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Rezension: »Mein fast perfekter Sommer« von Sophie Gonzales

Eine kurze Rezension zu einer kurzen Vorgeschichte…


Inhalt

Der 17-jährige Ollie Di Fiore verbringt die Sommerferien mit seinen Eltern in North Carolina, um seiner kranken Tante unter die Arme zu greifen. Doch schon sein erster Einsatz als Babysitter für seinen kleinen Cousin und seine Cousine droht in einer Katastrophe zu enden. Rettung naht in Form von Will Tavares – gutaussehend, charmant und ein wahres Wunder im Umgang mit kleinen Kindern. Ollie ist sofort hin und weg … Aber geht es Will genauso?


Bibliographische Angaben

Titel: Mein fast perfekter Sommer
Autorin: Sophie Gonzales
Übersetzung: Doris Atwood
Genre: Young Adult
Format: E-Book
Seiten: 101
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-641-28610-1
Reihe: Nur fast am Boden zerstört / Prequel


Meine Meinung

Endlich mal eine Vorgeschichte, die man sowohl vor als auch nach dem eigentlichen Buch lesen kann, ohne dass Verständnisprobleme auftauchen.

Schon »Nur fast am Boden zerstört« hat mir extrem gut gefallen, weshalb ich auch unbedingt »Mein fast perfekter Sommer« lesen musste, um ein paar mehr Seiten Will und Ollie zu bekommen.

Der Humor ist mal wieder auf den Punkt gebracht, es gab viele Szenen, in denen ich schmunzeln musste. Zudem wirkten die Dialoge und alles drum herum zutiefst authentisch und gar nicht überspitzt.

Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist, dass sich die meisten Szenen doppeln, da es auch in »Nur fast am Boden zerstört« Rückblicke gibt. Ein paar mehr exklusive Einsichten in den Sommer von Will und Ollie hätten nicht geschadet, insbesondere zum Ende hin, wo dann aber doch recht viel übersprungen wurde.

Fazit

Zusammenfassend lohnt es sich aber auf jeden Fall, die Vorgeschichte zu lesen, egal ob vor oder nach »Nur fast am Boden zerstört«!

Rezension: »The Upper World – Ein Hauch Zukunft« von Femi Fadugba

»The Upper World – Ein Hauch Zukunft« ist das Debüt des Autors Femi Fadugba und wurde mir vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Inhalt

Esso, ein schwarzer Teenager aus der Londoner Südstadt, verliert bei einem Autounfall das Bewusstsein und sieht plötzlich Szenen aus der Zukunft. Darin ist sein Leben in Gefahr, das seiner Freunde – und das Leben seiner großen Liebe Nadia. Das will er um jeden Preis verhindern. Doch dazu braucht er die Hilfe eines Mädchens aus der Zukunft…

Femi Fadugbas spektakuläres Debüt: ein hoch spannender Zeitreise-Thriller mit politischer Botschaft, der alle Genregrenzen sprengt.


Bibliographische Daten

Titel: The Upper World – Ein Hauch Zukunft
Autor: Femi Fadugba
Übersetzung: Alexandra Ernst
Genre: Science Fiction
Format: Hardcover
Seiten: 414
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16622-2


Meine Meinung

Wer das Bloggerportal kennt, weiß, dass Blogger*innen dort Bücher, die innerhalb der Verlagsgruppe Random House erschienen sind oder noch erscheinen, als Rezensionsexemplar anfragen können. Meine Anfrage für »The Upper World« rührt daher, dass mich Cover und Klappentext des Buches sofort angesprochen haben. Sofort habe ich auf eine vielversprechende Geschichte gehofft, wobei ich eigentlich dachte, dass sie eher in die Fantasy-Richtung geht.

Letztendlich wurde mir aber etwas ganz anderes aufgetischt als ich erwartet hatte, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Tatsächlich würde ich das Buch im Bereich Science Fiction einordnen, denn Wissenschaften – insbesondere Physik und Philosophie – spielen eine sehr große Rolle in dem Buch.

