Harry Potter und J. K. Rowling – weshalb ich die Reihe nicht von der Autorin trennen kann

Ich weiß, bisher habe ich mich immer nur auf meinem Instagram-Account über J. K. Rowling und „Harry Potter“ geäußert. Doch da ich meinen Instagram-Account deaktiviert habe (dazu wird es demnächst noch einen eigenen Post geben), wird es Zeit, dass ich auch hier mal erkläre, wie ich zu diesem Thema stehe.

Triggerwarnung: Transphobie, Diskriminierung, Fatshaming, Rassismus, und weitere damit zusammenhängende Themen.

Wodurch ist J. K. Rowling überhaupt in Kritik geraten?

Im Juni 2020 äußerte sich J. K. Rowling transphob als Antwort auf einen Tweet, in welchem von „people who menstruate“ (Deutsch: „Menschen, die menstruieren“) die Rede war. Sie twitterte daraufhin:

„‚People who menstruate.‘ I’m sure there used to be a word for those people. Someone help me out. Wumben? Wimpund? Woomud?“

Quelle: Twitter

Übersetzt heißt das: „‚Menschen, die menstruieren.‘ Ich bin sicher, es gibt ein Wort für diese Menschen. Helft mir: Wumben? Wimpund? Woomud?“ (Anspielungen auf das englische Wort für Frauen: „women“).

Daraufhin brach eine große Debatte auf Twitter aus, in welcher sich unter anderem Aktivist*innen sowie trans*-Menschen beteiligten. Schließlich menstruieren nicht nur Menschen, die als Frauen gelesen werden. Um sich zu verteidigen, setzte J. K. Rowling dann noch einen drauf, was (meiner Meinung nach) noch ein viel tieferer Schlag unter die Gürtellinie war:

„If sex isn’t real, there’s no same-sex attraction. If sex isn’t real, the lived reality of women globally is erased. I know and love trans people, but erasing the concept of sex removes the ability of many to meaningfully discuss their lives. It isn’t hate to speak the truth.“

Quelle: Twitter

Übersetzung: „Wenn das biologische Geschlecht nicht real ist, gibt es auch keine gleichgeschlechtliche Anziehung. Wenn das biologische Geschlecht nicht real ist, wird die gelebte Realität von Frauen weltweit ausgelöscht. Ich kenne und liebe transsexuelle Menschen, aber die Auslöschung des Konzepts des biologischen Geschlechts nimmt vielen die Möglichkeit, sinnvoll über ihr Leben zu diskutieren. Es ist kein Hass, die Wahrheit zu sagen.“

Sie sagt also im Grunde genommen aus, dass sie nichts gegen trans*-Menschen hat, solange sie nicht zu sehr in die Öffentlichkeit rücken und damit Frauen ihre Identität als menstruierende Menschen nehmen. Ganz ehrlich: Einen größeren Bullshit (entschuldigt meine Wortwahl) habe ich selten gehört.

Auch danach äußerte sich J. K. Rowling noch mehrfach transphob. Beispielsweise ließ sie sich über Hormontherapie insbesondere bei Jugendlichen aus sowie über den Verlust von Fruchtbarkeit durch eben diese Hormontherapie. Viel mehr werde ich dazu wohl nicht sagen müssen.


Was hat „Harry Potter“ jetzt genau damit zu tun?

Nach den kritischen Äußerungen J. K. Rowlings auf Twitter brach auch in der Buchcommunity vor allem unter Blogger*innen eine heftige Diskussion aus. Denn während einige alles, was mit J. K. Rowling zu tun hat, komplett boykottier(t)en – wozu auch die „Harry Potter“-Reihe gehört – äußer(te)n sich andere gar nicht dazu (was beides legitim ist, also nicht falsch verstehen!).

Argumente waren unter anderem, dass die „Harry Potter“-Reihe eine große Rolle in der Kindheit und Jugend vieler Blogger*innen gespielt hat, und dass diese deshalb nicht einfach so von ihren Feeds verschwinden würde. Oder, dass in „Harry Potter“ keine der diskriminierenden Aussagen Rowlings wiederzufinden seien und man die Reihe deshalb von der Autorin trennen müsse. Beide Argumente kann ich verstehen, das zweite jedoch nicht für mich persönlich nachvollziehen. Denn in allen Büchern schwingen immer auch die Meinung der Autor*innen mit, meiner Meinung nach.

