Archiv der Kategorie: Nichtfiktionale Literatur

Rezension: »Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten« von Alice Hasters

Ein weiteres von mir im Mai beendetes Buch ist „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“. Dieses lag schon seit dem Erscheinungstermin auf meiner Wunschliste, weshalb es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ich es lese.


Inhalt

Warum ist es eigentlich so schwer, über Rassismus zu sprechen?

»Darf ich mal deine Haare anfassen?«,
»Kannst du Sonnenbrand bekommen?«,
»Wo kommst du her?«
Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.

Alice Hasters erklärt es trotzdem: Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand unserer Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

»Ein sehr persönliches Buch und Teil einer dringend nötigen Diskussion.«

Deutschlandfunk Kultur, Petra Bock

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

Titel: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten
Autorin: Alice Hasters
Genre: Sachbuch
Format: Paperback
Seiten: 224
Verlag: hanserblau
ISBN: 978-3-446-26425-0

Erster Satz: »An der Journalistenschule besuchte ich ein Seminar, in dem wir lernten, Zeitungskommentare zu verfassen.«


Meine Meinung

Alice Hasters beschreibt in dem Buch sehr eindrucksvoll und gleichzeitig ungemein informativ ihre Erfahrungen mit Rassismus. Dabei ist ihre Art zu schreiben, ihr Schreibstil, schön zu lesen, man kann sehr gut folgen und fliegt trotz der teils echt harten Themen durch das Buch, sodass es schnell gelesen ist, man aber gerade als weißer Mensch trotzdem eine ganze Menge daraus mitnimmt. An ein-zwei Stellen gab es ein paar kleinere Tippfehler, wenn ein Leerzeichen zwischen zwei Wörtern vergessen wurde beispielsweise. Das hat dem Lesefluss aber keinen Abbruch getan und war nicht weiter dramatisch.

Besonders gut finde ich, dass Alice Hasters nicht nur über ihre Erfahrungen schreibt, sondern dass sie die einzelnen Formen von Rassismus, den Unterschied von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und vieles mehr genau erläutert, und zwar auch unabhängig von ihren eigenen Erfahrungen. So wird vieles auch hinsichtlich der Geschichte erläutert, wodurch man einiges noch dazulernt.

Am Anfang fand ich es etwas verwirrend, dass das Wort »Schwarz« immer groß geschrieben wurde, und das Wort »weiß« klein und kursiv. Das wurde dann aber auch noch von ihr erklärt, und danach fand ich es nur logisch, dass sie diesen Kontrast aufzeigen wollte.

Besonders erschreckend finde ich, dass die Menschen auch ganz ohne diese Absicht in ihrem Alltag rassistisch gegenüber BIPoC (Black, Indigenous, People of Color) sein können. Meist ist das dann für die weißen Menschen überhaupt nicht offensichtlich, aber BIPoC nehmen es eben doch war, aufgrund von anderen Erlebnissen, die Alice Hasters in ihrem Buch schildert. Aus diesem Grund kann man immer nur darauf hinweisen, wenn man selbst merkt, dass jemand eine rassistische Bemerkung gemacht hat (und nur, weil man das macht, heißt das ja nicht gleich, dass man ein Rassist ist). Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, sich mit dem Thema auch wirklich auseinanderzusetzen, anstatt beispielsweise dieses Buch zu lesen, danach ins Regal zu stellen, und einfach weiterzumachen wie bisher. Ich habe schon während des Lesens stärker auf meine Wortwahl geachtet, und das passiert denke ich so gut wie jeder Person, die das Buch liest oder gelesen hat.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass teilweise verallgemeinert wurde, wenn es um weiße Menschen sind. Es wird so viel darüber geschrieben, nicht in das Schubladendenken zu verfallen, dass gerade das dann schon auffällig ist. Beispielsweise fand ich den Satz: »Weiße Menschen wissen […] nicht, was Melanin ist […]« ziemlich problematisch. Ich wusste auch schon vorher, was Melanin ist. Dass das Pigmente sind, die unter anderem die Farbe der Haut bestimmen – genauso gut wie Melanine auch in den Federn von Vögeln sitzen und diesen ihre Farbe geben. Deshalb hat mich dieser Satz schon ziemlich genervt, denn hier beginnt wieder die ganze Sache mit den Vorurteilen.

