Archiv der Kategorie: Abenteuerromane

Robinsonaden, Schelmenromane, Swashbuckler und unterirdische Fiktion

Rezension: »Wolfsblut« von Jack London

»Wolfsblut« ist ein Buch, das ich eigentlich nur deshalb gelesen habe, weil es vorinstalliert auf meinem tolino war und ich im Urlaub keine Lust hatte, mir ein anderes E-Book zum Lesen runterzuladen. Irgendwie hab ich nicht damit gerechnet, dass mir das Buch so gut gefallen würde. Mehr dazu aber in der Rezension.


Inhalt

Als Sohn eines wilden Wolfs und einer den Menschen entlaufenen Wolfshündin kommt Wolfsblut zur Welt. Er wächst zur Zeit des Goldrausches in der rauhen Natur Alaskas auf. Dann aber verschlägt ihn das Schicksal zu den Menschen und eine Zeit des Leidens beginnt – bis Wolfblut einen Menschen als Freund gewinnen kann.

(Quelle: Thalia)


Bibliographische Daten

(Quelle: dtv)

Titel: Wolfsblut
Originaltitel: Wild Fang
Autor: Jack London
Übersetzung: Lutz-W. Wolff
Genre: Abenteuerroman
Seiten: 304
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 1906
ISBN: 978-3-423-14239-7
persönliche Altersempfehlung: ab 14
Preis: 10,90 €


Meine Meinung

Vorab möchte ich einmal darauf hinweisen, dass »Wolfsblut« keinesfalls ein Kinderbuch ist, obwohl es häufig als solches bezeichnet wird. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Geschichte aus der Sicht eines Tieres, Wolfsblut, erzählt wird – und da Animal Fantasy häufig als Kinder- und Jugendliteratur abgestempelt wird, geschah dies auch mit diesem Klassiker der Weltliteratur.

Aber lasst mich an anderer Stelle anfangen. Das Buch ist in sich in fünf Teile gegliedert, die einander mit Ausnahme des ersten Teils in nichts nachstehen. Dass mir der erste Teil des Buches nicht so gut gefallen hat, liegt daran, dass er noch nicht aus Wolfsbluts Sicht erzählt wird, wie ich ursprünglich angenommen hatte, sondern aus der Sicht der beiden Männer Bill und Heinrich (im Original und in neueren Übersetzungen Henry). Diese müssen den Leichnam eines Edelmannes in die Stadt transportieren und werden dabei von einem Rudel hungriger Wölfe verfolgt. Im zweiten Teil wechselt dann die Perspektive, allerdings ist Wolfsblut – der eigentliche Protagonist – auch da noch nicht auf der Welt. Stattdessen wird aus Sicht von Wolfsbluts Eltern erzählt. Erst im dritten Teil, als Wolfsblut geboren wurde, geht es tatsächlich um dessen Schicksal und weiteres Leben.

Zugegeben, Jack Londons Schreibstil fand ich von vornherein grandios. Zwar wurde ich im ersten Teil manchmal etwas verwirrt, weil ich Schwierigkeiten hatte, Bill und Heinrich auseinanderzuhalten, aber ansonsten hab ich kaum etwas am gesamten Buch auszusetzen, da es insgesamt extrem einfühlsam, teils nüchtern, aber immer mitreißend erzählt wird.

Trotz all der Grausamkeiten, die Wolfsblut später begeht, war er mir immer ein sehr liebenswürdiger Charakter. Was unter anderem daran liegt, dass ich die Domestizierungsversuche der Menschen nicht gutheißen konnte. Andererseits war vermutlich genau das die Absicht des Autors, denn nur durch dieses Vor-Augen-Führen der menschlichen Gewissenslosigkeit (die dadurch, dass aus Wolfsbluts Perspektive erzählt wurde, stark in Kritik geraten ist) entsteht die Moral der Geschichte: Dass ein respektvoller Umgang mit anderen Lebewesen sich auch auf deren Persönlichkeit auswirkt und am Ende sowohl Mensch als auch Tier mehr davon haben. Gleichzeitig wurde auch die Unerbittlichkeit der Natur und der Kreislauf des Lebens sehr eindrucksvoll beschrieben. Das Buch schafft somit auch ein Bewusstsein in den Leser*innen für den Überlebensinstinkt von Wildtieren.