Um das einmal klarzustellen: Ich habe mich nach dem ersten Tweet Rowlings komplett von ihr und ihren Büchern abgewandt. Dabei hatte ich die „Harry Potter“-Reihe noch nicht einmal vollständig gelesen. Doch ich wollte die Autorin weder durch Werbung auf Instagram noch durch den Kauf von Fanartikeln, Merchandise oder Büchern aus ihrer Feder unterstützen.

Zugegeben, ich kann verstehen, warum viele jüngere und ältere Menschen die „Harry Potter“-Reihe mögen. Denn dass man eine Reihe mag, ist ja nichts Schlimmes. Geschmack ist immer subjektiv, und auch mir haben die ersten drei Bücher ganz gut gefallen. Doch nur, weil mir ein Buch gut gefällt, muss ich es nicht auf jedem zweiten Instagram-Post zeigen, sei es, um mehr Likes zu bekommen oder auch einfach so und ohne Hintergedanken. Es reicht (für mich persönlich) nicht, in der Caption eines Posts zu schreiben, dass man sich von der Meinung der Autorin distanziert. Denn: Auch negative Kritik ist gute Werbung.

Und ich weiß, dass dieser Post hier damit ebenfalls Werbung ist. Ich habe auch ehrlich gesagt lange mit mir gehadert, ob ich ihn wirklich veröffentlichen soll oder nicht. Doch da meine Äußerungen zu Rowling auf meinem Insta-Account nicht mehr verfügbar sind, da ich diesen deaktiviert habe, finde ich es wichtig, einmal hier darüber aufzuklären. (By the way: Genau aus dem Grund, weil dieser Post hier Werbung ist, werde ich keine Schlagwörter zu allem, was irgendwie J. K. Rowling betrifft, verwenden. Damit sinkt zwar die Reichweite meines Beitrags, aber das ist es mir wert, denn ich ziele mit diesem Post nur auf die Aufklärung ab und nicht auf etwaige Werbung oder Reichweite.)


Auch in „Harry Potter“ gibt es viele diskriminierende Elemente

Ich denke, den meisten wird es bereits aufgefallen sein, dass auch „Harry Potter“ nicht frei von Vorurteilen und Diskriminierungen gegen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ist. (Wobei dies auch nicht die gesamte Reihe ausmacht, das möchte ich noch mal explizit erwähnen. Es gibt auch viele sehr gut dargestellte Themenaspekte, die die richtigen Werte vermitteln!)

Man denke nur an Vernon und Dudley Dursley, Millicent, Crabbe, Goyle und weitere Charaktere der „Harry Potter“-Reihe. Sie alle gehören zu den „Bösen“ – und sind nebenbei übergewichtig, was zum Anlass genommen wird, dass sich J. K. Rowling durch Harry negativ über sie auslässt. Klar, es gibt auch übergewichtige Charaktere in der Reihe, die nicht von Fatshaming betroffen sind – beispielsweise ist Neville ein richtiger Held. Doch auch damit wird nur wieder die Aussage unterstützt, dass der Charakter einer Person rechtfertigt, sich negativ oder positiv über ihren Körper zu äußern. Ganz nach dem Motto: „Guter Charakter = Dein Gewicht spielt keine Rolle“ und „Schlechter Charakter = Wir nutzen dein Gewicht als Anlass, dich runterzumachen“. Und das ist per definitionem Fatshaming!

Auch Rassismus und Diskriminierung von bestimmten Bevölkerungsgruppen ist durchaus Teil der Welt von „Harry Potter“. Beispielsweise Cho Chang und andere Charaktere mit südostasiatischen Wurzeln. Keine davon wird am Ende positiv dargestellt, sondern hilflos. Und Cho Changs Name ist – by the way – ebenfalls rassistisch. Denn dieser kann durchaus als Äquivalent zu „Ching Chong“ gesehen werden, was lange Zeit als Beleidigung oder zumindest Abwertung von südostasiatischen Menschen durch hauptsächlich europäische und amerikanische Menschen genutzt wurde. Dass die Bezeichnung südostasiatischer Menschen oder Personen mit südostasiatischen Wurzeln als „Ching Chong“ rassistisch ist, muss ich wohl nicht noch näher erklären.