Außerdem fand ich es problematisch, dass Alice Hasters in dem Kapitel, in dem es um Schule geht, stark von ihren eigenen Erfahrungen im Deutsch- und Geschichtsunterricht ausgeht, und die liegen jetzt ja auch schon ein paar Jahre zurück. Sollte das damals wirklich so der Fall gewesen sein, wie Alice Hasters das schildert, dann kann ich auf jeden Fall sagen, dass sich da zumindest auf meiner Schule schon was geändert hat. Davon auszugehen, dass die Kolonialgeschichte beispielsweise nur aus der Sicht der weißen unterrichtet wird, ist einfach nicht richtig. Ich bin jetzt in der elften Klasse am Gymnasium, und wir haben uns im Geschichtsunterricht ziemlich intensiv damit auseinandergesetzt, dass das Verhalten der Großmächte zur Kolonialzeit ziemlich rassistisch war. Und auch über die Herero und Nama haben wir gesprochen. In dem Zusammenhang hätte ich es noch gut gefunden, wenn Alice Hasters darüber geschrieben hätte, dass das Wort »Genozid«, also »Völkermord« in diesem Sachzusammenhang nicht anerkannt wurde, weil dieses erst kurz nach dem Zweiten Weltkrieg definiert wurde. Somit handelt es sich offiziell nicht um einen Völkermord, was bei Erwähnung im Buch noch mal stärker die Ungerechtigkeit sowie das eurozentrische Weltbild ausgedrückt hätte.


Fazit

Dieses Buch sollte man auf jeden Fall gelesen haben, da es noch mal ganz neue, nicht offensichtliche Arten von Rassismus bzw. Alltagsrassismus aufzeigt. Nur, wenn man sich mit diesem Thema auseinandergesetzt, kann auch etwas geändert werden, und Änderungen müssen definitiv her, damit BIPoC irgendwann in der Zukunft nicht mehr diskriminiert werden.

Rezension: »Agaporniden – Mutationen, Farbschläge, Ausstellungen« von Dirk Van den Abeele

Wer neben meinem Blog auch meinem zweiten Instagram-Account @milara_lovebirds folgt oder mich persönlich kennt, weiß, dass ich selbst Zwergpapageien halte – genauer gesagt Agaporniden. Agapornis ist der Name der Gattung, in die man insgesamt acht Vogelarten einteilt. Da ich mich für die Mutationen sowie für die Zucht von Agaporniden interessiere und mich ein bisschen weiterbilden wollte, habe ich mir dieses Buch besorgt.


Inhalt

Dieses zur Zeit wohl ausführlichste Buch über die Agaporniden stellt Ihnen im zweiten Band die Mutationeformen der Agaporniden-Arten mit Beschreibung der Vererbung und Vorgehensweise bei der Zucht ausführlich vor. Grundlegende Kapitel behandeln die Genetik, Mutationszucht und die Arten der Vererbung. Erstmals wird ein Standard für die Bezeichnungen der Mutationen vorgestellt, der auch von den Züchterverbänden übernommen wurde. Neben ausnahmslos allen Mutationsformen werden Transmutationen, Modifikationen, Standard-Vögel und das Ausstellungswesen behandelt. Zusätzlich kann der Leser die internationalen Musterbeschreibungen der Arten nachlesen. Nahezu alle Mutationsformen werden auch abgebildet, und kein anderes Buch zeigt auch nur annähernd so viele Fotos der diversen Mutationen.

Der Autor ist ein international anerkannter Experte für die Mutationen der Unzertrennlichen. Er geht besonders auf die Kombinationen bei der Zucht der Vögel ein und lässt dabei keine Fragen offen. Das Buch ist mit rund 300 Fotos einmalig illustriert, und auch die seltensten Mutationsformen sind zu sehen.