Da ich auf so gut wie allen Gebieten der Physik unzureichend bewandert bin, um es mal vorsichtig auszudrücken, war das Buch dann schon anspruchsvoll für mich. Ab der zweiten Hälfte dann in Teilen auch schon wieder zu anspruchsvoll. Zwar wurden alle physikalischen Erklärungen durch Skizzen sowohl mitten im Buch als auch im Anhang – und in letzterem Fall durch Fußnoten gekennzeichnet – veranschaulicht und zudem auch vereinfacht dargestellt, aber gegen Ende des Buches hin nahm der physikalische Aspekt der Geschichte dann die Überhand, sodass ich mehrfach Verständnisprobleme hatte und der Storyline nicht mehr 100%ig folgen konnte.

Genau deshalb kam die Spannung teilweise nicht ganz bei mir an, obwohl sie mit jedem Kapitel gesteigert wurde. Sobald ich dann aber wieder durch irgendwelche Formeln aus dem Konzept gekommen bin, war auch die Spannung wieder dahin.

Was mich allerdings immer hat weiterlesen lassen, waren die Charaktere. Obwohl die Nebencharaktere etwas zu flach geblieben sind, konnte mich die Ausarbeitung der beiden Protagonist*innen Esso und Rhia überzeugen. Esso mit seinem selbstironischen Humor war sehr erfrischend und hat zudem einen sehr realitätsnahen Einblick in die Welt (und die Schwierigkeiten) der heutigen Jugend geboten. Rhia auf der anderen Seite steht stellvertretend für die Generation Jugendlicher in 15 Jahren. Auch wenn sie mir zum Ende hin etwas zu schnell Zusammenhänge begreift, die mir nicht mal in den Sinn gekommen wären, war sie mir sogar ein klitzekleines Bisschen sympathischer als Esso.

Fazit

Alles in einem würde ich das Buch zwar weiterempfehlen, aber mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass zumindest physikalische Grundlagen da sein sollten sowie ein Vermögen von abstraktem Denken, da es sonst schnell – wie bei mir – zu Verständnisschwierigkeiten kommen könnte.

Rezension: »Nur fast am Boden zerstört« von Sophie Gonzales

Vielen Dank an das Bloggerportal und die Verlagsgruppe Random House für dieses Rezensionsexemplar! Und ein noch größeres Danke, weil es kein Problem dargestellt hat, dass ich die Rezension erst jetzt hochladen konnte.


Inhalt

Will Tavares ist der perfekte Sommerflirt – witzig, attraktiv und liebevoll – aber gerade als Ollie denkt, er hätte sein Happy End gefunden, enden die Sommerferien und Will antwortet nicht mehr auf seine Nachrichten. Um die Sache noch schwieriger zu machen, muss Ollie wegen eines Familiennotfalls ans andere Ende der USA ziehen. Was ihm deutlich weniger ausmacht, als er herausfindet, dass er von jetzt an auf dieselbe Schule wie Will geht – nur dass dieser Will nichts mit dem Jungen zu tun hat, mit dem Ollie seinen Sommer verbracht hat. Dieser Will ist ein Basketball-Crack, bekennt sich nicht zu seiner Sexualität und ist obendrein ein ziemlicher Idiot. Ollie denkt nicht daran, Will hinterherzutrauern. Doch dann taucht Will „zufällig“ ständig in Ollies Nähe auf: vom Cafeteria-Tisch bis hin zu Ollies Musikkurs. Und Ollies Entschluss gerät gehörig ins Wanken …

(Quelle: Amazon)


Bibliographische Daten

(Quelle: Amazon)

Titel: Nur fast am Boden zerstört
Originaltitel: Only Mostly Devastated
Autorin: Sophie Gonzales
Übersetzung: Doris Atwood
Genre: Young Adult
Format: Paperback
Seiten: 336
Verlag. cbj
ISBN: ‎ 978-3570166086
Deutsche Ersterscheinung: 26. Juli 2021


Meine Meinung

Schon nach der ersten Seite war ich völlig gefesselt vom Schreibstil der Autorin. Er ist an genau den richtigen Stellen mal witzig, mal emotionsgeladen und mal ernsthaftig. Allein dadurch hat mich das Buch schon komplett in seinen Bann gerissen.

