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Rezension: »Der Zwillingscode« von Margit Ruile

Hallo ihr Lieben!

Etwas verspätet kam mein Rezensionsexemplar von „Der Zwillingscode“ bei mir an. Ich habe es dann sofort angefangen zu lesen, um den Loewe-Verlag nicht noch länger auf meine Rezension warten zu lassen. Das Buch ist eine Dystopie, die im Januar 2021 erschienen ist, also noch ganz neu. Zugegeben lese ich ja eher selten Neuerscheinungen, aber da ich zurzeit so im Dystopien-Fieber bin, hat sich das hier ganz gut angeboten.

Das Buch ist ein Rezensionsexemplar, das mir vom Loewe-Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Das beeinflusst weder meine Meinung noch den Inhalt der Rezension.


Inhalt

Was passiert, wenn die Dinge, die wir erschaffen, uns gar nicht mehr brauchen?

Vincent ist siebzehn und eine Doppel-C-Seele. Sein Sozialpunktestand ist so niedrig, dass an ein Studium nicht zu denken ist. Stattdessen repariert er heimlich die mechanischen Haustiere der Firma Copypet. Eines Tages bringt eine alte Frau eine Katze zur Reparatur. Und die führt Vincent geradewegs in die Simulation – eine virtuelle Welt, in der alle unsere Gegenstände ihr digitales Leben führen. Verborgen in dieser Zwillingswelt aber liegt ein Code. Vincent muss ihn finden, denn davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.

Ein außergewöhnliches Zukunftsszenario im Stil von Black Mirror.


Bibliografie

Titel: Der Zwillingscode
Autorin: Margit Ruile
Genre: Dystopie
Format: Paperback
Seiten: 315
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0324-2
Sprache: Deutsch


Meine Meinung

Dieses Buch ist eine seltene Enttäuschung für mich gewesen. Der Inhalt klingt wirklich interessant, und auch das Cover hat mich sofort angesprochen. Die Umsetzung konnte mich aber leider auf keiner Ebene überzeugen …

Die Welt aus dem Buch ist im Grunde genommen unsere, aber im Jahr 2057. Die Digitalisierung hat ganz andere Ausmaße angenommen – alles ist vernetzt, jeder hat ein Handy, echte Tiere sind teils schon komplett ausgestorben und werden durch künstliche Tiere der Firma Copypet ersetzt. Das alles ist in der Gesellschaft völlig normal. Genau wie der Sozialpunktestand, den jeder Mensch besitzt. Je besser der Sozialpunktestand, desto mehr Privilegien und Rechte hat man. Das Buch beschäftigt sich mit einer sehr aktuellen Thematik, nämlich der Künstlichen Intelligenz. In der Geschichte hat sich eine K.I. nun weiterentwickelt, ohne dass die Menschen davon wissen.

Wie gesagt: Gute Idee, aber die Umsetzung leider nicht mein Fall. Die Storyline an sich ist ganz in Ordnung. Es gibt einen roten Faden und am Ende einen halbwegs überraschenden Showdown. Allerdings gab es auch keine anderen Handlungsstränge, was das ganze sehr einfach und irgendwie eindimensional hat wirken lassen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr schlicht und einfach und dadurch angenehm und schnell zu lesen. Trotzdem war er nicht sonderlich aussagekräftig oder gar bildgewaltig. Es haben auch viele Beschreibungen und Erklärungen gefehlt, wodurch vieles ein Rätsel für mich blieb und ich auch jetzt noch eine ganze Menge offener Fragen habe. Zudem gab es eine Menge Logikfehler, was ich persönlich ziemlich schade finde, weil zumindest im Lektorat genau auf solche Dinge noch mal geachtet werden sollte. So frage ich mich jetzt aber zum Beispiel, wie es sein kann, dass sich Vincent in seinen Erinnerungen selbst sieht. Oder dass ein Programm, dass durch Lippenlesen Töne in Stummfilme spielt, Windgeräusche einblenden kann.

Außerdem konnte ich weder zu Vincent noch zu irgendeinem anderen Charakter eine Bindung aufbauen. Zwar war zumindest Vincent in der Theorie recht tiefgründig ausgearbeitet, aber da seine Emotionen und Gedanken so extrem auf der Strecke geblieben sind, konnte ich mich einfach nicht in ihn hineinversetzen.

Stattdessen kam es mir so vor, als wäre ich eine Zuschauerin in einem Kinofilm. Tatsächlich stelle ich mir die Geschichte als Film auch besser vor als als Buch. Da merkt man meiner Meinung nach auch deutlich, dass die Autorin vorher in der Filmbranche tätig war und Drehbücher geschrieben hat.

Die ganze Handlung spielte sich sehr temporeich ab, und irgendwie wirkte das Buch extrem komprimiert, weil viele Informationen fehlten, die das Verständnis einfacher gemacht hätten. So blieb alles irgendwie oberflächlich und ich konnte nie in die Geschichte abtauchen. Einige Seiten mehr, vielleicht sogar um die 100, hätten dem Buch sicher nicht geschadet.

Obwohl ich auf den ersten hundert Seiten das Gefühl hatte, es könnte endlich mal was passieren, muss ich jetzt im Nachhinein zugeben, dass die ersten hundert Seiten weitaus weniger temporeich waren als der Rest. Dort hat sich nichts zu schnell entwickelt, was ich jetzt mal als Pluspunkt zähle.

Das offene Ende ist hier ausnahmsweise ebenfalls mal ein Pluspunkt. Zwar bin ich ein großer Fan von Happy Ends, aber hier hätte das gar nicht gepasst und wäre viel zu vorhersehbar gekommen. Stattdessen wurde alles irgendwie noch realistischer und hat zumindest noch ein bisschen was aus der Geschichte rausgeholt.


Fazit

Leider war dieses Buch der erste richtige Flop in diesem Jahr. Ich hatte so große Hoffnungen und vor allem hohe Erwartungen, aber keine einzige wurde erfüllt. Stattdessen muss ich eingestehen, dass es dem Buch nicht geschadet hätte, noch ein paar Mal überarbeitet zu werden, sodass noch mindestens 100 Seiten an Ausführungen hinzugekommen wären.