten Teil manchmal etwas verwirrt, weil ich Schwierigkeiten hatte, Bill und Heinrich auseinanderzuhalten, aber ansonsten hab ich kaum etwas am gesamten Buch auszusetzen, da es insgesamt extrem einfühlsam, teils nüchtern, aber immer mitreißend erzählt wird.

Trotz all der Grausamkeiten, die Wolfsblut später begeht, war er mir immer ein sehr liebenswürdiger Charakter. Was unter anderem daran liegt, dass ich die Domestizierungsversuche der Menschen nicht gutheißen konnte. Andererseits war vermutlich genau das die Absicht des Autors, denn nur durch dieses Vor-Augen-Führen der menschlichen Gewissenslosigkeit (die dadurch, dass aus Wolfsbluts Perspektive erzählt wurde, stark in Kritik geraten ist) entsteht die Moral der Geschichte: Dass ein respektvoller Umgang mit anderen Lebewesen sich auch auf deren Persönlichkeit auswirkt und am Ende sowohl Mensch als auch Tier mehr davon haben. Gleichzeitig wurde auch die Unerbittlichkeit der Natur und der Kreislauf des Lebens sehr eindrucksvoll beschrieben. Das Buch schafft somit auch ein Bewusstsein in den Leser*innen für den Überlebensinstinkt von Wildtieren.

Da das Buch aus Wolfsbluts Sicht geschildert wird, ist eine gewisse Vermenschlichung von diesem nicht von der Hand zu weisen. Dennoch wirkte diese gar nicht so unrealistisch wie man möglicherweise annehmen könnte. Jack London hat sich scheinbar stark für Wölfe interessiert und zu einer Zeit logische Schlüsse gefasst, als diese Erkenntnisse noch gar nicht belegt waren. Diese Umsetzung ist so eindrucksvoll gelungen, dass ich es gar nicht schaffe, sie in die richtigen Worte zu fassen.

Und auch, wenn ich nicht ganz einverstanden mit den Domestizierungsversuchen an Wolfsblut bin, gab es auf eine gewisse Art auch ein Happy End. Das mag zwar nicht unbedingt realistisch sein, zeigt aber noch mal, dass mit den richtigen Erziehungsmethoden alle Lebewesen später ein glücklicheres Leben führen können.

Fazit

»Wolfsblut« ist ein Roman, der viele Genres miteinander vermischt und deshalb gar nicht so gut zu beschreiben ist. Es ist ein Abenteuerroman, Erziehungsroman und Animal Fantasy gleichzeitig. Diese Genres hat Jack London jedoch gekonnt miteinander kombiniert und ineinander verwoben, sodass ein spannendes, mitreißendes und bis zum Schluss aufwühlendes Ergebnis – »Wolfsblut« – dabei herumkam. Dabei ist das Buch auch nicht nur ein Jugendroman, sondern ebenso faszinierend für andere Generationen.

4 Sterne = Top

Rezension: »Fürchtet euch« von Wiley Cash

Mein erstes Buch im Oktober ist wieder eins gewesen, das schon lange auf meinem SuB lag…


Inhalt

In Marshall, einem abgeschiedenen Ort in den Bergen North Carolinas, geschieht an einem heißen Sommertag das Unfassbare. Der dreizehnjährige Christopher Hall kommt während der Abendmesse ums Leben. Der Junge hat noch nie ein Wort gesprochen. Deshalb sollte er an diesem Sonntag in der Kirche »geheilt« werden.
Niemand aus der Gemeinde will sich zum Tod des Jungen äußern. Auch der charismatische Prediger Carson Chambliss, der selbsternannte Erlöser im Ort, schweigt zu dem Vorfall.
Was jedoch keiner in Marshall ahnt: Christophers jüngerer Bruder Jess hat das Geschehen in der Kirche an dem Tag, als sein Bruder starb, von außen beobachtet. Und Jess weiß, was er gesehen hat. Er weiß auch, was Christopher und er nur wenige Tage zuvor in ihrem Elternhaus gesehen haben. Als Jess sein Wissen teilt, spitzt sich die Situation zu, und es kommt zur Katastrophe.