Hinzu kommt dann noch der Humor, der unbedingt eine Erwähnung finden muss in dieser Rezension. Denn der ist einfach grandios! So oft musste ich über Ollies Gedanken und Worte schmunzeln oder sogar lachen, weil sie mir so sehr aus der Seele gesprochen haben, gleichzeitig aber einfach lustig waren.

Zudem ist die ganze Geschichte sehr tiefgründig ausgearbeitet. Immer mal wieder erfährt man als Leser*in in kleinen Rückblicken mehr über den vorangegangenen Sommer – was, nebenbei bemerkt, auch die Neugierde auf das Prequel steigert. Die detailreich ausgearbeiteten Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen haben ihr Übriges dazu getan. Allgemein hat mir die Zusammenstellung der Charaktere super gut gefallen, es gab viel Diversity und Freundschaften, die sich wunderbar ergänzt haben, auch wenn das die Charaktere selbst vielleicht nicht sofort erkannt haben.

Außerdem sind sowohl der Plot an sich, als auch auch die Liebesgeschichte zwischen Ollie und Will – und alle anderen Liebesgeschichten – sehr glaubhaft und realistisch dargestellt. Ich habe den Charakteren alles abgekauft, was sie gesagt oder getan haben, und war komplett in der Welt von Ollie und Will versunken.

Es spielt aber nicht „nur“ das Thema Sexualität eine große Rolle in dem Buch. Auch Trauer, Verlust, Freundschaft und natürlich Liebe sind Themen, die einen Platz finden, der nicht zu knapp kommt. Das macht das Buch für mich zu einem absoluten Wohlfühlbuch, das ich ohne Zweifel an alle weiterempfehlen werde!


Fazit

»Nur fast am Boden zerstört« von Sophie Gonzales ist eine absolute Empfehlung, ein Highlight und ein Pageturner für mich. Wer auf der Suche nach einer zuckersüßen, gleichzeitig aber auch emotional geladenen und humorvollen Story ist, der muss dieses Buch unbedingt lesen!

Rezension: »Two can keep a secret« von Karen M. McManus

Hey alle zusammen!

Mitunter habe ich mir für 2021 auch vorgenommen, mehr Buddy-reads zu machen, und einer davon ist jetzt auch schon geschafft. Zusammen mit Daniel von Lesemagie habe ich „Two can keep a secret“ gelesen – in der Rezension erfahrt ihr, wie es mir gefallen hat.


Inhalt

Eine Kleinstadt. Eine Mordserie. Und der Killer ist zurück.

Ellery kennt die dunkle Vergangenheit von Echo Ridge nur allzu gut. Dort verschwand ihre Tante spurlos und vor fünf Jahren wurde die Homecoming Queen der Highschool ermordet. Der »Murderland-Killer« machte landesweit Schlagzeilen. Ausgerechnet dorthin zieht Ellery nun, zu einer Großmutter, die fast eine Fremde für sie ist. Als aus dem Nichts Morddrohungen gegen die zukünftige Homecoming Queen zirkulieren, ermittelt Ellery auf eigene Faust. Dabei lernt sie Malcolm kennen, den jüngeren Bruder des Hauptverdächtigen. Dann verschwindet wieder ein Mädchen und plötzlich steht jeder unter Verdacht …


Bibliografie

Titel: Two can keep a secret
Autorin: Karen M. McManus
Übersetzung: Anja Galić
Genre: Jugendthriller
Format: Hardcover
Seiten: 413
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16538-6
Reihe: Der Murderland-Killer / Bd. 2
Sprache: Deutsch


Meine Meinung

Wie bereits in der Bibliografie erwähnt, ist „Two can keep a secret“ der zweite Teil der Murderland-Reihe, obwohl er nicht mit dem ersten Teil „One of us is lying“ in Verbindung steht. Sie haben nichts miteinander zu tun und können daher sehr gut unabhängig voneinander gelesen werden.