Auch die eindeutige Hierarchie zwischen „Muggle“, „Halbblut“ und „Reinblut“ ist nicht frei von Diskriminierung. Dass „Muggle“ und „Halbblüter“ von den meisten „Reinblütern“ derart minderwertig behandelt / gesehen werden, ist diskriminierend. Und an sich fände ich diesen Fakt gar nicht so schlimm, wenn dieser Fakt in den Büchern zumindest mehrfach und ohne Interpretationsspielraum auch als Diskriminierung bezeichnet werden würde, anstatt das Ganze einfach so stehenzulassen – auch, wenn sich beispielsweise Hermine stark gegen diese Ungerechtigkeit behaupten möchte. (Da ich die Reihe allerdings – wie bereits erwähnt – nicht vollständig gelesen und die Filme nie gesehen habe, kann ich hierbei nur von den ersten drei Bänden sprechen. Ob dies in den weiteren Teilen genauso zutrifft, kann ich schlecht beurteilen, also berücksichtigt das bitte.)

Weitere problematische Elemente in der Reihe sind beispielsweise auch Kindesmissbrauch / -vernachlässigung, Tierquälerei und weitere, die ich hier aber nicht näher ausführen werde, weil vermutlich die meisten von euch sowieso wissen, worauf ich abziele. Zudem ist meine Meinung – denke ich zumindest – bereits ziemlich deutlich geworden.


Dies ist nicht beleidigend gemeint

Zum Schluss möchte ich noch einmal ganz deutlich klarstellen, dass dieser Beitrag meine ungefilterte Meinung über „Harry Potter“ und J. K. Rowling beinhaltet und ich damit niemanden vor den Kopf stoßen, angreifen oder gar beleidigen möchte, der*die anders denkt als ich.

Soll heißen: Wenn ihr anders über dieses Thema denkt als ich, ist das für mich okay – zumindest, solange es auch begründet werden kann und in den Kommentaren nicht plötzlich ausfallende Äußerungen fallen (das gilt für beide Seiten – egal, ob man mir zustimmt oder nicht! – Nirgendwo sollen Beschimpfungen gegen IRGENDWEN fallen!). Scheut euch auch nicht, in die Kommentare zu schreiben und euren Senf dazuzugeben, ich höre mir gerne eure Meinungen und Argumente an, auch wenn ihr mir zustimmt und/oder weitere Aspekte aufführen wollt, etc. Ich verurteile hier niemanden, der*die eine andere Auffassung zu bestimmten Themen hat!

Also dann: Ab in die Kommentare mit euren Gedanken, Meinungen, Argumenten, etc. zu diesem Post! Ich werde garantiert auf alles antworten* und bei Bedarf auch Fragen klären, falls etwas unklar ist.

*P.S.: Kommentare, die in ihren Aussagen grenzüberschreitend sind, weil darin Werte vermittelt werden, die nicht demokratisch sind, werde ich löschen. Derartige Aussagen dulde ich nicht auf meinem Blog. Ich dachte nicht, dass dieser Nachtrag notwendig wäre, aber nachdem ich mehrere Kommentare erhalten habe, die bis zum Äußersten transphob waren und in keinem Bezug zu dem standen, das ich in diesem Beitrag geschrieben habe, erachte ich diesen Hinweis als obligatorisch.

9 Gedanken zu „Harry Potter und J. K. Rowling – weshalb ich die Reihe nicht von der Autorin trennen kann

  1. nouseforislam

    PS: Bei Ihren Kommis über Frau Rowling schimmert schon eine ziemlich reaktionäre Haltung gegenüber dem freien Schreiben durch. Sie halten es wohl mehr mit Bücherverbrennungen, oder? Schlimm, diese „woken“ Kleinbürger, die beim Wort „Neger“ in einer Mark Twain-Ausgabe von 1970 gleich Schnappatmung bekommen und überall Rassismus sehen. Lindgren? Verbrennen. Orwell? Verbrennen. Hemingway? Verbrennen. Bukowski? Verbrennen. So wie „Fahrenheit 451“, da kommen dann die tapferen Feuerwehrmänner zum BücherVERBRENNEN. Heute verbrennen die „Wokies“ Asterix (wie in Kanada) oder Fix und Foxi. Ganz ehrlich? Vor Leuten wie Ihnen graut mir, es ist dieser neue „woke“ Faschismus, dieser moralische Totalitarismus, der mir Angst macht.

