Rezension: »Der Insasse« von Sebastian Fitzek

Hey ihr Lieben!

Weil ich es meinem Vater versprochen habe, habe ich direkt nach Percy Jackson 1 angefangen, „Der Insasse“ zu lesen. Letzten Monat habe ich ja zwei Fitzeks gelesen und auch davor habe ich zwischendurch mal das ein oder andere Buch von ihm verschlungen, und weil mir bis auf eins alle sehr gut gefallen haben, war ich schon unglaublich gespannt auf dieses!


Allgemeine Informationen

Titel: Der Insasse
Autor: Sebastian Fitzek
Genre: Psychothriller
Format: Paperback
Seiten: 378
ISBN: 978-3-426-51944-8
Verlag: Droemer Knaur
gelesen: 17.07.20 bis 20.07.20


Inhalt

Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt der psychisch kranke Häftling Guido T. auf Anraten seiner Anwältin. Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max‘ Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.

Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mordkommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängniskrankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann.

Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit.
Dachte er.
Bis er als Insasse die grausame Wahrheit erfährt …


Meine Meinung

Die Gestaltung

Ein großer Pluspunkt geht hier erst einmal an die Aufmachung. Das Buch hat nämlich die Optik einer Gummizelle, was an sich schon irgendwie neugierig macht. Auch die rote und schwarze Schrift, die wie hingekritzelt aussieht, macht etwas her.

Während in der Hardcover-Ausgabe der Buchschnitt rot gefärbt ist, gibt es in der Paperback-Ausgabe eine weitere Klappe, die sich so falten lässt, dass damit der Buchschnitt sozusagen zugeklappt werden kann. Dort drauf steht in weißen Lettern ebenfalls wie hingekrakelt „Holt mich raus!“. Demnach verspricht schon die Gestaltung ein sehr interessantes und eventuell psychopathisches Leseerlebnis (keine Ahnung, ob es so was gibt. Aber „psychopathisch“ passt so gut zu dem, was ich ausdrücken will).


Der Erzählstil

Für Fitzek typisch ist der abwechslungsreiche, flotte Schreibstil. Auch wenn er in „Der Insasse“ zugegebenermaßen öfter mal den ein oder anderen Ausdruck wiederholt hat, was ich ein bisschen störend fand und mich im Lesefluss abgelenkt hat. Aber was meckere ich hier rum, ich selbst hab es in meinem Buch ja auch nicht besser gemacht.

Besonders gut gefallen haben mir mal wieder die Perspektivwechsel. Fitzeks Thriller haben fast alle sehr kurze Kapitel und die aufeinanderfolgenden werden meist aus der Sicht von unterschiedlichen Charakteren erzählt. Demnach endet das eine Kapitel mit einem Cliffhanger und man will schnell im nächsten weiterlesen, was passiert, aber dieses ist dann wieder aus der Sicht einer anderen Person geschrieben, und am Ende gibt es wieder einen Cliffhanger. Das ist ein Teufelskreis, aus dem man erst herauskommt, wenn man das Buch beendet hat.

Na ja, was ich eigentlich sagen wollte, war, dass ich besonders die Perspektive des psychopathischen Kindermörders Guido T. (ich weiß jetzt auch, weshalb im Klappentext der Nachname nicht genannt wird, weshalb ich das auch nicht tun werde, um nicht zu spoilern) mochte. Das heißt, natürlich mochte ich nicht, was der Psychopath für Gedanken hat, aber ich fand es irgendwie faszinierend, wie Fitzek es geschafft hat, auch dessen Empfindungen authentisch einfließen zu lassen. Das muss man erst mal schaffen, sich in den Kopf eines Kindermörders hineinversetzen zu können.

Bis ich die Hälfte gelesen hatte, kam es immer mal wieder zu ein paar Längen in der Handlung, die es mir dann auch mal gestattet haben, das Buch aus er Hand zu legen. Nicht schlimm, weil ich so wenigstens die Möglichkeit hatte, ruhig schlafen zu gehen, aber ihr wisst, was ich meine.


Die Handlung

Vielleicht habt ihr ja schon gehört, dass „Der Insasse“ nicht der beste von Fitzeks Psychothrillern sein soll. Diesen Aussagen kann ich zustimmen, auch wenn ich ihn wirklich nicht schlecht fand – auf jeden Fall hat er mir besser gefallen als „Das Geschenk“ (hier geht’s zur Rezension).

Aber ich bin mir sicher, ihr alle kennt es: Alle sagen immer, der erste Eindruck zählt, auch bei Büchern, und das ist auch so, denn wenn der erste Eindruck nicht stimmt, dann würde man das Buch vermutlich gar nicht erst in die Hand nehmen. Aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass das Ende letztlich den bleibenden Eindruck hinterlässt, den man in Erinnerung behält. Wenn einem also das Ende eines Buches nicht gefällt, dann denkt man im Nachhinein meist negativer an die Geschichte zurück, als wenn der Start ein bisschen holpriger war.

