Rezension: »Madly« von Ava Reed

Ebenso wie »Truly«, habe ich auch »Madly« im Urlaub gelesen. Nachdem ich den ersten Teil der »In Love«-Reihe von Ava Reed so gut fand, habe ich etwas Ähnliches von »Madly« erwartet … und wurde maßlos enttäuscht.


Inhalt

June hat ein Geheimnis. Eines, das sie mit aller Macht bewahren will. Deshalb hält sie jeden Mann, der an mehr als einem One-Night-Stand interessiert ist, auf Abstand. Beziehungen machen verwundbar, genauso wie die Liebe. Doch June hat nicht mit Mason gerechnet. Er ist witzig, reich und absolut planlos, was seine Zukunft angeht – aber vor allem kann er nicht genug von der temperamentvollen Studentin bekommen. Mason will weitaus mehr als nur eine Nacht mit ihr. Und June fragt sich das erste Mal, was passieren würde, wenn sie ihre Mauern einreißt …

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

Quellle: Thalia

Titel: Madly
Autorin: Ava Reed
Genre: New Adult Liebesroman
Format: Paperback
Seiten: 414
Verlag: LYX
ISBN: 978-3-7363-1297-5
Reihe: In Love / Bd. 2
Preis (Paperback): 12,90 €


Meine Meinung

Fangen wir zunächst mit etwas Positivem an, nämlich Avas Schreibstil. Er ist flüssig zu lesen und vor allem humorvoll, was eine gewisse Leichtigkeit mitbringt, gleichzeitig kann er aber auch mal ernst sein. So kamen Emotionen gut rüber und ich konnte wenigstens größtenteils mit June und Mason mitfühlen. Dennoch bin ich der Meinung, dass »Madly« mit dem ersten Teil nicht mithalten kann, und das hat überhaupt nichts mit dem Thema zu tun, denn es geht um Selbstzweifel und Bodyshaming. Zwei Themen, die eigentlich in so gut wie jedem NA-Roman auftauchen sollten, weil es die Zielgruppe einfach stark betrifft.

June war mir bereits in »Truly« sympathisch, zumindest als Andies beste Freundin. In »Madly« stehe ich ihr jetzt eher zwiegespalten gegenüber. Einerseits kann ich ihre Selbstzweifel sehr gut verstehen, da ich selbst einige Probleme mit meiner Haut habe (wenn auch in anderem Sinne, denn ich habe Akne). Diese Probleme, die June mit sich selbst hat, wurden – zumindest meiner Ansicht nach – realitätsnah, aber zu nebensächlich abgehandelt. Insbesondere, wenn ich bedenke, dass es ein so emotionales Vorwort gibt, in welchem eine Triggerwarnung steht, etc.

Auf der anderen Seite ist June aufmüpfig, respektlos, in den unpassendsten Situationen unfreundlich und macht sich nichts daraus, ob sie mit ihren Worten andere Menschen verletzen könnte. Diese Eigenschaften kann ich an Menschen überhaupt nicht leiden, und genauso wenig an Buchfiguren. Zwar ist die positive Lebenseinstellung, die sie äußerlich zu haben scheint, sehr bewundernswert, und auch ihre Freundschaft zu Andie finde ich klasse. Trotzdem kann ich genau die Charakterzüge an ihr nicht leiden, die in diesem Buch so extrem hervorgetreten sind.

Zudem ist ihre Entwicklung für mich nicht ganz greifbar. Nach ihrer heftigen Kindheit, in der sie immer das Gefühl vermittelt bekommen hat, nicht gut genug zu sein, wäre es glaube ich realistischer gewesen, wenn sie sich zu einer schüchternen, zurückhaltenden Person entwickelt hätte, die nicht groß aus der Masse hervorstechen will. Möglicherweise fehlte aber an der Stelle auch einfach ein bisschen die Tiefe, die mir geholfen hätte, ihre Persönlichkeitsentwicklung nachzuvollziehen.