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    1. Lara B. Autor

      So wie ich Ihren Kommentar verstanden habe, unterstellen Sie mir und anderen Buchblogger*innen derselben Meinung, Bücher verbrennen zu wollen, wenn wir darin kritische Aussagen entdecken. Ein bisschen merkwürdig, denn sowohl meine Astrid-Lindgren-Sammlung als auch die Harry-Potter-Bücher stehen noch in meinem Bücherregal. Ich bin nicht Buchbloggerin, weil ich unbegründet sage „dieses Buch ist scheiße“. Ich bin Buchbloggerin, weil ich dadurch auf einer zwar subjektiven, aber begründeten Art und Weise sowohl positive als auch negative Kritik über literarische Werke äußern möchte. Bücher sind ein großer Teil meines Lesens und ich empfinde es als verletzend, dass man mir vorwerfen könnte, an Bücherverbrennungen teilzunehmen. Und natürlich habe ich keine reaktionäre Haltung gegenüber dem freien Schreiben, wie Sie es bezeichnen (denn wenn Gleichberechtigung für alle – auch trans*- und non-Binäre-Menschen – gilt, ist eine Haltung wie meine, in der ich genau dafür einstehe, alles andere als reaktionär, sondern zeitgemäß). Und ich stehe im Übrigen auch dazu, denn ich finde es wichtig, für die Dinge einzustehen, die man als richtig empfindet, und das tue ich. Und ja, ich finde es gut, dass Bücher, die für Kinder geschrieben worden sind, in der neuen deutschen Übersetzung angepasst wurden in ihrem Wortlaut. Das ist aber ein ganz anderes Thema, das Sie hier ganz offensichtlich mit etwas vermischt haben. Und seien Sie unbesorgt: auch über das Lesen im historischen Kontext ist bereits ein Beitrag von mir in Planung. Ich habe bloß eine Frage: Aus welchem Grund bezeichnen Sie mich als Faschistin? Das wird mir nicht so ganz klar aus Ihrem Kommentar.

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      1. nouseforislam

        Mag sein, dass ich mit meinem Kommentar ein wenig übertrieben habe, aber manchmal lockt man die Leute eben heraus, indem man besonders laut krakeelt. Ich habe die Diskussion um Rowling auch mitverfolgt und war ziemlich erschrocken über die Reaktion auf ihre Aussagen, die durch die Meinungsfreiheit – auch im UK – völlig gedeckt sind und auch naturwissenschaftlich nur schwer zu wiederlegen sind. Ich bin kein Harry Potter-Fan und kein Rowling-Verehrer, allerdings bin ich inzwischen sehr dünnhäutig geworden, wenn es um „Wokeism“ geht und was er anrichtet. Ich halte vom Umschreiben nichts, denn jedes literarische Werk ist in der Zeit verwurzelt, in der es geschrieben worden ist. Selbst ein Machwerk wie „Die 120 Tage von Sodom“ hat seine Existenzberechtigung. Es ist leider eine Entwicklung zu beobachten, bei der Literatur nach bestimmten moralischen Wertmassstäben bemessen wird und diese dazu benutzt werden, bestimmte Bücher und damit auch ihre Verfasser zu „canceln“. Um die moralische „Verwerflichkeit“ zu bestimmen, gibt es bestimmte Begrifflichkeiten, die von „Kritikern“ benutzt werden, um die ihnen nicht genehme Literatur zu diskreditieren: Rassismus, Transphobie, Moslemfeindlichkeit, Antifeminismus, etc. Wer diesen Stempel aufgedrückt bekommt, soll „verbrannt“ werden. Dass das zu abstrusen Vorgängen führt – Asterix-Verbrennung in Kanada (obwohl gerade der neue Band eher feministisch aufgestellt ist) – oder bestimmte Bücher werden nur unter bestimmten Bedingungen ausgeliehen (Uni-Bibliothek) Freiburg oder gewissen Autoren (Pirincci) wird der Verkauf ihres aktuellen, unpolitischen, Buches erschwert. Vorfälle wie bei der Buchmesse zählen auch dazu. Insofern sehen Sie mir bitte nach, dass ich diesbezüglich sehr empfindlich geworden bin und eben auch auf bestimmte Reizworte reagiere. Eigentlich sollte jedem aufmerksamen Menschen (und zwar nicht im Sinne von „woke“) schon auffallen, dass es gewisse Tendenzen gibt, den Meinungshorizont einzuschränken, die man nicht anders als faschistoid (womit ich den Begrif „faschistisch“ zurücknehme) bezeichnen kann. Und über den Grad der Trennung von Werk und Autor kann man natürlich ausgiebig diskutieren.

