Rezension: »Wie Monde so silbern« von Marissa Meyer

Hallo ihr Lieben!

Endlich komme ich mal wieder dazu, euch mit neuen Rezensionen zu versorgen. Bald steht meine Facharbeit an, und für die habe ich die Luna-Chroniken gelesen, weil ich auf diese zurückgreifen möchte. Es geht um antagonistische Frauenbilder in Märchen früher und heute. Na ja, Anfang Februar hab ich deshalb die vier Bücher der Reihe gelesen, und ich bin mir sicher, dass einige von euch die Rezensionen dazu interessieren werden.


Inhalt

Cinder lebt mit ihren Stiefschwestern bei ihrer schrecklichen Stiefmutter und versucht verzweifelt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Doch als eines Tages niemand anderes als Prinz Kai in ihrer Werkstatt auftaucht, steht Cinders Welt Kopf: Warum braucht der Prinz ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich? Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie auf dem großen Schlossball ihren Höhepunkt finden. Cinder schmuggelt sich dort ein und verliert mehr als nur ihren Schuh …


Bibliografie

Titel: Wie Monde so silbern
Autorin: Marissa Meyer
Übersetzung: Astrid Becker
Genre: Dystopie
Format: Taschenbuch
Seiten: 381
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31528-1
Reihe: Luna-Chroniken / Bd. 1
Sprache: Deutsch


Meine Meinung

Für alle, die es nicht wissen: die Luna-Chroniken sind im Grunde Märchenadaptionen von den Kinder- und Hausmärchen „Aschenputtel“, „Rotkäppchen“, „Rapunzel“ und „Schneewittchen“ der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Der erste Teil „Wie Monde so silbern“ ist angelehnt an „Aschenputtel“, und zwar an das Original und nicht an „Cinderella“. Letzteres kann ich sowieso nicht leiden, also war ich da schon mal ziemlich froh drüber.

Sie nahmen ihr die schönen Kleider weg, zogen ihr einen alten grauen Mantel an und gaben ihr hölzerne Schuhe.

Das Buch ist aufgeteilt in vier „Bücher“, die jeweils mit einem Zitat aus Aschenputtel beginnen. Die habe ich auch mit hier in die Rezension eingebaut. Im ersten Teil lernt man, wie schon aus dem Zitat herauszuhören ist, die Protagonistin näher kennen. Und das ist auch gut so, denn ich hätte anfangs niemals damit gerechnet, dass Cinder ein Cyborg ist, der zu 36% aus Metall und Elektronik besteht. Die Cyborg-Sache wird von Anfang an thematisiert, deshalb zähle ich das nicht als Spoiler.

Linh Cinder ist jedoch, im Gegensatz zum echten Aschenputtel, eine Vollwaise, die von dem Wissenschaftler Linh Garan adoptiert wurde, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Zumindest hat man ihr genau das erzählt, und sie zweifelt auch keinen Augenblick daran, dass diese Geschichte stimmt, denn warum sonst sollte man sie mit elf Jahren operiert und zu einem Cyborg gemacht haben? Am Ende erfährt man jedoch Weiteres über ihre Herkunft, wozu ich deshalb noch nicht allzu viel sagen möchte.

Die Welt, in der Cinder lebt, ist futuristisch und in einige wenige große Zusammenkünfte von Staaten aufgeteilt. Sie selbst lebt im Asiatischen Staatenbund in der Hauptstadt Neu Peking, wo sie schließlich auf den Kronprinzen Kaito, genannt Kai, trifft. Dieser taucht plötzlich in ihrer Werkstatt auf, weil er gehört hat, Cinder sei die beste Mechanikerin der Stadt. Er möchte, dass sie seine bereits veraltete Androidin Nainsi repariert, da diese sehr wichtige Informationen hat, die auf gar keinen Fall in die falschen Hände kommen dürfen.

In der Werkstatt wird Cinder von der Androidin Iko unterstützt, die ich sofort liebgewonnen habe. Sie ist die beste Freundin von Cinder, welche sie gewissermaßen vor ihrer Stiefmutter Adri schützt, weil Ikos Persönlichkeitschip einige Fehler aufweist.