Der Schreibstil von Karen M. McManus ist schlicht und dadurch flüssig zu lesen. So konnten auch kleinere Längen gut überbrückt werden, ohne dass man sich durch die Geschichte quälen musste. Auffallend ist besonders, dass es in dem Buch sehr viele Dialoge gibt, allerdings eher wenige und dann eher kurzgefasste Monologe. Trotzdem kommen die Gedanken und Gefühle von Ellery und Malcolm nicht zu kurz. Dennoch hätte ich mir zwischendurch ein bisschen mehr Tiefe gewünscht.

Ellery und Malcolm waren sehr sympathische Protagonisten, die gut miteinander harmonieren. Aber auch Ellerys Zwillingsbruder Ezra und Malcolms beste Freundin Mia sind gut ausgearbeitet und haben die Geschichte auf jeden Fall aufgefrischt. Zudem wird kein großes Ding daraus gemacht, dass Ezra schwul und Mia bisexuell ist. Das ist ein weiterer Pluspunkt, weil ich es einfach lästig finde, wenn immer wieder darauf herumgeritten wird.

Es gab aber auch ein paar Passagen, die ich ein wenig grenzwertig fand, da man sie leicht missverstehen konnte. Beispielsweise bei diesem Zitat:

»Außerdem gehört sie zu den vier Quotenschülern hier, die eine andere Hautfarbe haben. Wer für sie stimmt, kann sich also besonders progressiv fühlen.«

Seite 117-118

Wer da nicht genau liest und erkennt, dass Mia diesen Satz gesagt hat, die selbst zu den „Quotenschülern“ gehört, ist das sehr leicht misszuverstehen und kann durchaus rassistisch betitelt werden. Weiß man jedoch, dass Mia das gesagt hat, ist auch zu erkennen, dass da ihre eigene Verbitterung rausspricht. Deutlicher wäre das noch durch beschreibende Adjektive geworden, also „verbittert“. Doch wenn es um die Sprache ging, musste man sich häufig selbst Schlüsse ziehen, wie die Charaktere was ausgedrückt haben.

Vom Plot her hat mir das Buch allerdings ganz gut gefallen. Zwar gab es zwischendurch immer mal ein paar Längen, aber die wurden schnell überbrückt. Die Spannung war eher unterschwellig, aber vorhanden und ich habe die ganze Zeit über mitgefiebert und -gerätselt, wer denn jetzt der Mörder ist. Mit der Auflösung am Ende hätte ich nicht gerechnet, das habe ich erst verstanden, als auch Ellery und Malcolm mit der Nase draufgefallen sind. Und auch, was das Verschwinden von Ellerys Tante Sarah mit der ganzen Sache zu tun hatte, blieb lange ein Rätsel, bis es im allerletzten Satz endlich verraten wurde. Und dieser Satz hat noch mal einiges aus der Geschichte rausgeholt und ließ mich mit klopfendem Herzen zurück.


Fazit

„Two can keep a secret“ hat mir insgesamt ein wenig besser gefallen als „One of us is lying“, wo ich das Ende so oder in der Art schon vorhersehen konnte. Hier kam das Ende jedoch völlig überraschend und hat mich wirklich von den Socken geholt. Trotzdem habe ich einige Kritikpunkte, die ich unter gar keinen Umständen missachten kann.

Rezension: »Das Mädchen im blauen Mantel« von Monica Hesse

Hallo ihr Lieben!

Heute mal die Rezension zu einem Buch, das mir wirklich die volle Bandbreite an Emotionen entlockt hat – ich war entsetzt, traurig, wütend, gespannt, nachdenklich und an einigen wenigen Stellen auch mal glücklich (bitte nicht falsch verstehen, denn das Thema ist alles andere als schön).

Ich hatte das Buch gar nicht wirklich auf dem Schirm, bis ich es zu meinem 16. Geburtstag im Dezember 2019 von meiner Tante bekommen habe. Und ich finde, dieses Buch sollte auf jeden Fall mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken!!!