Bibliographische Daten

Titel: Fürchtet euch
Autor: Wiley Cash
Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Genre: Thriller
Format: Taschenbuch
Seiten: 348
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-19443-8


Meine Meinung

Ich bin mir nicht sicher, was genau ich von dem Buch erwartet habe, möglicherweise sogar gar nichts. Ich glaube, ich bin relativ unvoreingenommen in die Geschichte gestartet, weil ich bisher keine anderen Meinungen zu dem Buch gehört habe.

»Fürchtet euch« ist auf seine Art ein sehr einzigartiges Buch mit einer einzigartigen Atmosphäre und einer ebenso einzigartigen Erzählweise. Ich hätte tatsächlich nicht angenommen, dass dies Cashs Debüt ist. Das Mysteriöse, das sofort im ersten Kapitel Einzug in die Geschichte erhält, hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Anfang war aber auch allgemein sehr vielversprechend.

Erzählt wird das Buch aus drei Sichtweisen. Zum einen wäre da Jess Hall, der 9-jährige Bruder des verstorbenen Stump. Leider war Jess nicht wirklich altersgerecht dargestellt. Er wirkte zu abgeklärt, geradezu weitsichtig. Er wusste für einen 9-Jährigen einfach Dinge, die fie meisten erst sehr viel später begreifen können.

Außerdem wurde das Buch auch aus der Sicht von Adelaide Lyle erzählt, einer über 90-jährigen ehemaligen Hebamme, die für ihr Alter noch sehr fit ist – sowohl körperlich als auch geistig. Ihr wurde bei der Ausarbeitung der Charaktere scheinbar sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, was sich auf jeden Fall gelohnt hat.

Und zuletzt wäre da noch der Sheriff des Dorfes. Dieser blieb mir charakterlich ein bisschen zu eintönig und flach, die Emotionen spielten bei ihm in den Kapiteln eine eher untergeordnete Rolle.

Doch auch, wenn es an manchen Stellen der Charakterausarbeitung ein wenig gehakt hat, kann ich nicht leugnen, dass das Buch trotz seiner Vorhersehbarkeit und des Fehlens von Nervenkitzel und Spannung dennoch sehr intensiv erzählt wurde und somit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zudem hat diese Intensität auch dafür gesorgt, dass ich immer weiterlesen musste.

Am Ende hat es sich Cash meiner Meinung nach dann aber doch ein bisschen sehr einfach gemacht; er hat sich im Grunde davor gedrückt, die Frage nach der Schuld, die am Ende offen bleibt, zu beantworten. Gerade das hätte ich aber in dem Zusammenhang noch besonders interessant gefunden.

Fazit

Da ich relativ ohne Erwartungen angefangen habe das Buch zu lesen, kann ich nicht behaupten, ich wäre sonderlich enttäuscht worden. Überrascht aber auch nicht, leider. Alles in einem ist »Fürchtet euch« eine sehr intensive, einfühlsame Geschichte, die man lesen kann, aber nicht unbedingt muss.

Rezension: »Mein fast perfekter Sommer« von Sophie Gonzales

Eine kurze Rezension zu einer kurzen Vorgeschichte…


Inhalt

Der 17-jährige Ollie Di Fiore verbringt die Sommerferien mit seinen Eltern in North Carolina, um seiner kranken Tante unter die Arme zu greifen. Doch schon sein erster Einsatz als Babysitter für seinen kleinen Cousin und seine Cousine droht in einer Katastrophe zu enden. Rettung naht in Form von Will Tavares – gutaussehend, charmant und ein wahres Wunder im Umgang mit kleinen Kindern. Ollie ist sofort hin und weg … Aber geht es Will genauso?


Bibliographische Angaben

Titel: Mein fast perfekter Sommer
Autorin: Sophie Gonzales
Übersetzung: Doris Atwood
Genre: Young Adult
Format: E-Book
Seiten: 101
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-641-28610-1
Reihe: Nur fast am Boden zerstört / Prequel


Meine Meinung

Endlich mal eine Vorgeschichte, die man sowohl vor als auch nach dem eigentlichen Buch lesen kann, ohne dass Verständnisprobleme auftauchen.

Schon »Nur fast am Boden zerstört« hat mir extrem gut gefallen, weshalb ich auch unbedingt »Mein fast perfekter Sommer« lesen musste, um ein paar mehr Seiten Will und Ollie zu bekommen.