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        1. Lara B. Autor

          Schade, dass „woke“ für Sie so ein stark negativ konnotiertes Wort ist, wo es doch eigentlich nur dafür steht, dass man sich – wenn man „woke“ ist – der sozialen Ungerechtigkeit (wozu natürlich auch Diskriminierung jeglicher Art zählt) stärker bewusst wird. Natürlich kann auch das in die radikale Richtung ausschlagen, und dass das absolut falsch ist, sollte ja wohl klar sein. Beispielsweise bin ich „woke“, aber nicht radikal. „Woke“ zu sein, ist nichts schlimmes. Dies als Rechtfertigung für radikale Handlungen zu nutzen, schon.

          Und ich stimme durchaus zu, dass die „Cancel Culture“ sehr problematische Ausmaße nehmen kann. Allerdings habe ich ja niemanden dazu angestiftet, Rowling und ihre Werke zu boykottieren. Und ich verbiete ihr auch nicht, weitere Aussagen zu posten, die ihre Meinung widergeben – mal ganz davon abgesehen, dass ich dazu gar nicht in der Lage wäre, würde das auch wieder gegen das Recht der Meinungsfreiheit sprechen. Ich stelle nur klar, dass die Tweets, die ich zitiert habe, transphob sind. Und das ist ein Fakt und keine Interpretation. Denn man kann auch transphob, rassistisch, antisemitisch oder allgemein diskriminierend sein, wenn man dies nicht beabsichtigt. (Und ja, auch ich bin nicht frei davon. Aber ich bemühe mich drum.) Doch die Macht der Worte sollte nun mal auch nicht unterschätzt werden – insbesondere, wenn man etwas durch das Internet an die Öffentlichkeit weitergibt -, und eine gewisse Sensibilität sollte man – meiner Meinung nach – heutzutage durchaus voraussetzen können.

          Und auch die Bezeichnung meiner Person als faschistoid ist noch immer unangebracht. Zur Klarstellung für diejenigen, die vielleicht mitlesen: Im Duden wird das Wort „faschistoid“ so definiert: „Adjektiv – faschistische Züge zeigend“. Und zu „Faschismus“ steht dort: „Substantiv, der (maskulinum) – 1. von Mussolini errichtetes Herrschaftssystem in Italien (1922–1945); 2. a) nach dem Führerprinzip organisierte, nationalistische, antidemokratische, rechtsradikale Bewegung, Ideologie; b) auf dem Faschismus (2a) basierende totalitäre Herrschaftsform“. Es gibt auch den Linksfaschismus, worauf Sie mit Ihrer Aussage wohl eher abzielen. Dieser wird im Duden als „linksorientierter Faschismus“ definiert.
          Doch auch hier sehe ich keine Parallelen zu meiner Person, die rechtfertigen, mich als „faschistoid“ zu bezeichnen, denn ich sehe keine antidemokratischen, linksradikalen oder liberalistischen Züge in meinen Aussagen. Liberal – zum Teil, einige Aussagen betreffend zumindest. Aber nicht liberalistisch, was als ein „Gegenteil“ zu nationalistisch bezeichnet werden kann.