Allgemeine Informationen

Titel: Das Mädchen im blauen Mantel
Autorin: Monica Hesse
Übersetzung: Cornelia Stoll
Genre: Historischer Roman
Format: Taschenbuch
Seiten: 381
ISBN: 978-3-570-31319-0
Verlag: cbt
gelesen: 11.07.20 bis 15.07.20


Inhalt

Schuld und Verrat,
Mut und Widerstand

Amsterdam ist von den Nazis besetzt. Hanneke trauert dort um ihren Freund, der an der Front gefallen ist. Als kleinen Akt der Rebellion gegen die Deutschen beschafft sie Schwarzmarktgüter. So hält sie sich und ihre Eltern über Wasser. Doch eines Tages erhält sie einen sehr ungewöhnlichen Auftrag: Sie soll ein jüdisches Mädchen finden, das aus einem Geheimversteck verschwunden ist. Auf der Suche nach diesem Mädchen gerät Hanneke in ein Netz aus Lügen, Rätseln und Geheimnissen.

»Ein einfühlsames, packendes Buch … über den kleinen, alltäglichen Verrat in einem großen Krieg!«

Kinder- und Jugendmedien Aargau

Meine Meinung

Die Gestaltung

Allein das Cover hat mich bereits angesprochen, als ich mein Geburtstagsgeschenk ausgepackt habe. Es vermittelt direkt diesen ernsten, irgendwie wehmütigen Eindruck, der mich auch das ganze Buch über nicht verlassen hat.

Die Farben passen außerdem perfekt zum Inhalt – und natürlich zum Titel, der ebenfalls perfekt gewählt ist. Und auch im Inneren kann ich nicht über die Gestaltung klagen.


Der Erzählstil

„Das Mädchen im blauen Mantel“ wird von der Protagonistin Hanneke Bakker aus der Ich-Perspektive erzählt. Somit bekommt man sofort einen sehr authentischen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle und lernt sie das ganze Buch über immer besser kennen. Ich würde beinahe sagen, der Leser wächst mit ihr ein Stück über sich hinaus.

Monica Hesses Schreibstil ist sehr anschaulich und einfühlsam und dadurch relativ leicht zu lesen, was in einem krassen Gegensatz zu der Thematik steht. Es wird hier sehr viel mit Metaphern gearbeitet, wodurch das Buch auch sehr ausdrucksstark rüberkam.

Immer wieder hat die Autorin auch holländische Wörter mit einfließen lassen. So hieß das Theater beispielsweise durchgängig „Hollandsche Schouwburg“ und die Untergetauchten waren immer die „Onderduiker“. Das hat dem Ganzen zusätzlich noch etwas sehr Authentisches verliehen.


Die Handlung

Das Buch ist im Großen und Ganzen chronologisch erzählt, wobei es zwischendurch ein paar Rückblicke in Form von Erinnerungen gibt, wenn Hanneke beispielsweise an ihre Beziehung mit Bas zurückdenkt oder an ihre Freundschaft mit Elsbeth, die endete, als diese Rolf, einen deutschen Nationalsozialisten von der Gestapo, heiratete.

Historisches Vorwissen ist auf jeden Fall vorausgesetzt – zumindest die Grundlagen sollten hier bekannt sein wie beispielsweise, wann was passiert eund wie die Schlacht bei Stalingrad ausging. Denn nur mit diesem Vorwissen sind die Anekdoten und Kommentare in dem Buch auch wirklich verständlich. Trotzdem wird aber nicht erwartet, dass der Leser bereits alles weiß, denn auch Hanneke ahnt anfangs nur einen Bruchteil von dem, was tatsächlich hinter den Kulissen abgeht. So lernt der LEser gemeinsam mit Hanneke, was es mit der Hollandsche Schouwburg auf sich hat und wie der Widerstand gegen die Nazis arbeitet.

Insgesamt ist die Geschichte von Hanneke sehr nah am historischen Kontext, obwohl die Figuren größtenteils alle frei erfunden sind. Das erklärt die Autorin noch mal in einer Anmerkung am Ende des Buches. Dort werden Personen, Orte und historische Ereignisse genauer erläutert und man erkennt, dass wirklich sehr wenig abgeändert wurde.