Aus diesem Grund will ich in der Rezension mit dem Ende anfangen und mich dann zu den Punkten vorarbeiten, die mir besser gefallen haben. So ist der bleibende Eindruck dieser Rezension nicht ganz so negativ 😉

Also, ja, die Auflösung war überraschend, wie man es von Fitzek gewohnt ist. Allerdings nicht wirklich eine neue Idee, weshalb ich irgendwie mehr erwartet hatte. Letztlich wurde alles sehr raffiniert zusammengefügt (auch wenn es für mich immer noch ein paar Unklarheiten gibt), aber das Ende war eben auch sehr typisch für einen Thriller dieser Art. Wirklich, ich bin mir sicher, jeder dritte Thriller-Autor hat bereits ein Buch mit diesem Ende geschrieben, einfach weil sie denken, es sei eine super-originelle Idee.

Okay, dann kommen wir jetzt zum Rest der Handlung. Die war nämlich spannend und grauenvoll zugleich. Ich fand einige Szenen wirklich zutiefst verstörend und habe mich beim Lesen regelrecht geekelt – da war nichts mit freudigen Gefühlen oder so. Ich war entsetzt, aufgewühlt und geschockt, und das aus gutem Grund, denn Fitzek ist die ganze Zeit über gnadenlos ehrlich – da läuft nichts mit „schonend beibringen“. Nein, die Handlung geht an die Psyche des Lesers, was nicht zuletzt mit dem Thema Kindermord und Folter zu tun hat.

Auch hat das Setting nicht wirklich Wohlfühlcharakter – eine einfache Bettlektüre ist „Der Insasse“ daher nicht. Mittlerweile gibt es viele Krimis und Thriller, die in psychiatrischen Einrichtungen, teilweise eben auch in der Geschlossenen, spielen – nicht nur in Büchern, auch im Fernsehen bekommt man diese Art von Handlung immer wieder mit, denn irgendwie hat dieses Setting schon etwas Faszinierendes an sich. Vermutlich, weil nicht allzu viele Menschen jemals eine Geschlossene von innen zu Gesicht bekommen.

Manchmal gibt es Rückblicke in die Kindheit einiger Personen – auch in die von dem Psychopathen Guido T. Damit sollten wahrscheinlich seine Fantasien und seine Entwicklung nachvollziehbarer gemacht werden, und das wurde teilweise auch geschafft. Aber eben nur teilweise, denn Fragen bleiben trotzdem noch, die sicherlich noch hätten beantwortet werden können.

Natürlich gab es auch wieder unerwartete Wendungen und vor Allem unvorhersehbare Plottwists, die mir manchmal eine Gänsehaut verschafft haben. Dann fing auch mein Herz an, schneller zu klopfen und ich konnte meine Augen gar nicht mehr vom Text lösen.

Bereits der Anfang ist sehr dramatisch und macht neugierig auf mehr; damit wäre also auch die Sache mit dem ersten Eindruck geklärt. Das größte Highlight am ganzen Buch war für mich allerdings die Danksagung. Wenn ihr euch fragt, weshalb mir gerade eine Danksagung so gut gefallen hat: Lest das Buch selbst. Mehr will ich hier nicht darüber erzählen.


Die Charaktere

Das ganze Buch über hat man geglaubt, Till immer besser kennenzulernen und sein Wesen zu verstehen. Bis die Auflösung konnt und man sich vor die Stirn klopft und sich fragt, was man jetzt von dem Protagonisten des Buches halten soll.

Ansonsten waren die Charaktere aber nicht sehr tiefgründig, sondern eher oberflächlich gestaltet. Die Rückblicke sollten zwar vermutlich ein paar Erklärungen für das Verhalten einiger Charaktere geben, aber so ganz geklappt hat das meiner Meinung nach nicht. Da ist also auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf.


Fazit

„Der Insasse“ ist nicht der beste Fitzek, den ich je gelesen habe, aber auch nicht der schlechteste. Er ist so ein Mittelding, von meinem Gefühl her liegt er so zwischen „Das Geschenk“ und „Das Paket“. Ersteres hat mir von Fitzek bisher am wenigsten gefallen, Letzteres am meisten.


Meine Bewertung

Gestaltung: 5/5 ⭐

Erzählstil: 4/5 ⭐

Handlung: 4/5 ⭐

Charaktere: 3/5 ⭐


Gesamt: 4/5 ⭐


Liebe Grüße,

Lara

2 Gedanken zu “Rezension: »Der Insasse« von Sebastian Fitzek

  1. Hallo liebe Lara,

    ich habe schon viele kritische Rezensionen zu „Der Insasse“ gelesen, sodass ich erst einmal nicht danach greifen werde. Ich habe nämlich noch kein Buch von Sebastian Fitzek gelesen und ich denke, dass es noch etwas länger dauern wird, bis ich eines seiner Bücher lesen werde. Aber es wird auf jeden Fall noch passieren. Dann werde ich jedoch auf deiner Empfehlung hin erst nach „Das Paket“ greifen.

    Liebe Grüße
    Emily

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Emily,

      ja, das war bei mir auch das Problem mit „Der Insasse“ … Negative Rezensionen ziehen einen gleich immer mit und man zweifelt daran, ob man das Buch auch wirklich lesen soll.
      Ich kann „Das Paket“ wirklich nur empfehlen, es hat mich von vorne bis hinten überzeugt!

      Liebe Grüße,
      Lara

      Liken

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