Der Humor ist mal wieder auf den Punkt gebracht, es gab viele Szenen, in denen ich schmunzeln musste. Zudem wirkten die Dialoge und alles drum herum zutiefst authentisch und gar nicht überspitzt.

Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist, dass sich die meisten Szenen doppeln, da es auch in »Nur fast am Boden zerstört« Rückblicke gibt. Ein paar mehr exklusive Einsichten in den Sommer von Will und Ollie hätten nicht geschadet, insbesondere zum Ende hin, wo dann aber doch recht viel übersprungen wurde.

Fazit

Zusammenfassend lohnt es sich aber auf jeden Fall, die Vorgeschichte zu lesen, egal ob vor oder nach »Nur fast am Boden zerstört«!

Rezension: »The Upper World – Ein Hauch Zukunft« von Femi Fadugba

»The Upper World – Ein Hauch Zukunft« ist das Debüt des Autors Femi Fadugba und wurde mir vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Inhalt

Esso, ein schwarzer Teenager aus der Londoner Südstadt, verliert bei einem Autounfall das Bewusstsein und sieht plötzlich Szenen aus der Zukunft. Darin ist sein Leben in Gefahr, das seiner Freunde – und das Leben seiner großen Liebe Nadia. Das will er um jeden Preis verhindern. Doch dazu braucht er die Hilfe eines Mädchens aus der Zukunft…

Femi Fadugbas spektakuläres Debüt: ein hoch spannender Zeitreise-Thriller mit politischer Botschaft, der alle Genregrenzen sprengt.


Bibliographische Daten

Titel: The Upper World – Ein Hauch Zukunft
Autor: Femi Fadugba
Übersetzung: Alexandra Ernst
Genre: Science Fiction
Format: Hardcover
Seiten: 414
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16622-2


Meine Meinung

Wer das Bloggerportal kennt, weiß, dass Blogger*innen dort Bücher, die innerhalb der Verlagsgruppe Random House erschienen sind oder noch erscheinen, als Rezensionsexemplar anfragen können. Meine Anfrage für »The Upper World« rührt daher, dass mich Cover und Klappentext des Buches sofort angesprochen haben. Sofort habe ich auf eine vielversprechende Geschichte gehofft, wobei ich eigentlich dachte, dass sie eher in die Fantasy-Richtung geht.

Letztendlich wurde mir aber etwas ganz anderes aufgetischt als ich erwartet hatte, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Tatsächlich würde ich das Buch im Bereich Science Fiction einordnen, denn Wissenschaften – insbesondere Physik und Philosophie – spielen eine sehr große Rolle in dem Buch.

Da ich auf so gut wie allen Gebieten der Physik unzureichend bewandert bin, um es mal vorsichtig auszudrücken, war das Buch dann schon anspruchsvoll für mich. Ab der zweiten Hälfte dann in Teilen auch schon wieder zu anspruchsvoll. Zwar wurden alle physikalischen Erklärungen durch Skizzen sowohl mitten im Buch als auch im Anhang – und in letzterem Fall durch Fußnoten gekennzeichnet – veranschaulicht und zudem auch vereinfacht dargestellt, aber gegen Ende des Buches hin nahm der physikalische Aspekt der Geschichte dann die Überhand, sodass ich mehrfach Verständnisprobleme hatte und der Storyline nicht mehr 100%ig folgen konnte.

Genau deshalb kam die Spannung teilweise nicht ganz bei mir an, obwohl sie mit jedem Kapitel gesteigert wurde. Sobald ich dann aber wieder durch irgendwelche Formeln aus dem Konzept gekommen bin, war auch die Spannung wieder dahin.

Was mich allerdings immer hat weiterlesen lassen, waren die Charaktere. Obwohl die Nebencharaktere etwas zu flach geblieben sind, konnte mich die Ausarbeitung der beiden Protagonist*innen Esso und Rhia überzeugen. Esso mit seinem selbstironischen Humor war sehr erfrischend und hat zudem einen sehr realitätsnahen Einblick in die Welt (und die Schwierigkeiten) der heutigen Jugend geboten. Rhia auf der anderen Seite steht stellvertretend für die Generation Jugendlicher in 15 Jahren. Auch wenn sie mir zum Ende hin etwas zu schnell Zusammenhänge begreift, die mir nicht mal in den Sinn gekommen wären, war sie mir sogar ein klitzekleines Bisschen sympathischer als Esso.