Abends, wenn sie sich müde gearbeitet hatte, kam sie in kein Bett, sondern musste sich neben dem Herd in die Asche legen.

Beim Lesen ist stark aufgefallen, dass es einige Abweichungen vom Märchen über Aschenputtel gibt. Zwar ist Cinder gewissermaßen ein Opfer der Gesellschaft, da Cyborgs auf der Erde kaum Rechte haben, aber auf der anderen Seite ist sie eine starke Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lässt. Trotzdem wirkt sie durch ihre leichte Naivität nicht unrealistisch, sondern im Gegensatz sehr authentisch, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte.

Um weiter mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu machen: Ja, Cinder hat tatsächlich gewissermaßen eine böse Stiefmutter und zwei Stiefschwestern. Eigentlich ist Adri aber nicht ihre Stiefmutter, sondern ihr Vormund, und Cinder ist als Cyborg ihr Mündel. Mit Pearl, der ältesten Tochter von Adri, versteht sich Cinder nicht gut, dafür aber umso mehr mit Peony.

Das Dreiergespann aus Adri, Pearl und Peony bereitet sich in dem Buch auf den Ball vor, den Prinz Kaito gibt, weil Adri hofft, dass ihre älteste Tochter eine gute Partie machen kann. Peony ist die einzige, die sich für Cinder einsetzt, obwohl diese gar kein großes Verlangen danach hat, mit auf den Ball zu kommen. Außerdem wird Adri nicht als gefühlskalt beschrieben, sondern ist sogar einigermaßen tiefgründig ausgearbeitet, was mir ebenfalls gut gefallen hat.

Es hilft dir alles nichts: Du kommst nicht mit, denn du hast keine KLeider und kannst nicht tanzen; wir müssten uns deiner schämen.

Eine große Rolle in der Geschichte spielt auch die Blaue Pest, die die Erde heimsucht. Ebenso erfährt man etwas über Levana, die Königin von Luna. Diese ist wie viele Lunarier dazu in der Lage, andere Leute um sich herum das sehen oder fühlen zu lassen, was sie möchte. Das ist jedoch kein Fantasy-Aspekt, sondern wird in der Geschichte durch Bioelektrizität und genetische Veränderungen erklärt.

Ich finde es wirklich gut gelungen, wie am Ende alles zusammenläuft, und auch der Perspektivwechsel zwischen Cinder, Kai und Doktor Erland bringt Abwechslung rein.

Das Ende macht neugierig auf mehr, obwohl der Cliffhanger nicht so extrem ist, wie ich es gerne bei Reihen mag.

Der Königssohn hatte aber eine List gebraucht und die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen: Da war, als sie hinabsprang, der linke Pantoffel des Mädchens hängengeblieben.

Kommen wir nun zu meiner Kritik (die nächste Rezension werde ich kürzer fassen, versprochen!).

Ich fand es anfangs recht schwer, mich in der Geschichte und in der Welt zurechtzufinden. Es wird in den ersten Kapiteln mit Namen um sich geworfen, die mir zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nichts gesagt haben, was ich ein bisschen schade fand. Trotzdem hat es sich ja am Ende gelohnt, weiterzulesen.

Auch die Beziehung zwischen Cinder und Kai hat sich meiner Meinung nach etwas zu schnell entwickelt. Die beiden sehen sich nicht häufig, und auf einmal vertrauen sie einander. Dazu kommen unzählige Geheimnisse, die am Ende scheinbar alles zerstören, was zwischen den beiden aufgebaut wurde. Die Tatsache war jedoch auch verantwortlich dafür, dass ich sofort im zweiten Teil weitergelesen habe.

Auch war die Storyline an sich recht vorhersehbar, da sie sich – mal von den paar Unterschieden abgesehen – sehr nah am echten Märchen von Aschenputtel entlanggehangelt hat. So konnte ich das Ende schon vorhersehen, und viele andere Wendungen ind er Geschichte auch.


Fazit

„Wie Monde so silbern“ ist ein toller Auftakt für eine großartige Reihe, auch wenn es ein paar Dinge gab, die mich doch arg gestört haben.

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