(Quelle: Amazon)


Bibliographische Daten

Titel: Agaporniden – Mutationen, Farbschläge, Ausstellungen
Autor: Dirk Van den Abeele
Übersetzer: Heinz Schnitker
Genre: Sachbuch
Format: Hardcover
Seiten: 271
Verlag: Arndt-Verlag
Reihe: Agaporniden / Bd. 2
ISBN: 978-3-9813383-3-1
Sprache: Deutsch

Erster Satz: »Genetik ist für manche ein völlig unverständliches Teilgebiet der Biologie mit vielen schwierigen Wörtern, für andere dagegen eine interessante Beschäftigung.«


Meine Meinung

Tatsächlich bin ich mit sehr hohen Erwartungen an das Buch gegangen, da es auch unter Züchtern immer in hohen Tönen angepriesen wird. Und zwar zurecht, wie ich finde.

Zunächst einmal wird die Genetik von Agaporniden, also die Grundlagen sowie die genetischen Aspekte zu den einzelnen Mutationen, sehr anschaulich und vor allem einfach erklärt, sodass auch Leute was daraus mitnehmen, die bisher noch nicht so viel über Genetik wussten. Ein Highlight ist für mich der Genetik-Rechner für die Mutationen der Agaporniden, der tatsächlich in der Praxis so angewandt werden kann. Dadurch wird die Theorie auch gleich mit der Praxis verwoben.

Außerdem werden sehr viele Mutationen genannt. Nicht alle, die mittlerweile entdeckt wurden, weil das Buch 2014 veröffentlicht wurde, aber trotzdem ist es noch auf einem recht aktuellen Stand. Die vielen Bilder dienen sehr gut zur Veranschaulichung und machen das Buch zu einem perfekten Nachschlagewerk für alle Agaporniden-Liebhaber.

Allerdings habe ich auch ein bisschen Kritik, und zwar überwiegen meiner Meinung nach die eher unbekannten Mutationen sehr. Die Farbschläge, die am häufigsten vorkommen, wurden teilweise nur in Kombination mit anderen oder aber gar nicht auf Fotos gezeigt, was ich als störend empfunden habe.

Mir war schon vorher klar, dass am meisten über die Rosen- und Pfirsichköpfchen im Buch stehen wird, da diese beiden die bekanntesten Agapornis-Arten sind und außerdem am häufigsten gehalten werden. Trotzdem fehlten mir ein paar mehr Informationen zu den eher unbekannten Arten, wie beispielsweise Orangeköpfchen oder auch Tarantapapagei. Wobei ich auch sagen muss, dass auch ein paar der wenigen bisher bei Tarantapapageien entdeckten Mutationen mit Bildern veranschaulicht wurden.

Um jedoch mit einem positiven Punkt abzuschließen, erwähne ich noch den Schreibstil sowie die Zusatzinformationen, die vom Verlag hinzugefügt wurden. Das Buch war trotz einiger Fachbegriffe sehr flüssig zu lesen und somit auch verständlich. Da der Autor aus Belgien kommt, wurden einige Informationen zu belgischen und holländischen Ausstellungen überarbeitet und so angepasst, dass auch die deutschen Richtlinien ihren Platz im jeweiligen Kapitel bekommen haben.


Fazit

Das Sachbuch »Agaporniden – Mutationen, Farbschläge, Ausstellungen« eignet sich vor allem für diejenigen, die tatsächlich beabsichtigen, Agaporniden zu züchten oder sich für die Zucht interessieren. Nicht so wichtig ist das Buch hingegen für die privaten Halter – diesen lege ich aber vor allem den ersten Band ans Herz.

Rezension: »Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen«

Dieses Sachbuch zum Thema Geschlechterrollen in Märchen habe ich für meine Facharbeit in Deutsch zum Thema »Antagonistische Frauenbilder in Grimms Märchen – Zeitgemäß oder längst veraltet?« gelesen.