Fazit

Alles in einem würde ich das Buch zwar weiterempfehlen, aber mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass zumindest physikalische Grundlagen da sein sollten sowie ein Vermögen von abstraktem Denken, da es sonst schnell – wie bei mir – zu Verständnisschwierigkeiten kommen könnte.

Rezension: »Unchained« von Jennifer L. Armentrout

Liebe Jennifer, warum musstest du mich mit diesem Buch so sehr enttäuschen? Ich hatte hohe Erwartungen, wirklich, aber leider konnte die Autorin diese nicht erfüllen. Ich hoffe sehr, dass sich das mit ihren neuen Büchern wieder ändert, denn eigentlich bin ich Besseres von ihr gewohnt.


Inhalt

Das Leben von Dämonenjägerin Lily Marks ist nicht leicht. Obwohl sie weiß, dass der gefallene Engel Julian ihr Todfeind sein sollte, ertappt sie sich dabei, dass sie nicht aufhören kann, an ihn zu denken – genauso wenig wie an die Gefühle, die er in ihr auslöst. Als Lily beschuldigt wird, eine Verräterin zu sein, droht ihr die komplizierte Beziehung zu Julian zum Verhängnis zu werden. Lilys einzige Chance, ihr altes Leben zurückzubekommen, besteht darin, den wahren Verräter unter den Jägern zu enttarnen. Wird der gefallene Engel ihr dabei helfen … oder ihr Leben zerstören?

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

(Quelle: Thalia)

Titel: Unchained
Originaltitel: Unchained – Nephilim Rising
Autorin: Jennifer L. Armentrout
Übersetzung: Michaela Link
Genre: Urban Fantasy
Format: Paperback
Seiten: 432
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-28246-8
Preis: 15,00€
Deutsche Ersterscheinung: April 2021


Meine Meinung

Es tut echt weh, diese Rezension zu schreiben, weil ich bisher noch kein Buch von Jennifer L. Armentrout so schlecht wie dieses fand. Als Begründung reicht das aber nicht, deshalb werde ich einfach mal versuchen, meine Meinung irgendwie in Worte zu fassen.

Zunächst einmal mag ich Jennifers Schreibstil normalerweise echt gerne. In diesem Buch kam er mir allerdings sehr holprig vor, weniger ausgefeilt als in ihren anderen Büchern. Ich gehe davon aus, das liegt daran, dass »Unchained« eines ihrer ersten Bücher ist, im Original ist es nämlich schon 2013 erschienen. Trotzdem muss ich das mit bewerten, denn ich wurde einfach nicht ganz warm mit dem Schreibstil.

Dann ist mir sofort im ersten Kapitel aufgefallen, dass »Unchained« scheinbar eine Art Vorgänger der »Dark Elements«-Reihe war. Also unabhängig von dieser, aber in einigen Details sehr ähnlich. Schon das erste Kapitel fängt fast genauso an, und auch die Thematik ähnelt sich bis zu einem gewissen Punkt. Mit dem Unterschied, dass »Dark Elements« sehr viel besser ist, von Schreibstil und Handlung her. Aus dem Grund kam es mir ein bisschen so vor, als würde ich einen schlechteren Abklatsch der »Dark Elements«-Reihe lesen, was ziemlich schade war.

Die Handlung an sich war nicht grauenhaft, versteht mich bitte nicht falsch. Aber sie blieb irgendwie zu flach. Es ging einfach nicht in die Tiefe, alles blieb sehr oberflächlich und geradlinig, ohne jeglichen Interpretationsspielraum. Zwar wurde nach und nach etwas Spannung aufgebaut, gerade Julian und dessen Absichten betreffend, aber mehr Thrill gab es leider nicht wirklich. Rechtschreibfehler gab es zum Glück wenn überhaupt nur so kleine, dass ich sie mittlerweile wieder vergessen habe, sonst wäre mein negatives Bild dieses Buches noch negativer gewesen.