          Wie Sie bereits treffend bemerkt haben, kann man ausgiebig über den Grad der Trennung von Werk und Autor*in diskutieren. Und das ist schließlich auch völlig okay so, denn was wäre die Welt, wenn es derartige Diskussionen nicht mehr gäbe? Jedenfalls keine, in der Meinungsfreiheit und demokratische Werte an erster Stelle stehen, würde ich mal sagen. Und genauso lässt sich auch über die diesjährige Frankfurter Buchmesse sowie über weitere Themen diskutieren, die in eine derartige Richtung gehen.

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  2. Lesemagie

    Hi Lara,
    vielen Dank für die klaren Worte und die Aufklärungsarbeit! Bei mir kam die totale Abkehr von JKR mit der Zeit und den immer problematischeren Tweets sowie meinem wachsenden Verständnis für die zahlreichen Diskriminierungen, z. B. wird ihr für die Darstellung der Kobolde Antisemitismus vorgeworfen. Ein Werk kann ich eigentlich nur von seiner Autorin trennen, wenn deren Ansichten keine Menschen verletzen und nicht im Buch widergespiegelt wird.
    Ich finde es übrigens gut, wie sachlich und differenziert du den Artikel geschrieben hast, davon darf sich wirklich niemand angegriffen fühlen.
    Liebe Grüße
    Daniel

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    1. Lara B. Autor

      Hey Daniel,

      Umgekehrt: ich danke dir fürs Lesen des Beitrags!
      Ich finde es wichtig, auch als Blogger*in Stellung zu gewissen Themen(-bereichen) zu beziehen, weil glaube ich unterschätzt wird, dass jede Stimme (ganz genau wie bei der Wahl) zählt. Egal, ob das jetzt durch einen oder mehrere Texte, durch die Boykottierung oder andere Maßnahmen erfolgt.

      Liebe Grüße,
      Lara

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  3. aleshanee75

    Hi Lara,

    ich seh es etwas anders als du …
    Natürlich kann man viel in Geschichten reininterpretieren – wie z. B. auch einen Brillenträger, der hier mal eine Heldenrolle bekommt, eine Streberin/Außenseiterin die Sympathieträgerin wird und natürlich Ron, der im Laufe der Reihe mehr über sich hinauswächst, vor allem über seine Rolle immer nur „hinter Harry“ zu stehen.

    Grade die Diskriminierung von „Muggeln“ oder „Halbblütern“ wird hier sehr gut dargestellt, vielleicht hast du das nicht ganz so aufgefasst, weil du die Reihe nicht zu Ende gelesen hast. Denn genau darum geht es ja: Dass „nicht reinrassige“ Zauberer unterdrückt werden, weil Voldemort diese aus dem Weg schaffen und nur eine reinrassige Zauberergemeinschaft haben möchte.
    Außerdem hat Rowling so viele positive Botschaften in dieser Reihe, die von vielen einfach nicht mehr gesehen werden wollen und jedes negative Detail herauspicken, das sie finden können. Das kann man aber auf viele andere Bücher auch anwenden.

    Ich verstehe, was du meinst und respektiere, was du darüber denkst, kann es aber für mich persönlich so nicht nachvollziehen. Harry Potter ist eine meiner Lieblingsreihen und wird das wohl auch bleiben 🙂
    Ich mag auch nicht alles, was die Autorin sagt und verstehe einiges nicht, warum sie das oder das so gesagt bzw. getwittert hat. Aber sie ist für mich kein schlechter Mensch. Jeder hat unterschiedliche Ansichten – die man natürlich nicht unterstützen muss, dennoch finde ich in all ihren Büchern (ich hab auch ihre Krimireihe gelesen und die zwei Einzelbände) sehr schöne Botschaften. Und ich finde es nicht gut, dass Leser und Leserinnen ihrer Bücher teilweise beschimpft werden, das geht meines Erachtens zu weit.

    Liebe Grüße, Aleshanee

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    1. Lara B. Autor

      Hi Aleshanee,

      Genau das meinte ich ja: Ich kann es verstehen und nachvollziehen, wenn Leute darüber nicht so denken wie ich, sondern beispielsweise wie du.

