Rezension: »Scherbenmond« von Bettina Belitz

»Scherbenmond« habe ich im Juni gelesen (ich weiß, ist schon etwas her …), aber da ich Anfang Juli in den Urlaub gefahren bin, hatte ich keine Gelegenheit mehr dazu, die Rezension zu schreiben … also gibt es sie heute, ungefähr einen Monat später. Die anderen Rezensionen folgen dann die Tage noch.

Bei dem Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Splitterherz-Trilogie. Aus dem Grund kann es in der Rezension zu Spoilern kommen, die den ersten Band betreffen. Hier geht es zu Teil 1: Splitterherz


Inhalt

(ACHTUNG, SPOILER ZU TEIL 1 DER REIHE!!)

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen.

Umauf andere Gedanken zu kommen, quartiert Ellie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt erschöpft und gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum …

(Quelle: Goodreads)


Bibliographische Daten

(Quelle: Amazon)

Titel: Scherbenmond
Autorin: Bettina Belitz
Genre: Urban Fantasy
Format: Taschenbuch
Seiten: 688
Verlag: Script 5
ISBN: ‎ 978-3839001226
Reihe: Splitterherz / Bd. 2
Preis (Hardcover): 19,95 €


Inhalt

Zugegeben, nach den ersten Kapiteln war ich recht geschockt und habe erst mal darüber nachdenken müssen, ob ich das Buch weiterlesen möchte. Zum einen gab es im ersten oder zweiten Kapitel einen – für mich eindeutigen – Fall von Fatshaming, also Fettfeindlichkeit. Es ging um einen übergewichtigen Polizisten, über den sich Ellie und ihre Mutter lustig gemacht haben – zwar nicht ihm gegenüber, aber untereinander. Und Ellie hat im Gedanken einige sehr gehässige Dinge von sich gegeben, die meiner Meinung nach schon grenzwertig waren. Dies ist auch ein Kritikpunkt, den ich so stehen lassen möchte. Vielleicht könnt ihr ja in den Kommentaren mal verraten, ob ihr selbst schon Fatshaming in Büchern (oder auch in der Realität) erlebt habt und wie ihr damit umgeht. Ich persönlich ziehe dem Buch allein deshalb schon Punkte von meiner Bewertungsskala ab. Denn in diesem Fall gab es keinen Interpretationsfreiraum diesbezüglich.

Zudem stellt Ellie fest, als sie in Hamburg ankommt, dass ihr Bruder in der Zeit, in der sie ihn nicht gesehen hat, schwul geworden ist. Also. Zum einen wird man nicht mal eben schwul, entweder man ist es oder man ist es nicht. Und nur, weil Paul vorher bereits eine Freundin hatte, heißt das ja nicht automatisch, dass er nicht trotzdem schwul sein kann. Dass er möglicherweise gar bisexuell ist, stand gar nicht zur Debatte, genauso wenig wie es für Ellie zur Debatte stand, dass Paul auf Männer* steht. Auf ihrer Webseite hat die Autorin, Bettina Belitz, einen Post verfasst, in dem es unter anderem genau um diese Kritik geht. Und auch, wenn sie nicht die Absicht hatte, homophobe Äußerungen zu machen (und immer noch nicht erkennen kann, wo genau es der Fall ist in ihrem Buch), kann ich persönlich die Kritikpunkte gut verstehen, denn mir ging es am Anfang genauso. Ich habe mir auch gedacht: Hui, das klingt jetzt aber schon echt homophob.
Pauls Freund, Francois, wird zudem nicht gerade freundlich dargestellt. Ellie kann ihn auf den Tod nicht ausstehen, er sie ebenfalls nicht, er ist besitzergreifend und das, was heutzutage in unserer Gesellschaft leider immer noch häufig als „typisch schwul“ angesehen wird. Also mal ganz von Ellies Reaktion auf den angeblich plötzlichen Wandel von Pauls Sexualität abgesehen, wird nicht gerade das beste und vorurteilsfreiste Bild von Homosexualität dargestellt.
Am Ende klärt sich das meiste auf. Dazu muss ich jetzt aber mal spoilern, weil das ein Kritikpunkt ist, den ich ohne Spoiler nicht beschreiben kann (um den Spoiler zu sehen, einfach den leeren Abschnitt markieren):

Paul ist letztendlich tatsächlich nicht schwul. Er wurde von seinem Freund Francois, einem Mahr, besessen, weshalb er selbst dachte es zu sein, und mit Colins und Ellies Hilfe wird er davon „geheilt“. Ich denke, ihr habt gerade alle die gleichen Gedanken wie ich. Ich bin mir sehr sicher, dass die Autorin nicht beabsichtigt hat, diese Message zu vermitteln, als sie das Buch geschrieben hat. Trotzdem finde ich diesen Punkt schon echt grenzwertig, zumal Francois selbst am Ende ja nicht schwul war, sondern sich nur so ausgegeben hat und stattdessen der Bösewicht der Geschichte war. Ich weiß auch nicht, aber ein paar J. K. Rowling – Vibes kamen da schon rüber bei mir.

Abgesehen von diesen Punkten fand ich das Buch aber wirklich richtig gut. Es war spannend und zutiefst nervenaufreibend, sodass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Außerdem gab es da diese unterschwellig düstere Atmosphäre, die mich total gefesselt hat. Ich kann es nicht gut beschreiben, aber so war es. Auch die Charaktere waren alle – bis auf Francois – sehr authentisch dargestellt und haben mir wirklich gut gefallen. Ellie macht es sich und ihren Mitmenschen echt nicht leicht, weil sie so gerne und viel streitet. Na ja, und Gianna ist einfach nur toll, ich glaube, sie ist mein Lieblingscharakter aus dem Buch. Tillmann ist auch irgendwie cool drauf, auch wenn seine politische Unkorrektheit mich manchmal echt fassungslos gemacht hat. Weil er einfach so gar kein Blatt vor den Mund nimmt und damit häufig mal andere verletzt … Aber das ist eben irgendwie auch sein Charakter. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben kann.


Fazit

»Scherbenmond« ist eine größtenteils echt gelungene Fortsetzung von »Splitterherz«, wenn auch meiner Meinung nach der schwächste Teil der Trilogie. Einige Aussagen darin hätten so nicht sein müssen, und ein bisschen genaueres Hinsehen hätte ich mir da sowohl von Autorinnen- als auch von Verlagsseite gewünscht. Nichtsdestotrotz habe ich das komplette Buch lang mitgefiebert und -gerätselt, was das Zeug hielt. Es war teils wirklich spannend bis zum Gehtnichtmehr, von daher also durchaus kein schlechtes Buch.

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