Nun aber zu Lily, der Protagonistin. Ich mochte an ihr, dass sie offensichtlich eine starke Frau ist, die sich zu behaupten weiß und nichts einfach so auf sich sitzen lässt. Dass sie zu Beginn des Buches noch Jungfrau ist, setzt zudem ein Zeichen, dass es überhaupt nicht schlimm ist, auch mit 20, 30, 40 oder bis ans Lebensende jungfräulich zu bleiben, weil das jede*r für sich selbst zu entscheiden hat. Womit wir auch schon bei ihren negativen Eigenschaften wären, die vermuglich tough wirken sollten, ihre Wirkung bei mir aber leider verfehlt haben. Denn Lily ist nicht dazu in der Lage, ein normales Gespräch zu führen, ohne jemanden anzuschreien, aggressiv und handgreiflich dabei zu werden oder gleich jemanden ernsthaft zu verletzen. Dies gepaart mit ihrer Unfähigkeit logisch zu denken, wenn es um Julian geht, war nach vier Kapiteln bereits genug für mich; von da an fand ich es einfach nur nervig, weshalb ich teilweise ganze Absätze übersprungen habe.

Ihre Beziehung zu Julian ist noch so eine Sache, die mir negativ aufgestoßen ist. Denn Julian ist seit geschlagenen 11 Jahren ihr persönlicher Schatten und verfolgt sie, wohin sie auch geht, treibt sie damit in den Wahnsinn und versucht, sie zu verführen. Ein richtig mieser Stalker also. Lily fühlt sich aber trotzdem immer direkt zu ihm hingezogen, wenn er ihr so nahe kommt, dass es ihr bereits unangenehm ist. Diese Reaktion vermittelt ein sehr problematisches Selbstbild, zumal die Beziehung, die Julian und Lily entwickeln, der Inbegriff von toxisch ist.

Nicht außer Acht zu lassen ist außerdem die Tatsache, dass Lily die einzige weibliche Figur in dem Buch ist. Sie ist eine Seltenheit unter den Nephilim (Dämonenjäger*innen) und wickelt ihre männlichen Kollegen mit ihrer geringen Körpergröße und äußerlich anzunehmenden Zerbrechlichkeit ständig um den Finger. Wenn das mal kein veraltetes Frauenbild ist, dann weiß ich auch nicht.


Fazit

»Unchained« kann ich leider nicht weiterempfehlen. Ich frage mich ehrlich gesagt, wie man zu dem Entschluss gekommen ist, dieses Buch auf Deutsch zu veröffentlichen, wo es doch so viele unglaublich gute englische Bücher gibt, die noch nicht übersetzt wurden. Aber das ist auch wieder nur meine subjektive Meinung, es gibt sicherlich auch Menschen, denen das Buch super gut gefallen hat. Nur gehöre ich leider nicht dazu.

Rezension: »Das Wunschspiel« von Patrick Redmond

Da ich mal wieder Lust auf einen Psychothriller hatte, habe ich mir einen vorgenommen, der schon eine längere Zeit auf meinem SuB vor sich hin vegetiert hat: »Das Wunschspiel« von Patrick Redmond. Ich bin ohne große Erwartungen an das Buch gekommen – und wurde auf ganzer Linie überrascht!


Inhalt

England 1954: In einem Elite-Internat kommen unter mysteriösen Umständen mehrere Schüler und ein Lehrer ums Leben. Die englische Oberschicht ist geschockt und setzt alles daran, die Vorfälle zu vertuschen. Jahre später stößt ein Journalist auf die alte Geschichte und erfährt von einer gefährlichen Freundschaft zwischen zwei Jungen, die mit dem Feuer spielten …

Jonathan ist ein einsames Kind. In dem englischen Knabeninternat Kirkston Abbey fühlt er sich unglücklich, denn seine Klassenkameraden hänseln ihn wegen seiner einfachen Herkunft. Nur allzu oft ist er Zielscheibe von Spott und Hohn – bis zu jenem Vormittag, als sein Mitschüler Richard ihm in der Lateinstunde aus der Patsche hilft. Richard ist auch ein einsames Kind – doch im Gegensatz zu Jonathan sondert er sich bewusst von den anderen ab. Seine Altersgenossen bewundern ihn dafür, wirkt er doch stark und unabhängig. Nichts scheint ihn anzufechten, auch nicht das Internatssystem, das nach menschenverachtenden Gesetzen funktioniert und für viele die Hölle auf Erden bedeutet.

