Rezension: »Die Marquise von O…« von Heinrich von Kleist

Schon vor einiger Zeit habe ich für den Deutschunterricht „Die Marquise von O…“ von Heinrich von Kleist gelesen, eine Novelle aus dem Jahr 1808.


Inhalt

Am Anfang steht ein Rätsel. Die verwitwete Marquise von O… ist schwanger. Nur weiß sie nicht, von wem. Ohne ihr Wissen, sagt sie, sei sie in andere Umstände gekommen. Ein Skandal, finden nicht nur die Verwandten. Die Marquise droht am Widerspruch zwischen ihren Gefühlen und den gesellschaftlichen Konventionen zu zerbrechen. Meisterhaft erzählt Kleist die Geschichte ihrer schuldlosen Verstrickung. Eine Novelle, die bis heute beispiellos in der Literaturgeschichte ist.


Bibliographische Daten

Quelle: Amazon

Titel: Die Marquise von O…
Autor: Heinrich von Kleist
Genre: Gesellschaftsroman / Familienroman
Format: Taschenbuch
Seiten: 40
Verlag: Henricus
ISBN: 978-3-847830627
Erstveröffentlichung: 1808
Sprache: Deutsch

Erster Satz:

»In M…, einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O…, eine Dame von vortrefflichem Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekannt machen: dass sie, ohne ihr Wissen, in andre Umstände gekommen sei, dass der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und dass sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten.«


Meine Meinung

Zuerst einmal ist »Die Marquise von O…« ziemlich leicht zu lesen und zu verstehen, wenn man bedenkt, dass es 1808 das erste Mal veröffentlicht wurde. Und wäre das Ende nicht gewesen, hätte ich der Novelle mit Sicherheit auch ganze fünf Sterne gegeben. Aber fangen wir vorne an.

Die Marquise als Protagonistin ist eine teils sehr emanzipatorische Hauptfigur. Sie beugt sich nicht dem Willen ihrer Familie, steht zu sich selbst und lässt sich auch nicht aufhalten. Mit der Heirat des Vaters ihres ungeborenen Kindes ordnet sie sich zwar wieder der Gesellschaft und ihren Konventionen unter, doch geschieht das, wie es scheint, hauptsächlich, um dem Kind ein gutes Leben bieten zu können.

Dass die Eltern der Marquise diese nach der Erkenntnis, dass sie schwanger ist, verstoßen, kann man auch als Gesellschaftskritik durch Heinrich von Kleist auffassen. Die Eltern wollen der Marquise von O… ihre Kinder wegnehmen und glauben ihr nicht, dass sie unschuldig ist, obwohl ihre Tochter es ihnen immer wieder versichert.

Leider war es von Anfang an ziemlich offensichtlich, wie sie schwanger geworden ist und wer der Vater des Kindes ist. Das war keine große Überraschung, man hat es vielmehr schon die ganze Zeit über kommen sehen.

Gegen Ende taucht eine Szene zwischen der Marquise und ihrem Vater auf, die sehr inzestuöse Eigenschaften besitzt. Dies fand ich als „Versöhnung“ ziemlich befremdlich und ich frage mich, ob von Kleist auch hiermit Gesellschaftskritik äußern wollte, oder es vielleicht ganz anders gemeint hat.

Mein größer Kritikpunkt jedoch ist das Ende an sich. Dort wird der Vater des Kindes für seine bisherigen Taten belohnt, indem er all das bekommt, was er sich immer gewünscht hat. Er muss sich nicht für seine Handlungen in der Vergangenheit verantworten, und trotzdem ist das Ende á la „Friede, Freude, Eierkuchen“.


Fazit

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es sich gelohnt hat, »Die Marquise von O…« zu lesen. Zwar gab es ein paar Dinge, die mir sauer aufgestoßen sind, aber dabei darf man auch nicht vergessen, dass das Buch bereits 1808 veröffentlicht worden ist. Somit ist nicht ganz ausgeschlossen, dass mir einige Anspielungen auf den historischen Kontext entgangen sind, die möglicherweise eine Antwort auf meine Fragen geliefert hätten.

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