Rezension: »Der Goldene Kompass« von Philip Pullman

Hey ihr Lieben!

Dank eines Kommentars von Paula Josina (The Blogger in the Jogger) habe ich mich auch mal endlich an den ersten Teil der „His Dark Materials“-Reihe gewagt. Ich habe den Film vor ein paar Jahren schon gesehen und mochte ihn eigentlich ganz gerne, wusste aber nicht mehr so richtig, worum es ging – nur ein paar Einzelheiten sind in meiner Erinnerung haften geblieben, weshalb ich beinahe unvorbereitet war, als ich angefangen habe zu lesen. Aber lest selbst, wie mir das Buch gefallen hat:

Zur Rezension von Band 2


Allgemeine Informationen

Titel: Der Goldene Kompass
Autor: Philip Pullman
Übersetzung: Wolfram Ströle, Andrea Kann
Genre: Fantasy
Format: Taschenbuch (Schuber-Exemplar)
Seiten: 444
ISBN (Schuber): 978-3-551-35720-5
Verlag: Carlsen
Reihe: His Dark Materials / Bd. 1
gelesen: 07.04.20 bis 10.04.20


Inhalt

Lyra hatte Angst, allerdings nicht um sich selbst. Dass sie in der Klemme steckte, war nichts Neues, und sie war daran gewöhnt.

Lyra lebt in einem College in Oxford. Eines Tages bekommt sie Besuch von ihrem Onkel Asriel, der hier für eine Expedition in den hohen Norden werben will. Er zeigt den Wissenschaftlern unglaubliche Bilder von dem, was er dort zu finden glaubt: eine andere, fantastische Welt! Nach seiner Abreise geschehen merkwürdige Dinge: Ein Kind nach dem anderen verschwindet. Ob das mit der Expedition zu tun hat? Als es auch Lyras besten Freund trifft, macht sie sich selbst auf in den Norden und findet tatsächlich die Brücke zwischen den Welten. Mutig wagt sie den ersten Schritt …


Meine Meinung

Die Gestaltung

Das Cover der Schuberausgabe ist leider nicht so mein Fall. Die Farbe mag ich gerne, und auch die Schrift (auf dem Bild oben sieht sie anders aus), weil das gut zusammen harmoniert. Aber die Zeichnung von Lyra und Iorek (zumindest gehe ich davon aus, dass der Bär, der abgebildet ist, Iorek Byrnison ist) gefällt mir nicht so gut. Wahrscheinlich, weil ich gesehen habe, wie die neuen Ausgaben aussehen – und mit denen kann dieses Cover einfach nicht mithalten.

Ich finde die Aufmachung der Kapitelanfänge sehr gelungen. Dort wird das Alethiometer (also der Goldene Kompass) abgebildet, und außerdem haben die einzelnen Kapitel je einen unterschiedlichen Titel, ähnlich wie bei den Harry Potter Büchern.

Leider waren mir die einzelnen Kapitel jedoch viel zu lang, wodurch es sich angefühlt hat, als würde sich das ganze Buch in die Länge ziehen.


Der Erzählstil

Ich bin völlig unvorbereitet und auch ein bisschen zwiegespalten in das Buch gestartet, weil so viele Blogger mir bereits gesagt haben, dass sie den ersten Teil bereits abgebrochen haben, weil sie einfach nicht mit dem Schreibstil klargekommen sind. Tja, und vermutlich hätte ich mir den Schuber auch gar nicht erst gekauft, wenn diese ganzen Stimmen schon vorher zu mir gezwitschert hätten, wie schlecht ihnen das Buch gefallen hat – und das wäre schrecklich gewesen, weil ich dann nie in Genuss dieser spannenden Story gekommen wäre!