Jonathan fühlt sich von Richards Interesse geschmeichelt. Die beiden werden unzertrennlich. Jonathan lernt, wie er sich gegen den Psychoterror der anderen wehren kann, und seine Macht über andere wächst. Doch Richard ist das nicht genug. Er überzeugt Jonathan, dass sie ihre geheimnisvollen Kräfte nicht nur gegen jene richten sollen, die einst Jonathan gedemütigt haben, sondern gegen alle, die versuchen, sich ihrer immer enger werdenden Freundschaft in den Weg zu stellen. Ein tödliches Spiel nimmt seinen Lauf …

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

(Quelle: Amazon)

Titel: Das Wunschspiel
Originaltitel: The Wishing Game
Autor: Patrick Redmond
Übersetzung: Birgit Moosmüller
Genre: Horror
Format: Taschenbuch
Seiten: 447
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-45135-3
Preis: 9,00€
Deutsche Ersterscheinung: 2000


Meine Meinung

»Das Wunschspiel« ist ein großartiges Buch, das ich allerdings nicht wirklich als Psychothriller inordnen würde, obwohl es auf dem Klappentext als solcher gekennzeichnet ist. Tatsächlich taucht nämlich ca. ab der zweiten Hälfte eine paranormale Komponente auf, weshalb sich das Buch eher in Richtung Horror bewegt und weg von einem „gewöhnlichen“ Psychothriller. Horror aber auch eher auf eine subtile Art und Weise, also beschreibt Mystery das Ganze vielleicht etwas besser.

Das Buch startet mit einer Art Disclaimer, in dem aus der Sicht des im Klappentext bereits erwähnten Journalisten erzählt wird. Er interviewt einen älteren Mann und fragt diesen nach den Todesfällen an dem Kirkston Abbey Internat aus. Daraufhin beginnt die eigentliche Geschichte von Jonathan und Richard im Jahr 1954. Nach und nach erfährt man mehr über das Leben der Schüler des Internats sowie über die Entstehung dieser besonderen Freundschaft zwischen Jonathan und Richard, der mit seiner düsteren Ausstrahlung selbst den Lehrern Angst einjagt.

Obwohl in der ersten Hälfte des Buches sehr wenig passiert, bleibt es durchweg spannend und ist nie langatmig. Es geht gemächlich zur Sache, plätschert dabei aber nicht einfach so vor sich hin, sondern bleibt trotzdem interessant und auf subtile Art spannend. Am interessantesten dabei ist die Ausarbeitung der Charaktere für mich gewesen, denn genau das ist es, was die Geschichte meiner Meinung nach nie langweilig werden lässt, obwohl es keine richtige Action gibt. Das Drama, das sich sowohl zwischen den Schülern als auch zwischen den Lehrern und deren Frauen aufbaut, lässt immer weitere Handlungsstränge entstehen, die am Ende ineinandergreifen und ein großes Ganzes bilden, das Sinn ergibt, obwohl es am Anfang scheinbar keine Verbindung zwischen den einzelnen Handlungssträngen gibt.

Hinzu kommt, dass das Buch wirklich sehr schnell gelesen ist. Das liegt mitunter am Schreibstil des Autors, der weder zu emotionalisierend noch zu distanziert wirkt. Trotz der verhältnismäßig langen Kapitel habe ich das ganze Buch an nur zwei Nachmittagen durchgelesen. Dennoch muss ich zugeben, dass ein paar Seiten weniger in der ersten Hälfte und ein paar mehr zum Ende hin das Buch noch mal aufgewertet hätten – zumindest meiner Meinung nach. Denn gerade das Ende kam mir zu abrupt und war mir irgendwie zu „einfach“ im Vergleich mit der komplexen Storyline zuvor. Es gab mir von jetzt auf gleich einfach zu viele Tote, was sich für mich nicht ganz mit dem Rest des Buches vereinbaren ließ.


Fazit

»Das Wunschspiel« ist ein Buch, das sich auf jeden Fall lohnt zu lesen! Gerade für Leser*innen, die sich erst mal an das Genre Horror herantasten wollen, würde ich dieses Buch empfehlen, da es wirklich nur auf eine sehr subtile Art horrormäßig, aber trotzdem packend und mitreißend ist.