Da das Buch aus Wolfsbluts Sicht geschildert wird, ist eine gewisse Vermenschlichung von diesem nicht von der Hand zu weisen. Dennoch wirkte diese gar nicht so unrealistisch wie man möglicherweise annehmen könnte. Jack London hat sich scheinbar stark für Wölfe interessiert und zu einer Zeit logische Schlüsse gefasst, als diese Erkenntnisse noch gar nicht belegt waren. Diese Umsetzung ist so eindrucksvoll gelungen, dass ich es gar nicht schaffe, sie in die richtigen Worte zu fassen.

Und auch, wenn ich nicht ganz einverstanden mit den Domestizierungsversuchen an Wolfsblut bin, gab es auf eine gewisse Art auch ein Happy End. Das mag zwar nicht unbedingt realistisch sein, zeigt aber noch mal, dass mit den richtigen Erziehungsmethoden alle Lebewesen später ein glücklicheres Leben führen können.

Fazit

»Wolfsblut« ist ein Roman, der viele Genres miteinander vermischt und deshalb gar nicht so gut zu beschreiben ist. Es ist ein Abenteuerroman, Erziehungsroman und Animal Fantasy gleichzeitig. Diese Genres hat Jack London jedoch gekonnt miteinander kombiniert und ineinander verwoben, sodass ein spannendes, mitreißendes und bis zum Schluss aufwühlendes Ergebnis – »Wolfsblut« – dabei herumkam. Dabei ist das Buch auch nicht nur ein Jugendroman, sondern ebenso faszinierend für andere Generationen.

4 Sterne = Top

Rezension: »Silo« von Hugh Howey

Nach drei Monaten bin ich dann auch endlich mal dazu gekommen, »Silo« von Hugh Howey zu beenden. Ich selbst habe das Buch auf Englisch gelesen, wo es »Wool« heißt. »Silo« ist der erste Teil einer gleichnamigen Trilogie und lässt sich als Dystopie einordnen.


Inhalt

In einer feindlichen, zerstörten Umwelt gibt es nicht mehr viele Menschen. Sie haben sich in ein riesiges Silo unter der Erde geflüchtet. Um zu überleben, müssen sie die strengen Regeln des Silos befolgen. Aber einige Wenige tun das nicht. Sie sind gefährlich. Sie wagen es zu hoffen und zu träumen und stecken andere mit ihrer Hoffnung an. Ihre Strafe ist einfach und tödlich. Sie müssen nach draußen. Raus aus dem Silo. Juliette ist eine von ihnen. Vielleicht ist sie die Letzte.

(Quelle: Thalia)


Bibliographische Daten

Bildquelle: Thalia

Titel: Silo
Originaltitel: Wool
Autor: Hugh Howey
Übersetzung: Gaby Wurster, Johanna Nickel
Genre: Dystopie
Seiten: 560
Verlag: Piper
Reihe: Silo / Bd. 1
Erscheiungsdatum: 10.06.2014
ISBN: 978-3-492-30503-7
Preis: 12,00


Meine Meinung

Natürlich gibt es einen Grund, weshalb ich für das Buch dann doch so lange gebraucht habe. Dieser Grund ist aber keinesfalls, dass mir das Buch nicht gefallen hat, sondern ganz einfach, dass es recht anspruchsvoll geschrieben ist. Auch das würde ich aber nicht wirklich als Kritikpunkt auffassen, weil es in diesem Fall einfach zum Buch passte. Und ich weiß natürlich auch nicht, ob es im Deutschen ebenfalls recht anspruchsvoll zu lesen ist. Dennoch muss ich dem Buch zugute halten, dass ich trotz des Schreibstils bzw. der vielen Fremdwörter, keine großen Verständnisschwierigkeiten hatte.

