Rezension: »Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen«

Dieses Sachbuch zum Thema Geschlechterrollen in Märchen habe ich für meine Facharbeit in Deutsch zum Thema »Antagonistische Frauenbilder in Grimms Märchen – Zeitgemäß oder längst veraltet?« gelesen.


Inhalt

Mann und Frau im Märchen – dahinter steckt nicht nur das altbekannte Rollenschema der Frau als böser Hexe bzw. guter Fee oder des Mannes als Held. Es meint auch die klassische Paarbeziehung der zwei Liebenden, die zum Happy End zusammenfinden. Darüber hinaus gehört dazu die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern, Müttern und Söhnen, Brüdern und Schwestern. Männliches und weibliches Prinzip zeigen sich außerdem an Gottheiten beiderlei Geschlechts und in mythischen Symbolen, so der Schlange und dem Drachen. 18 spannende wie informative Forschungsbeiträge berichten vom Männlichen und vom Weiblichen in der Welt der Märchen.

(Quelle: Klappentext)


Bibliographische Daten

Titel: Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen
Herausgeber: Europäische Märchengesellschaft (EMG)
Genre: Sachbuch
Format: Hardcover
Seiten: 296
Verlag: Diederichs
ISBN: 978-3-7205-2369-1
Sprache: Deutsch

Erster Satz: »Es gibt nichts Grundlegendes im menschlichen Dasein, von dem das Märchen nicht zu erzählen wüsste.« – Sigrid Früh


Meine Meinung

Wo fängt man am besten an, wenn man ein Sachbuch rezensieren möchte, das nicht von einer Person geschrieben wurde, sondern von gleich 18 auf einmal? Beim Schreibstil bestimmt nicht, denn der unterscheidet sich ja von jedem einzelnen Bericht zum nächsten.

Am besten beginne ich einfach mit dem Einfachsten, nämlich dass die einzelnen Forschungsberichte in dem Buch nicht aufeinander aufbauend sind und somit unabhängig voneinander gelesen werden können. Das ist für mich auf jeden Fall ein Pluspunkt, weil man so einfach in dem Kapitel nachschlagen kann, aus dem man Informationen benötigt, ohne vorher alles andere gelesen haben zu müssen. Da die unterschiedlichen Berichte von jeweils anderen Personen verfasst wurden, bekommt man allerdings auch zu einem einzelnen Titel – nehmen wir mal »… es war der ihnen vom Schicksal bestimmte Mensch« von Erika Taube – auch nur die Sichtweise einer einzelnen Person, nämlich des Verfassers bzw. der Verfasserin.

Die Informationen, die in dem Buch gegeben werden, sind meiner Meinung nach allesamt interessant, aber auch sehr speziell. Der Grund für diese Einschätzung meinerseits ist, dass die meisten Berichte eher unbekannte Märchen, Mythen und Sagen thematisieren, und das in sehr ausführlicher Form. Dahingegen bleiben die bekannten Märchen wie die von den Brüdern Grimm oder Andersen eher auf der Strecke. Das hätte ich sehr gerne eher gewusst, denn so habe ich mir das Buch gekauft, nur um hinterher bloß zwei von 18 Berichten für meine Facharbeit verwenden zu können. Außerdem gab es so für mich persönlich auch nur wenige Berichte, die mich wirklich richtig interessiert haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Analysen schon sehr nah an den jeweiligen Märchen, die als Grundlage genutzt wurden, angelegt waren. Durch Ausschnitte und Zitate sowie durch die ausführlichen Quellenangaben nach jedem Bericht gab es einige anschauliche Beispiele, wie auch in dem Bericht »Das ‚Traumpaar‘ im Märchen« von Barbara Gobrecht, wo aus »Schneewittchen« zitiert wird:

» ‚Da war ihm Schneewittchen gut und ging mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.‘ « – Seite 35

Trotzdem muss ich sagen, dass in den meisten der 18 Berichte häufig genau die Stellen sehr ausschweifend behandelt wurden, die für das Verständnis der Leitfrage keine große Rolle gespielt haben. Dadurch wurde es an einigen Stellen auch schnell mal langweilig.


Fazit

An sich ist das Sachbuch »Mann und Frau im Märchen – Forschungsberichte aus der Welt der Märchen« sehr informativ und interessant, aber leider kann es nicht auf ganzer Ebene punkten, wie beispielsweise bei dem Verhältnis von bekannten Märchen hin zu sehr unbekannten chinesischen Sagen.

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