Inhalt

Mann und Frau im Märchen – dahinter steckt nicht nur das altbekannte Rollenschema der Frau als böser Hexe bzw. guter Fee oder des Mannes als Held. Es meint auch die klassische Paarbeziehung der zwei Liebenden, die zum Happy End zusammenfinden. Darüber hinaus gehört dazu die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern, Müttern und Söhnen, Brüdern und Schwestern. Männliches und weibliches Prinzip zeigen sich außerdem an Gottheiten beiderlei Geschlechts und in mythischen Symbolen, so der Schlange und dem Drachen. 18 spannende wie informative Forschungsbeiträge berichten vom Männlichen und vom Weiblichen in der Welt der Märchen.

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

Titel: Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen
Herausgeber: Europäische Märchengesellschaft (EMG)
Genre: Sachbuch
Format: Hardcover
Seiten: 296
Verlag: Diederichs
ISBN: 978-3-7205-2369-1
Sprache: Deutsch

Erster Satz: »Es gibt nichts Grundlegendes im menschlichen Dasein, von dem das Märchen nicht zu erzählen wüsste.« – Sigrid Früh


Meine Meinung

Wo fängt man am besten an, wenn man ein Sachbuch rezensieren möchte, das nicht von einer Person geschrieben wurde, sondern von gleich 18 auf einmal? Beim Schreibstil bestimmt nicht, denn der unterscheidet sich ja von jedem einzelnen Bericht zum nächsten.

Am besten beginne ich einfach mit dem Einfachsten, nämlich dass die einzelnen Forschungsberichte in dem Buch nicht aufeinander aufbauend sind und somit unabhängig voneinander gelesen werden können. Das ist für mich auf jeden Fall ein Pluspunkt, weil man so einfach in dem Kapitel nachschlagen kann, aus dem man Informationen benötigt, ohne vorher alles andere gelesen haben zu müssen. Da die unterschiedlichen Berichte von jeweils anderen Personen verfasst wurden, bekommt man allerdings auch zu einem einzelnen Titel – nehmen wir mal »… es war der ihnen vom Schicksal bestimmte Mensch« von Erika Taube – auch nur die Sichtweise einer einzelnen Person, nämlich des Verfassers bzw. der Verfasserin.

Die Informationen, die in dem Buch gegeben werden, sind meiner Meinung nach allesamt interessant, aber auch sehr speziell. Der Grund für diese Einschätzung meinerseits ist, dass die meisten Berichte eher unbekannte Märchen, Mythen und Sagen thematisieren, und das in sehr ausführlicher Form. Dahingegen bleiben die bekannten Märchen wie die von den Brüdern Grimm oder Andersen eher auf der Strecke. Das hätte ich sehr gerne eher gewusst, denn so habe ich mir das Buch gekauft, nur um hinterher bloß zwei von 18 Berichten für meine Facharbeit verwenden zu können. Außerdem gab es so für mich persönlich auch nur wenige Berichte, die mich wirklich richtig interessiert haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Analysen schon sehr nah an den jeweiligen Märchen, die als Grundlage genutzt wurden, angelegt waren. Durch Ausschnitte und Zitate sowie durch die ausführlichen Quellenangaben nach jedem Bericht gab es einige anschauliche Beispiele, wie auch in dem Bericht »Das ‚Traumpaar‘ im Märchen« von Barbara Gobrecht, wo aus »Schneewittchen« zitiert wird:

» ‚Da war ihm Schneewittchen gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.‘ « – Seite 35

Trotzdem muss ich sagen, dass in den meisten der 18 Berichte häufig genau die Stellen sehr ausschweifend behandelt wurden, die für das Verständnis der Leitfrage keine große Rolle gespielt haben. Dadurch wurde es an einigen Stellen auch schnell mal langweilig.


Fazit

An sich ist das Sachbuch »Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen« sehr informativ und interessant, aber leider kann es nicht auf ganzer Ebene punkten, wie beispielsweise bei dem Verhältnis von bekannten Märchen hin zu sehr unbekannten chinesischen Sagen.