„Die Mächte dieser Welt sind stark. Männer und Frauen sind Gezeiten ausgeliefert, die viel gewaltiger sind, als du dir vorstellen kannst, und ihr Sog zieht uns alle in die Strömung hinein.“

Seite 86

Zugegeben, der Anfang ist recht langatmig, da viel geredet und sehr ausschweifend erklärt wird, und deshalb kann ich auch diejenigen verstehen, die nicht über die ersten drei Kapitel hinweggekommen sind und das Buch abgebrochen haben. Aber ich bin nie ein Fan vom Bücherabbrechen gewesen, weshalb ich das auch noch nie getan habe bisher – ich hänge mich immer an die Hoffnung, dass mir das Buch im Laufe der Geschichte besser gefallen wird. Und so war es auch bei „Der Goldene Kompass“, denn obwohl der Anfang sich in die Länge zieht, hat der Leser so auch die Möglichkeit, ein bisschen in die Welt von Lyra einzutauchen und Lyra als Protagonistin kennenzulernen. Trotzdem will ich nicht gutreden, was mir nicht gefallen hat, denn der Start in die Geschichte stellt für viele Leser etwas so Ausschlaggebendes dar, dass einige dem Buch gar nicht erst eine zweite Chance geben. Auch ich war anfangs etwas verwirrt von der Geschichte, weil zuerst einmal Lyras Alter nie erklärt wurde und man sich deshalb aus ihrem Verhalten schlussfolgern musste, wie alt sie war und warum sie in einem College in Oxford lebt.

Der Schreibstil ist auch im weiteren Verlauf des Buches sehr detailreich, und es gibt viele neue Worte, die zunächst verwirren und die man erst wirklich verstehen kann, wenn man weiterliest, aber ich kann mich daran erinnern, dass es mir bei dem ersten Teil von Harry Potter genauso ging. Außerdem ist der Erzählstil von Philip Pullman einzigartig und so anschaulich, dass ich mir alles immer von vorne bis hinten vorstellen konnte.


Die Handlung

Ich beginne auch hier wieder ganz vorne und damit direkt mit einem negativen Punkt, weil ich nämlich anfangs das Gefühl hatte, völlig unvorbereitet in die Geschichte geschubst zu werden – als würde man einen Ausflug an den Nordpol machen, ohne vorher die Möglichkeit zu haben, sich warm anzuziehen. Dieses Gefühl hat sich aber beim Weiterlesen schließlich auch gelegt und ich wurde immer mehr ein Fan von der Welt, in der Lyra lebt.

„Ein geübter Lügner zu sein bedeutet noch lange nicht, dass man auch viel Fantasie hat. Viele gute Lügner haben überhaupt keine Fantasie und das macht ihre Lügen so überzeugend.“

Seite 280

Insgesamt ist die Welt, in der die Geschichte spielt, unserer eigenen sehr ähnlich – was man vermutlich schon allein daran erkennen kann, dass Lyra in einem College in Oxford lebt. Trotzdem gibt es gewisse Abweichungen, die mich völlig fasziniert haben, wie beispielsweise die Tatsache, dass jeder Mensch einen Dæmon hat, der sozusagen die Manifestation der Seele darstellt. Ohne seinen Dæmon kann ein Mensch nicht überleben – genau wie andersherum, und gerade deshalb sind sie sich gegenseitig so wichtig. Mit einem Dæmon ist man nie allein und hat immer jemanden, der deine Gedanken und Gefühle teilt und mit dem man sich in Stunden der Einsamkeit unterhalten kann. Zudem mochte ich die Idee gerne, dass ein Dæmon die Gestalt wechseln kann, solange ein Kind noch nicht in die Pubertät gekommen ist. Somit war Pantalaimon für Lyra nicht nur eine Art Seelengefährte, sondern auch ein Beschützer, da er sich immer in eine andere Gestalt wandeln konnte.

„Wir sind alle dem Schicksal unterworfen“, sagte die Hexe, „aber wir müssen so tun, als seien wir es nicht, sonst würden wir vor Verzweiflung sterben.“

Seite 348

Die Geschichte fängt sehr gemächlich an, aber schon ab dem vierten Kapitel baute sich in meinem Inneren eine Art Spannung auf, während ich weiterlas. Ich wusste immer irgendwie, dass etwas Bestimmtes passieren würde, und es gab einige Plot-Twists, die meine Vermutungen noch mal umgeworfen haben. Im Laufe der Story nimmt die Geschichte an Fahrt auf und noch vor dem Ende hatte ich einige Male Herzklopfen beim Lesen.

Zwar war insgesamt das Ende vorherzusehen, weil im Klappentext schon etwas Derartiges angedeutet wird, aber trotzdem blieb die Geschichte im Großen und Ganzen ein Hin und Her zwischen unerwarteten Wendungen, die die Spannung nur noch mal erhöht haben.