Besonders interessant finde ich das Buch vor allem, wenn ich auch die Hintergrundgeschichte mit in den Blick nehme. Und zwar ist das Buch in insgesamt fünf Kurzgeschichten gegliedert, die ursprünglich alle einzeln ausschließlich als E-Book und im Selfpublishing erschienen sind. Da die Kurzgeschichten jedoch auch im direkten Zusammenhang miteinander stehen und aufeinander aufbauen, fand ich die Zusammenführung von diesen zu einem gesamten Buch sehr gut gelungen.

Am beeindruckendsten am ganzen Buch fand ich das Worldbuilding. Die Atmosphäre hat perfekt zu diesem komplex ausgearbeiteten Setting einer dystopischen Zukunft gepasst, war bedrückend, aber nie so richtig düster. Wobei ich auch sagen muss, dass mich gerade die Tatsache, dass die Welt so komplex ist, zwischendurch recht verwirrt hat. Ich habe im Grunde erst mal eine Weile gebraucht, um wirklich alles zu verstehen.

Trotz einiger Längen ab und an wurde das Buch aber tatsächlich auch nie langweilig, weil es aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Da gibt es zum Einen Juliette, die ab der dritten Kurzgeschichte die Protagonistin des Buches ist. Die ersten beiden Kurzgeschichten werden aus der Sicht von ganz anderen Personen erzählt, die danach auch nicht mehr auftauchen, aber trotzdem eine große Rolle für die Entwicklung der Geschichte spielen. Und zwischendurch gibt es dann immer noch ein paar Sichtwechsel, die das Ganze sehr viel facettenreicher gestalten.

Ebenfalls gut gefallen hat mir, dass die Protagonist*innen alle ein unterschiedliches Alter hatten. Juliette beispielsweise war mitte dreißig, wenn ich mich nicht irre, Lukas war jünger als sie, und alle anderen älter. So geht das Buch auch gleichzeitig über mehrere Generationen hinweg, was echt gut umgesetzt wurde.

Nun aber zu meinen zwei größten Kritikpunkten. Zum einen war mir Juliette als Protagonistin viel zu perfekt. Sie hat immer das Richtige getan, hatte die richtigen Moralvorstellungen, das richtige Weltbild, war intelligent und begabt, und so weiter und so fort. Schwächen hat sie eigentlich keine gezeigt, wodurch sie für mich nicht sonderlich authentisch rüberkam.

Zum anderen blieben die Charaktere irgendwie sehr oberflächlich. Der Fokus der Geschichte lag eindeutig auf der Welt an sich, die Charaktere waren da nur Mittel zum Zweck, um die Handlung zu erzählen, und das hat man leider sehr stark gemerkt. So konnte ich mich in keine einzige Figur hineinversetzen, musste immer von Neuem raten, wie die jeweilige Person in einer bestimmten Situation handeln würde. Auch war mir nicht ganz klar, wie genau es zu der doch recht engen Beziehung zwischen Juliette und Lukas kam. Am Anfang waren sie flüchtige Bekannte, dann haben sie gefühlt zweimal miteinander geredet, und auf einmal war die Rede von Liebe. Da ging mir einiges zu schnell.


Fazit

Im großen Ganzen kann ich »Silo« allen Dystopie-Fans ans Herz legen. Allein für das Worldbuilding lohnt es sich, das Buch zu lesen. Dennoch konnte es mich aber nicht auf ganzer Linie überzeugen, ich hoffe, das ändert sich mit den zwei darauffolgenden Teilen noch.

Empfehlung

Rezension: »Unter dem Zelt der Sterne« von Jenn Bennett

Inhaltsangabe:

Zorie und Lennon waren seit ihrer Kindheit allerbeste Freunde. Aber als die beiden bei der Homecoming-Party letztes Jahr ihre Beziehung bekanntgeben wollten, erschien Lennon einfach nicht und ließ Zorie sitzen. Ein paar Tage später folgte eine einfache Nachricht auf Zories Handy: Es tut mir leid. Zutiefst verletzt und wütend wandte sich Zorie von Lennon ab, und seitdem haben sie kein Wort mehr miteinander gesprochen. Bis die beiden zufällig gemeinsam zum Camping mit Freunden fahren, mitten in die Sierra Nevada. Zorie, die noch immer versucht, einen Platz in der Clique ihrer „Freundin“ Reagan zu finden, hat jedoch anfangs nur Augen für den gutaussehenden Brett. Und Lennon ist Bretts neu ernannter „Kumpel“, was ihn jedoch hauptsächlich stört.