Mirjam, das jüdische Mädchen, das Hanneke im Auftrag von Frau Janssen suchen soll, steht symbolisch für die Grausmakeiten des Holocaust, denn erst durch sie erkennt Hanneke langsam, was Lüge und was Wahrheit ist. Durch Mirjam erst entschließt sich Hanneke dazu, etwas zu unternehmen und auf ihre Art gegen die Nazis zu rebellieren, während sie gleichzeitig glaubt, dass das Finden von Mirjam ein paar ihrer privaten Probleme löst.

Aber auch andere Dinge werden angesprochen, beispielsweise die Rolle, die den Holländern während des Holocausts zufiel. So wird hier nicht nur beschrieben, dass die Niederlande ein Ofper der Nazis waren, sondern es wird auch angerissen, dass das Volk genauso zerrissen ist wie zum Beispiel Deutschland selbst. Denn auch in den Niederlanden gab es eine Gruppe Jugendlicher, die die Hitlerjugend als Beispiel hatte, und auch dort gab es Menschen, die einfach wegsahen.

Durch Hannekes Suche nach der fünfzehnjährigen Mirjam Roodveldt kommen auch ein paar Krimi-Elemente mit in die Geschichte, was die Handlung noch spannender macht, als sie ohnehin schon ist. Es ist ein klarer roter Faden erkennbar, der sich durch das ganze Buch zieht und die Liebesgeschichten spielen nur eine geringe Rolle, obwohl sie für die Handlung essentiell sind. Dennoch werden ihnen nicht zu viel Aufmerksamkeit zugesprochen, sodass das Hauptthema immer noch die Suche nach Mirjam und die Auseinandersetzung mit den Gräueltaten der Nazis bleibt.


Die Charaktere

Hannekes Leben und ihre inneren Konflikte wurden sehr feinfühlig zum Leben erweckt. Es wird sehr gut dargestellt, dass sie sich im Laufe der Geschichte persönlich weiterentwickelt, da sie sich in Gedanken keine Lügengeschichten mehr zurechtlegt, was an dem Tag passiert ist, an dem sie Bas das letzte Mal gesehen hat oder wann und wo die beiden sich kennengelernt haben. Das unterstreicht noch mal, dass Verdrängung eine der größten unbewussten Stärken der Menschheit ist.


Fazit

„Das Mädchen im blauen Mantel“ ist ein sehr aufwühlendes, spannendes Buch, das mich nachdenklich und geschockt zurückgelassen hat und das mir noch lange Zeit im Kopf herumspuken wird.


Meine Bewertung

Gestaltung: 5/5 ⭐

Erzählstil: 5/5 ⭐

Handlung: 5/5 ⭐

Charaktere: 5/5 ⭐


Gesamt: 5/5 ⭐


Zitate

»Die Arbeit im Theater ist wahrscheinlich ebenso begehrt wie die Arbeit im Jüdischen Hospital. Die Juden, die dort arbeiten, habe ich gehört, bekommen einen Sonderstempel in ihren Ausweis, mit dem sie während der Ausgangssperre unterwegs sein dürfen, ohne deportiert zu werden. Glück ist ein relativer Begriff geworden, heute bedeutet Glück schon, wenn man in seiner eigenen Heimat nicht wie ein Verbrecher behandelt wird.«

Seite 135

»Was habe ich nicht alles versucht, um mir einzureden, dass Bas nicht allein war, als er starb. Aber wenn es so weit ist, ist jeder von uns allein.«

Seite 313

»Wenn etwas völlig anders ausgeht, als man erwartet hätte, so, wie man es sich niemals hätte vorstellen können, ist es dann wirklich vorbei? Heißt das, man muss weitersuchen, nach besseren Antworten, nach Antworten, die einem nicht den Schlaf rauben? Oder bedeutet es, dass es an der Zeit ist, seinen Frieden zu machen?«

Seite 356

Liebe Grüße,

Lara

Rezension: »One of us is lying« von Karen M. McManus

Hey ihr Lieben!