Die Charaktere

Lyra Belaqua ist eine sehr vielschichtige Protagonistin. Sie ist zwölf und demnach auf eine Art unschuldig, die kein Erwachsener verstehen kann – sie hält loyal und treu zu ihren Freunden und denen, die sie liebt, aber gleichzeitig ist sie auch unglaublich intelligent, talentiert und listig. Sie hat ihre Schwächen, die sie sehr authentisch erscheinen lassen, aber gerade am Anfang wusste ich noch nicht so ganz, was ich von ihr halten sollte, weil sie da eher die Personifikation von Widerspenstigkeit war – frech, wild, stur, eigenwillig und oft nicht besonders höflich zu Respektspersonen. Im Laufe der Geschichte habe ich Lyra sehr lieb gewonnen und freue mich schon, in den nächsten beiden Bänden wieder an ihrer Seite Abenteuer zu erleben.

„Männer kommen und gehen vor unseren Augen wie Schmetterlinge. Geschöpfe einer kurzen Jahreszeit.“

Seite 353

Iorek Byrnison (ich hoffe, ich habe ihn richtig geschrieben xD) ist ein Panserbjørn, also ein gepanzerter Bär, und ich mochte ihn vom ersten Augenblick an, in dem er Lyra begegnet ist. Er ist einfach ein so toller Freund und ich wünschte, ich hätte einen Panzerbären, der mir so treu zur Seite steht.


Fazit

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, „Der Goldene Kompass“ zu lesen, obwohl ich anfangs meine Zweifel hatte. Die Geschichte ist nicht nur etwas für Kinder ab 12, sondern auch für ältere und sogar Erwachsene, da es so wichtige Dinge gibt, die in diesem Buch angesprochen werden und die man zwischen den Zeilen lesen kann.


Meine Bewertung

Gestaltung: 2,5/5 ⭐

Erzählstil: 3/5 ⭐

Handlung: 3,5/5 ⭐

Charaktere: 4,5/5 ⭐


Gesamt: 3/5 ⭐


Alles Liebe,

Lara

3 Gedanken zu “Rezension: »Der Goldene Kompass« von Philip Pullman

  1. Hi Lara,

    schade, dass es dich nicht so ganz begeistern konnte – ich liebe die Trilogie sehr!!!
    Ich hab aber leider auch schon gehört, dass viele den ersten Band abgebrochen oder danach nicht mehr weitergelesen haben … dabei kommen da noch so viele geniale Ideen und Fragen, die der Autor aufwirft, die mich sehr zum nachdenken angeregt haben!

    Ich würde mich echt freuen, wenn du weiterliest ❤
    Aber sei vorgewarnt: Band 2 startet nicht mit Lyra, sondern mit einem neuen Charakter: Will.
    Das hat nämlich viele Leser abgeschreckt,aber Lyra kommt später natürlich wieder! Und Will ist auch ein wichtiger und sehr interessanter Charakter, versuch einfach, dich darauf einzulassen 😉

    Liebste Grüße und schöne Feiertage!
    Aleshanee

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Aleshanee,

      es ist nicht so, dass mich der erste Teil nicht begeistern könnte – eher so, dass ich ihn wirklich gerne mochte, die Handlung aber insgesamt ein wenig vorhersehbar fand … kann aber auch sein, dass das daran lag, dass ich den Film schon kannte.
      Ich habe vor Kurzem eine Umfrage auf meinem Insta-Account gemacht, und da kam raus, dass fast 70% das Buch nicht mochten – schade, finde ich, weil ich wirklich Spaß beim Lesen hatte.
      Danke, dass du mich auf den neuen Charakter hinweist, das hab ich vor einiger Zeit schon mal gehört und im Klappentext steht es ja auch – aber für mich ist das dann kein Grund, die Reihe abzubrechen, weil ich immer gespannt bin, wenn ein neuer Protagonist dazukommt!

      Ich wünsche dir ein schönes Osterfest!

      LG Lara

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      1. aleshanee75

        Das freut mich 🙂
        Der „neue“ Charakter, also der völlige „Bruch“ der Handlung vom ersten auf den zweiten Band hat leider viele abgeschreckt. Das fand ich schade, denn ich mochte grade auch Band 2 sehr gerne! Dann bin ich ja echt gespannt wie dir der nächste Teil gefällt!

        Gefällt 1 Person

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