Als die Freunde nach einem Zwischenfall jedoch vom Campingplatz verwiesen werden, entscheiden sie sich dafür, stattdessen einfach in der Wildnis der Sierra Nevada weiterzucampen, mit Lennon als Führer, weil dieser sich mit solchen Dingen bestens auskennt. Dort treffen sie aber nicht nur auf einen Bären, sondern fangen auch noch an, sich bitterlich zu streiten.

Als Zorie dann am nächsten Tag aufwacht, sind ihre Freunde verschwunden – alle, außer Lennon.

Für die beiden beginnt das Abenteuer ihres Lebens, als sie sich von jeglicher Außenwelt abgeschnitten auf den Weg zu dem Ort machen, wo Zorie in ein paar Tagen zur Sternenparty der Astronomie-Begeisterten eingeladen wurde. Es könnte so schön sein, in der Wildnis herumzuwandern, wenn da nicht ihr Begleiter Lennon wäre, dem sie nun nicht mehr aus dem Weg gehen kann.

So kommen ihrer beider Gefühle nach und nach ans Tageslicht, und Zorie erfährt endlich, was damals bei der Homecoming-Party passiert ist. Doch heißt das auch, dass sie ihren Stolz so schnell überwinden und Lennon eine zweite Chance geben kann?


Bibliographische Daten

Titel: Unter dem Zelt der Sterne
Autorin: Jenn Bennett
Übersetzung: Claudia Max
Genre: Young Adult
Format: Paperback
Verlag: Carlsen


Meine Meinung

Ich muss sagen, dass ich den Schreibstil wirklich gern mag. Das Setting des Buches wurde wirklich eindrucksvoll und wunderschön beschrieben, wobei es jedoch nie langweilig wurde wie es bei anderen Büchern oft der Fall ist, wenn zu detailreiche und lange Umgebungsbeschreibungen auftauchen.

In diesem Buch hat das eher zu noch mehr Spannung geführt, da nicht nur Zories Gefühle so fantastisch wiedergegeben wurden, sondern auch noch so viel mehr, das man einfach nicht in Worte fassen kann.

Ich war von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert von der ganzen Geschichte und konnte es gar nicht glauben, als das Buch zu Ende war.

Die Idee des Buches gefällt mir wirklich sehr gut, zumal ich glaube, dass es fast schon einzigartig ist. Ich hätte vom Cover her erst etwas komplett anderes erwartet, wurde dann jedoch positiv überrascht und war plötzlich so überwältigt von der ganzen Story, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen.

Ich mochte Zorie besonders gern, da sie eine wirklich schlagfertige Protagonistin ist, und deshalb habe ich auch bei so manchem Schlagabtausch zwischen ihr und Lennon schmunzeln, wenn nicht sogar laut auflachen müssen.

Doch nicht nur Zorie war eine einzigartige Person, sondern auch Lennon, Brett, Reagan und wie sie noch alle heißen. Zu jedem Charakter konnte man eigene Eigenschaften und Stärken herausarbeiten, wenn man zwischen den Zeilen gelesen hat, und das gibt dem Buch noch mal einen besonderen Touch.

Auch an unerwarteten Wendungen fehlte es nicht. Manchmal war ich so überrascht von einigen Situationen, dass ich erst mal eine Pause machen musste, um das zu verarbeiten, und sobald das geschehen war, konnte ich nicht anders, als mich wieder in die Geschichte zu stürzen. Das Buch war durchweg spannend und mitreißend, und man hatte das Gefühl, selbst in der Sierra Nevada mit Zorie und Lennon unterwegs zu sein.