Dieser Monat ist sehr thrillerlastig, ich weiß, aber momentan bin ich einfach mehr im Thriller- als im Fantasy-Fieber. Also seht es mir nach^^

„One of us is lying“ habe ich von meiner Schwester zu meinem letzten Geburtstag bekommen, und da zurzeit ja der dritte Teil „One of us is next“ in aller Munde ist, wollte ich einfach mal schauen, wie mir der erste Band der Murderland-Killer-Reihe gefällt.


Allgemeine Informationen

Titel: One of us is lying
Autorin: Karen M. McManus
Übersetzung: Anja Galić
Genre: Jugendthriller
Format: Hardcover
Seiten: 444
ISBN: 978-3-570-16512-6
Verlag: cbj
Reihe: Der Murderland-Killer / Bd. 1
gelesen: 16.06.20 bis 22.06.20


Inhalt

EIN TOTER, VIER VERDÄCHTIGE – UND EINER VON IHNEN LÜGT

An einem Nachmittag sind fünf Schüler zum Nachsitzen in der Bayview High versammelt.
Bronwyn: das Superhirn auf dem Weg nach Yale.
Addy: die klassische Homecoming-Queen.
Nate: der Drogendealer.
Cooper: der Baseball-Star.
Simon: Urheber der berüchtigten Gossip-App der Highschool.
Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier Jugendlichen hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv …

SPANNEND, SEXY, RAFFINIERT: DER NEW YORK TIMES-BESTSELLER!


Meine Meinung

Die Gestaltung

Das Cover ist sehr ansprechend und macht auf jeden Fall neugierig auf den Inhalt. Es ist zwar eher schlicht gehalten, aber auch nicht so minimalistisch wie bei vielen anderen schlichten Büchern. Die Farbgebung passt perfekt zum Inhalt und auch zum Genre – ich meine, ein buntes Buch passt jetzt nicht wirklich zu einem Thriller, oder? (*hust* Man denke an „Verity“ von Colleen Hoover *hust*)

Auch im Inneren ist die Gestaltung sehr ansprechend, da es mal etwas Anderes ist. Es gibt rechts oben am Kapitelrand immer einen kleinen grauen Kasten, in welchem der Name der Person, aus deren Sicht erzählt wird, steht, zusammen mit dem Wochentag, dem Datum und der Uhrzeit. Dadurch hat man als Leser gleich ein besseres Verständnis für das Setting der Handlung bekommen und war bei Zeitsprüngen weniger verwirrt.


Der Erzählstil

Das Buch wird aus vier Perspektiven erzählt – Bronwyn, Nate, Addy und Cooper. Außerdem sind die Kapitel aus der Ich-Perspektive geschrieben, was es mir erleichtert hat, mich mit den Charakteren zu identifizieren – obwohl ich zugegeen anfangs ein paar Schwierigkeiten mit Addy hatte. Und trotz der Ich-Perspektive ermöglichen es die verschiedenen Sichtweisen auch, andere Blickwinkel kennenzulernen, wodurch man sich sein eigenes Urteil bilden kann. Auch Emotionen wurden von Karen M. McManus sehr lebendig an den Leser weitergegeben, sodass ich immer mit den Hauptcharakteren mitfühlen konnte.

Der Schreibstil an sich ist jedoch eher einfach gehalten. Wenig Metaphern – wobei mich manche bei Addy schon verwirrt haben, weil sie mir nie der Typ für solche Gedanken schien – und auch wenig verschachtelte Sätze, also auch nicht so anspruchsvoll wie vielleicht andere Thriller. Aber es handelt sich ja auch gleichzeitig um ein Jugendbuch, weshalb ich den Schreibstil für die Zielgruppe perfekt und nicht zu schwierig finde.