Na ja, Mason konnte ich in »Truly« schon nicht leiden, und das hat sich auch leider nicht geändert. Er ist zwar zu seinen Freund*innen ein echt guter Kumpel, auf den sie sich immer verlassen können, aber er akzeptiert einfach kein Nein. Er bedrängt June, belästigt sie in ihrer Freizeit und lässt dabei einfach nicht locker, dabei gibt sie ihm immer wieder deutlich zu verstehen, dass sie nicht mit ihm ausgehen möchte. Aber nein, ihr Körper scheint eine andere Sprache zu sprechen als ihr Mund, und an dem Glitzern in ihren Augen kann Mason natürlich sofort verstehen, dass sie ihn eigentlich doch ganz anziehend finde. Tut mir leid, wenn ich ein bisschen ausfallend wirke, aber so etwas geht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Nein heißt Nein. Da gibt es keinen Handlungs- oder Diskussionsspielraum. Wieso und weshalb June Nein sagt, spielt dabei auch keine Rolle. Sie ist nicht bereit dazu, in Mason mehr zu sehen als einen Freund, also sollte er das auch akzeptieren. Ehrlich gesagt verstehe ich ja schon nicht, warum sie ihn nach alldem noch als Freund sehen kann.

Aber noch einmal zu June zurück. Gerade, wo sie so große Probleme mit ihrem Aussehen hat, kann ich einfach nicht verstehen, wie sich trotzdem teilweise über Äußerlichkeiten geäußert wird, in einem Buch, dessen Message doch eigentlich lauten sollte: Du bist schön, so wie du bist und nicht anders. Beispielsweise wünscht June sich einmal, Mason würden Monobrauen wachsen, um ihm seine Attraktivität zu nehmen. I mean, dann berühren sich eben die Brauen in der Mitte, na und? Das macht einen Menschen doch nicht gleich hässlich! Oder auch zum Thema Akne: Es wird über die richtige Wahl des Make-ups geschrieben, damit man nicht durch die Verwendung des falschen eine „zweite Pubertät“ durchlaufen muss. Klar, ich kann verstehen, weshalb Akne nicht wünschenswert erscheint, aber dennoch ist es eine Hautkrankheit, die nicht nur Teenager betrifft und die sich oft nicht leicht behandeln lässt. Wenn man als Autor*in schon ein Buch schreibt, in dem es um Selbstakzeptanz geht, dann sollten solche Dinge einfach nicht darin auftauchen.

Ach ja, und was ich an June noch nicht leiden kann, ist, dass sie Mason mehrfach eine Geschlechtskrankheit wünscht. Das ist genauso ein No-Go wie jemandem den Tod zu wünschen. Egal, wie sehr ich bestimmte Personen nicht leiden kann, wünsche ich ihnen doch keine Geschlechtskrankheit oder den Tod!

Auch bei der Schlussszene, die genau wie in »Truly« wieder eine Sexszene ist (Warum muss es immer gleich Versöhnungssex sein, warum nicht einfach ein klärendes Gespräch am Ende? Meinetwegen auch danach!), habe ich den Kopf schütteln müssen, denn Mason sagt einmal eindeutig, dass June aufhören soll – und auch hier gilt: Nein heißt Nein. Allerdings scheinbar nicht für June, denn Masons Körper spricht ja eine andere Sprache. Danach ist zwar keine Rede mehr davon, dass June aufhören soll, aber dennoch ist es in dem Moment eine Vergewaltigung gewesen, weil Mason June gesagt hat, dass sie aufhören soll. Ob nur, weil er es anders möchte oder überhaupt nicht, ist in diesem Augenblick vollkommen egal – sollte es zumindest sein.

Ich hoffe, ich konnte euch verständlich machen, weshalb ich das Buch trotz der schönen Stellen, des Schreibstils, etc. nicht mochte.


Fazit

Von mir gibt es für »Madly« keine Leseempfehlung. Ich selbst habe es nur zu Ende gelesen, weil ich doch noch Hoffnung hatte, zumal es so hoch gelobt wurde überall. Vielleicht hätte ich es doch einfach abbrechen sollen.

2 Gedanken zu “Rezension: »Madly« von Ava Reed

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s