Die ganze Handlung ist auch fantastisch ausgearbeitet, und letztlich werden auch alle Probleme gelöst, wobei ich zum Schluss doch etwas Mitgefühl mit Zorie und Joy hatte, als die Sache mit ihrem Vater rauskam.

Das einzige, was ich vielleicht zu bemängeln hätte, wäre, dass Zorie ja eine Anfängerin im Wandern ist. Da ich selbst auch schön öfter mal längere Strecken gewandert bin und deswegen auch weiß, wie man sich nach dem ersten Tag fühlt, hätte ich mich eigentlich gut in Zorie hineinversetzen können. Leider wurde aber die Schwierigkeit einer solchen Tour mit allem Gepäck im Rucksack ein bisschen zu sehr untergraben, und Zorie war für eine Anfängerin meiner Meinung nach auch viel zu schnell daran gewöhnt.


Fazit

Insgesamt kann ich wirklich sagen, dass dieses Buch verdammt nah an einem Highlight dran war, allerdings nicht ganz. Das gewisse Etwas hat einfach gefehlt und ich hätte mir vielleicht auch gewünscht, dass Zorie einmal Heldin sein könnte, anstatt sich immer von Lennon retten zu lassen, aber das lag wahrscheinlich auch an ihrem Charakter.

Rezension: »Momo« von Michael Ende

Inhaltsangabe:

Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.

Momo ist ein ganz besonderes kleines Mädchen. Denn sie hat die Gabe des Zuhörens. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um eine Gabe, wie man sie vielleicht in diversen Fantasy-Büchern findet. Nein, sie ist ganz gewöhnlich, aber sie hat einfach dieses gewisse Etwas, wenn sie anderen Leuten aufmerksam zuhört, dass diese sofort ihre Sorgen vergessen und plötzlich kluge und hilfreiche Einfälle bekommen.

Deshalb wird Momo in ihrer Stadt und insbesondere in den ärmeren Kreisen, in denen sie lebt, auch sehr beliebt. „Geh doch zu Momo“, sagen die Leute, wenn jemand etwas auf dem Herzen hat. Und hinterher ist derjenige wieder froh.

Doch immer schneller kommt eine Veränderung auf die Großstadt zu, die besonders für die Kinder und auch für Momo ein besonderes Problem wird. Denn mit dem riesigen Heer an „Grauen Herren“, die überall auftauchen, alle gleich aussehen, aber an die sich niemand erinnern kann, beginnen die Erwachsenen plötzlich, ihre Zeit zu sparen, als wäre sie Geld. Sie nehmen sich keine Zeit mehr für Dinge, die unwichtig sind, um ihr Ziel zu erreichen, und so vernachlässigen sie ihre Kinder und werden, ohne es selbst zu merken, immer unglücklicher und streitlustiger.

Momo ist klar, dass das so nicht weitergehen kann, und so zieht sie ihre ungleichen Freunde Gigi und Beppo zu Rate. Gemeinsam wollen sie etwas bewirken, doch nach einer von Gigi organisierten Kinder-Demonstration, bei welcher die Kinder die Erwachsenen über die finsteren Machenschaften der „Grauen Herren“ aufklären wollen, die ja schließlich ihre Zeit stehlen, werden jene „Graue Herren“ auf Momo aufmerksam und müssen sich eingestehen, dass sie eine Gefahr für ihren Fortbestand und ihre Pläne zur Weltherrschaft darstellt.

Bevor die „Grauen Herren“ jedoch zur Tat gehen können, trifft Momo auf die besondere Schildkröte Kassiopeia, die genau eine halbe Stunde in die Zukunft sehen kann und auf deren Panzer immer Worte erscheinen, um mit den Menschen zu kommunizieren. Kassiopeia führt die unwissende Momo von der Gefahr weg und hin zu Meister Hora, dem Verwalter der Zeit. Dieser muss dringend etwas gegen die „Grauen Herren“ tun, denn es ist klar, dass sie die Menschen nicht einfach weiterhin so um ihre Zeit und ihr Leben betrügen dürfen. Doch um das riesige Heer der Männer zu stoppen, braucht er Momos Hilfe – die nach ihrer Zusage genau eine Stunde Zeit hat, die Menschen zu retten. Eine Stunde, nicht mehr und nicht weniger, sonst wird die Zeit für immer stehenbleiben …