Besonders gut fand ich, dass die Protagonisten nicht diese gefakte Umgangssprache hatten, von denen Erwachsene immer denken, dass wir Teenager sie sprechen – okay, es gibt natürlich trotzdem einige dieser Klischee-Kandidaten an meiner Schule, aber ihr wisst, was ich meine. Stattdessen sprachen die Charaktere so, wie meine Freunde und ich auch. Dadurch wirkten auch die Dialoge sehr realistisch – aber manchmal habe ich mich schon gefragt, ob Bronwyns Ausdrucksweise nicht doch ein bisschen zu hochgestochen ist, selbst wenn man bedenkt, dass sie die Streberin ist.


Die Handlung

Ich finde, von der Handlung her erinnert das Buch an „Tote Mädchen lügen nicht“. Es beginnt nicht so spannend wie ich erwartet hätte, denn nach dem Tod von Simon „entschleunigt“ sich die Handlung deutlich wieder. Teilweise wurde es mir dann doch ein bisschen zu langweilig, weil einfach zu wenig passiert ist. Das Augenmerk der Geschichte liegt nicht auf den Mordermittlungen, sondern auf dem gesellschaftlichen Leben der Schüler, was im Klappentext jedoch nirgends erwähnt wird.

Außerdem wird sich oft an den typischen Highschool-Klischees bedient. Da hätte ich mir schon ein bisschen mehr Einfallsreichtum von der Autorin gewünscht. Ich meine, die Streberin, der Drogendealer, der Sportler und die Schulschönheit sind die klassischen Stereotypen, die zwar charakterlich sehr unterschiedlich sind, aber trotzdem in gefühlt jedem schlechten Highschool-Film auftauchen.

Trotzdem gab es aber auch ein paar unerwartete Wendungen und Plot-Twists, wobei ich das Buch jetzt auch nicht als Pageturner beschreiben würde, denn dafür gab es zu viele Längen. Diese Twists waren zwar nicht sonderlich dramatisch, aber trotzdem eben unvorhersehbar – für mich jedenfalls. Das hätte ich mir vom Ende auch gern gewünscht.

Denn während ich am Anfang noch sehr überlegt habe, wer von den vier Protagonisten denn nun der Mörder sein könnte, war ich am Ende der festen Überzeugung, dass jemand anders etwas mit Simons Tod zu tun haben muss. Leider waren meine letztendlichen Vermutungen (die so ab dem zweiten Viertel auftauchten) goldrichtig und das Ende kam sehr vorhersehbar für mich.

Dennoch war die Handlung in sich schlüssig und abgeschlossen, weshalb ich auch gespannt bin, was es mit den anderen beiden Bänden der Reihe auf sich hat. Alles ergibt Sinn und wirkt authentisch, wobei die Polizei meiner Meinung nach manchmal wirklich ein bisschen bessere Arbeit hätte leisten können – aber dann wäre alles vermutlich viel zu schnell aufgelöst worden.


Die Charaktere

Die Geschichte glänzt vor Allem durch ihre fantastisch ausgearbeiteten Charaktere. Man bekommt einen sehr guten Einblick in ihr Leben und ihre Persönlichkeiten, und auch war am Ende sehr deutlich, dass sich die Personen weiterentwickelt haben. Besonders Addy und Cooper haben einiges an ihrer gewohnten Lebensweise geändert.

Zugegeben, am Anfang war Addy für mich unausstehlich, aber hinterher hat sie sich zu einem meiner Lieblingscharaktere entwickelt, da sie endlich eingesehen hat, was sie aus ihrem Leben machen kann, wenn sie sich nur mal traut, ihre eigene Meinung offen zu sagen und nicht bloß die Mitläuferin zu sein.


Fazit

Trotz allem bin ich sehr gespannt auf die weiteren Teile der Reihe (auch, wenn sie nicht direkt zusammenhängen), weshalb ich mir vermutlich demnächst mal „Two can keep a secret“ anschaffen werde. Und trotz all meiner Kritikpunkte in der Handlung ist das Buch sehr empfehlenswert.


Meine Bewertung

Gestaltung: 4,5/5 ⭐

Erzählstil: 4/5 ⭐

Handlung: 2/5 ⭐

Charaktere: 4,5/5 ⭐


Gesamt: 3,5/5 ⭐


Liebe Grüße,

Lara