Spirituelle Herausforderung für alle – Christen in Zeiten von Corona

Hey meine Lieben!

Heute mal kein buchiges Thema, aber ich hoffe, dass ihr das nicht allzu schlimm findet. Im Religionsunterricht haben wir die Aufgabe bekommen, einen Aufsatz über das Thema „Spirituelle Herausforderung für alle – Christen in Zeiten von Corona“ zu schreiben. Und da ich denke, dass das Thema zurzeit sehr aktuell ist und ich einfach mal meine Gedanken dazu loswerden möchte, hab ich euch den Aufsatz hier noch mal aufgeschrieben.

Anmerkung: Ich habe den Aufsatz schon vor ein paar Wochen geschrieben, als die Politik das Kontaktverbot noch nicht entschlossen hatte. Es kam kurz nachher, wenn also einiges nicht mehr ganz so aktuell scheint, dann könnt ihr das darauf beziehen.


Die Corona-Krise sorgt überall auf der Welt zu Diskussionen zwischen Politikern, Medizinern und Virologen. Doch auch Gläubige stehen vor einer neuen Herausforderung. Denn wie würde sich ein Christ oder eine Christin in diesen Zeiten zu der Bitte verhalten, möglichst das Haus nicht zu verlassen? Und inwiefern spielen dabei Familie und Rechtsstaat eine Rolle?

Die Antwort ist nicht ganz so leicht zu finden, wie man vielleicht denken mag. Natürlich, denkt man an das Christentum und an dessen „Leitsätze“, kommen einem beinahe sofort die zehn Gebote in den Sinn. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es dort. Doch wie kann man dieses Gebot auf die derzeitige Situation beziehen? Heißt das automatisch, dass sich Christen nicht von den Empfehlungen der Regierung einschüchtern lassen sollten, um weiterhin für ihre Mitmenschen da zu sein?

Nicht ganz, sagt beispielsweise Anselm Grün, Autor und Benedektinerpater. Er ist der Meinung, dass es in dieser Zeit wichtig ist, sich selbst zu schützen, um andere nicht anzustecken, und dazu gehöre nun mal auch, das Haus nicht zu verlassen. Auch der pastorale Raum Gütersloh teilt diese Ansicht: „Wir helfen uns in den kommenden Wochen selbst am meisten, wenn wir unsere persönlichen sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren“, so Pfarrer Elmar Quante. „Das widerspricht ganz bestimmt Ihnen und mir, aber es ist nun mal der beste Schutz, bzw. die beste Möglichkeit, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen.“ Man sieht also, auch die Kirche gibt ihre Statements zur aktuellen Krise ab. Es gibt jedoch auch Kritiker.

Der Internist Bruder Ansgar Stüfe ist beispielsweise der Auffassung, dass Panikmaßnahmen unangebracht seien. Man solle nicht leichtsinnig sein, das sieht er ein, aber das Coronavirus rechtfertige kein Stillstehen des gesellschaftlichen Lebens. Panikmaßnahmen. So bezeichnet er die Maßnahmen, die die deutsche Regierung getroffen hat, um die Ketteninfektion am Corona-Virus einzudämmen. Sicherlich gibt es viele, die der gleichen Auffassung sind. Doch ist es nicht egoistisch, dieser Ansicht zu sein? Ist es nicht egoistisch, sich selbst zu bemitleiden, weil man ein paar Wochen lang keinen Kontakt mehr zu seinen Freunden und seiner Familie haben sollte?

Da mögen sich einige ganz sicher sein, ich persönlich jedoch nicht. Natürlich ist es eine schwierige Zeit, in der wir uns vor allem darüber klarwerden müssen, was wirklich wichtig und was für ein paar Wochen verzichtbar ist. Es geht hier nicht nur darum, dass man selbst nicht mehr die Möglichkeit hat, weiterhin gesellschaftlich aktiv unterwegs zu sein. Es geht um die Gesundheit unserer Mitmenschen, um die Gesundheit unserer Familie und Freunde. Das Corona-Virus stellt nicht für jeden eine lebensbedrohliche Gefahr dar, sicher. Aber woher sollen wir wissen, ob es nicht schon in uns steckt und wir es einfach nicht bemerken?

Man sollte nicht mit der kleinsten Erkältung zum Arzt laufen, das steht für mich fest. Besonders in dieser Zeit, wo die Ärzte und Pfleger sowieso schon genug zu tun haben. Aber wenn man sich eben doch nicht sicher ist, ob man das Corona-Virus in sich trägt, und wenn es sich auch nur in einer harmlosen Erkältung erkennbar macht, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es gerechtfertigt ist, weiterhin in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen, solange sie nicht mit einem zusammenleben. Besonders ältere Menschen sind gefährdet und für sie könnte das Corona-Virus lebensgefährlich sein. Wer würde beispielsweise schon das Leben seiner eigenen Großeltern aufs Spiel setzen, nur weil man selbst glaubt, keine drei Wochen ohne die Großeltern zu überleben? Das mag vielleicht für einige melodramatisch klingen. Aber genau das ist doch der Punkt. Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern es geht darum, dass man sich verantwortungsvoll gegenüber seinen Mitmenschen verhält, in dieser Zeit mehr denn je. Und wenn man dafür ein paar Wochen lang keinen Kontakt zu seinem normalen Umfeld hat, dann ist das eben mal so. Davon geht die Welt nicht gleich unter. Viel schlimmer wäre es aber doch, wenn man auf alle Vorsichtsmaßnahmen pfeift und unwissentlich weitere Personen mit dem Virus infiziert. Dadurch würden nicht nur mehr Menschen krank werden und eventuell sogar sterben, sondern auch der Verzicht auf gesellschaftliches Leben würde länger andauern. Das sollte sich meiner Meinung nach einfach mal jeder klarmachen.

Also auch, wenn man christlich ist: es ist kein Akt der Nächstenliebe, seine Mitmenschen anzustecken. Es ist ein Akt der Nächstenliebe, sich selbst zu schützen und damit andere zu schützen.

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