Bibliographische Daten

Titel: Momo
Autor: Michael Ende
Genre: Young Adult
Format: Hardcover
Verlag: Thienemann


Meine Meinung

Da „Momo“ ja zuallererst einmal für alle Altersgruppen geeignet ist, hat auch diese wunderbare Geschichte wieder den Schreibstil eines Märchenbuches. Er ist allerdings, finde ich, viel leichter zu lesen als beispielsweise in „Die unendliche Geschichte“, was vielleicht auch daran gelegen hat, dass mir die ganze Geschichte sofort sympathisch war.

„Momo“ ist durch diese sehr bildliche und einfache Sprache auch sehr gut zum Vorlesen geeignet, wie eigentlich alle Werke von Michael Ende, und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch besser klingt als alle anderen, die er geschrieben hat. Mehr kann ich eigentlich gar nicht groß zum Schreibstil sagen, außer, dass er mich sofort in seinen Bann gezogen hat und dass ich zwischendurch Lachen musste wegen der teilweise sehr witzigen Stellen und zwischendurch hat auch mein Herz geschmerzt, wenn Momos Gefühle so eindeutig beschrieben wurden. Deshalb kann ich einfach nichts Schlechtes über den Schreibstil finden, egal, wie sehr ich noch suchen würde – was ich auch gar nicht möchte.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich einfach fasziniert von der Idee dieser Geschichte bin. Es muss Michael Ende so viel Zeit gekostet haben, das alles so perfekt auszuarbeiten, dass hinterher eine Geschichte entsteht, die zu komplex zum Erzählen ist, die der Leser aber trotzdem tief im Inneren genau verstanden hat. Denn so ist es: Ich finde einfach nicht die richtigen Worte, um die ganzen komplizierten Handlungen und Wendungen, die diese Geschichte ausmachen, auch euch näherzubringen. Dieses Buch muss jeder selbst gelesen haben, um es so zu verstehen, wie ich es getan habe, und genau das ist das Einzigartige und das Besondere, das dazu geführt hat, dass ich in „Momo“ ein neues Lieblingsbuch gefunden habe.

Jetzt könnt ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen, wie ich die Umsetzung finde, aber ich will trotzdem die Dinge hier unterbringen, die ich mir wärend des Lesens notiert habe.

Zu allererst möchte ich diese klar durchdachte Handlung anmerken. Es gab einen klaren Handlungsbogen, und dem Leser wurde Stück für Stück immer mehr von der Geschichte geliefert, nie zu viel auf einmal oder gar zu wenig, sodass es nie langweilig oder ermüdend wurde. Auch mochte ich es, dass nicht immer alles zwingend aus Momos Perspektive erzählt wurde, sondern zeitweise auch von bisher ganz unbekannten Charakteren, die nur als Beispiel und Veranschaulichung bestimmter Vorgänge dienten.

Die Charaktere sind auch alle wirklich einzigartig und jeder hat einen anderen Charakter – zumindest, bis die „Grauen Herren“ auftauchen, die natürlich alles Einzigartige und Schöne aus der Welt nehmen und die selbst alle gleich sind. Besonders in Momo konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, aber auch in alle anderen Kinder, die ja vom Verhalten der Erwachsen alle unmittelbar betroffen waren.

Die gesamte Geschichte sorgt auch ohne viel Action für einen großartigen Nervenkitzel, der mir beim Lesen manchmal doch tatsächlich den Atem geraubt hat.

Fazit

„Momo“ ist mit seiner so unglaublich wunderschönen Geschichte und der liebevollen Gestaltung zu meinem neuen absoluten Lieblingsbuch geworden. Ich habe an diesem Buch wirklich überhaupt nichts auszusetzen, und das, obwohl ich dieses Genre verhältnismäßig meistens nicht ganz so überragend finde.