      Tut mir leid, das kann sehr gut sein, dass das mein Eindruck von der Reihe war, weil ich sie nicht komplett gelesen habe. Das werde ich noch dazu schreiben, um nicht für Verwirrung zu sorgen. Also danke für den Hinweis!
      In diesem Post habe ich natürlich nur einige negative Aspekte aufgelistet, die nicht die gesamte Reihe ausmachen, das stimmt. Es gibt sehr viel, das gut umgesetzt wurde, die richtigen Werte vermittelt, etc. Schreibe ich bei der Gelegenheit auch noch dazu. Genau deshalb ist es auch so wichtig, dass auch Kommentare gepostet werden, in denen ein anderer Standpunkt genannt wird. So kann ich einige Punkte in dem Beitrag noch ausbessern und besser verständlich machen.

      Ihre anderen Bücher habe ich nicht gelesen, nur in „Der Ickabog“ habe ich einmal reingelesen, weil meine Stiefnichte das Buch letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Die ersten zwei Kapitel haben mir da auch ganz gut gefallen. Deshalb kann ich zu ihren anderen Büchern nicht wirklich was sagen.
      Dass Leser*innen beschimpft werden, wenn sie ihre Bücher lesen oder allgemein andere Meinungen vertreten, finde ich auch überhaupt nicht okay. Es herrscht schließlich Meinungsfreiheit, und zudem haben auch alle einen eigenen Geschmack, egal um was es geht. Es geht für mich einfach zu weit, wenn durch Aussagen Menschen diskriminiert oder beleidigt werden.

      Also danke für den Kommentar und dass du versucht hast, meinen Standpunkt zu verstehen! (Was leider nicht der Normalfall ist, wie einige andere Kommentare zu diesem Post zeigen – von denen ich bereits zwei aufgrund von wüsten Beschimpfungen gegenüber trans*- und non-binären Menschen löschen musste, weil ich diese Art von Aussagen hier nicht dulde.) Dass du nicht alles für dich persönlich nachvollziehen kannst, ist genauso in Ordnung wie jede Art der Zustimmung und nicht weniger! Ich möchte – wie gesagt – niemandem vor den Kopf stoßen, der*die anderer Meinung ist als ich.

      Liebe Grüße,
      Lara

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      1. aleshanee75

        Das ist ja grade das, was Toleranz ausmacht: die Meinungen anderer akzeptieren, auch wenn man nicht mit ihnen konform geht 🙂
        Ich muss ja „den anderen“ nicht heiraten oder ich kann auch den Kontakt meiden, wenn es mir zu weit geht, aber ein gewisses Verständnis aufbringen sollte möglich sein. Das fällt vielen mittlerweile schwer, meist auf beiden Seiten, egal um was es geht.
        Es bilden sich „Lager“, wie man ja heutzutage sehr deutlich sind, und das ist sehr schade. Denn man müsste in Gespräche gehen und schauen, woran es liegt, welche Vorbehalte, Ängste oder Empfindungen jeder hat, dann kann man die Meinungen viel besser nachvollziehen.

        Ich versuche immer, niemanden zu verurteilen. Da stoße auch ich sehr oft auf Unverständnis. Aber: ich kann ja nur „urteilen“ aus meiner Sicht – und das lasse ich auch jedem anderen zustehen. Durch meine Erfahrungen in meinem Leben seh ich die Dinge nunmal mit meinen Augen und jeder andere Mensch genauso, deshalb ist es oft schwer nachzuvollziehen, warum jemand „anders denkt, handelt“ oder eben Aussagen macht, die so völlig verquer erscheinen.

        Ich glaube nicht, dass ein Mensch von Grund auf schlecht ist und auch jemand, der Aussagen macht, die mir nicht gefallen, hat sicher auch etwas gutes in sich. Daran glaube ich – ich bin da hoffnungslos optimistisch 🙂
        Wie gesagt kann ich Menschen aus dem Weg gehen, mit denen ich gar nicht klarkomme und natürlich hab auch ich gewisse Grenzen mit dem Verhalten anderer, aber im Endeffekt möchte ich immer versuchen, zu akzeptieren dass es andere Meinungen gibt und entweder versuchen zu verstehen, oder akzeptieren und aus dem Weg gehen.

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