Rezension: »The Hate U Give« von Angie Thomas (gekürzte englische Ausgabe)

In der Schule im Englischunterricht haben wir die (leider) gekürzte Version von „The Hate U Give“ gelesen, allerdings hat mir das nicht viel ausgemacht, weil ich das Buch ja bereits gelesen und für gut befunden habe (mehr sogar, denn es war eines meiner Jahreshighlights 2019!). Trotzdem war ich froh, es mal wieder zu lesen, da es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt.


Inhalt

Sixteen-year-old Starr’s world comes crashing down when she witnesses a police officer fatally shoot her unarmed best friend, Khalil. Following the shooting, she finds herself having a difficult time balancing the two worlds she lives in: the underprivileged African American neighborhood she grew up and still lives in, and the predominantly white high school she attends in an upscale neighborhood. Inspired by the Black Lives Matter movement, this novel follows a young woman whose personal relationships and safety could be jeopardized by her desire to defend Khalil and her community.


Allgemeine Informationen

Titel: The Hate U Give

Autorin: Angie Thomas

Genre: Young Adult

Format: Taschenbuch

Seiten: 371

Verlag: Cornelsen

gelesen: 27.01.20 bis 23.03.20


Meine Meinung

Die Gestaltung

Ich bin bei diesem Punkt wirklich enttäuscht von dem Buch. Das Cover ist einfach nicht so schön wie das des Originaltitels … Da hätte sich der Cornelsen-Verlag meiner Meinung nach ruhig noch ein bisschen was anderes ausdenken können, das dem Original ähnlicher ist.

„I always said that if I saw it happen to somebody, I would have the loudest voice, making sure the world knew what went down.
Now I am that person, and I’m too afraid to speak.“

Seite 37

Vom Inneren her ist die Gestaltung genau wie erwartet nichts Besonderes. Es gibt Vokabelangaben, doch manchmal frage ich mich wirklich, für wie dumm Schüler gehalten werden … gerade in den letzten drei Kapiteln wurde einmal das Wort „squirrel“ angegeben … ähm, hallo? Welcher Schüler aus der 10. oder 11. Klasse weiß denn nicht, was squirrel heißt?


Der Erzählstil

Tatsächlich habe ich in dieser Ausgabe einige Zeit gebraucht, um reinzukommen. Ich war nicht auf den offensichtlichen Slang von Starr vorbereitet, weil ich da im Deutschen glaub ich generell weniger Probleme mit habe. Na ja, nach ein paar Kapiteln hab ich mich dann aber daran gewöhnt und ich finde es wirklich außergewöhnlich, wie Angie Thomas die beiden Welten, in denen Starr lebt, miteinander vereint – allein durch die Sprache.

„Good-byes hurt the most when the other person’s already gone.“

Seite 62

Also ja, der Schreibstil hat mich wirklich auf dem kalten Fuß erwischt. Genau dieses Gefühl hatte ich auch schon, als ich das Buch zum ersten Mal auf Deutsch gelesen habe (das war letzten Sommer). Ich habe eben erwähnt, dass ich es toll finde, wie Angie Thomas die zwei Welten von Starr miteinander vereint. Gleichzeitig zeigt sie aber auch mit den Unterschieden in der Sprache der Protagonistin die große Kluft, die Starr jedes Mal überschreiten musste, wenn sie zur Schule oder zu ihren Schulfreunden gegangen ist.

„I can’t change where I come from or what I’ve been through, so why should I be ashamed of what makes me, me? That’s like being ashamed of myself.“

Seite 354

Die Handlung

Von der Handlung kann ich hier wirklich nur schwärmen, genau wie auch letztes Jahr schon. Angie Thomas hat dieses sehr gesellschaftskritisches Thema sehr feinfühlig umgesetzt und ich bewundere den Mut, dass sie sich als amerikanische Autorin trotzdem getraut hat, das Buch zu veröffentlichen.

„Sometimes the shit just happens, and one day you realize there’s a leader among you and your friends and it’s not you.“

Seite 96

Die Thematik des Buches ist sehr wichtig und auch noch immer brandaktuell, trifft aber gleichzeitig bei sehr vielen auch auf einen wunden Punkt, zumindest bin ich davon überzeugt. Und ich denke auch, dass es genau das ist, was die Geschichte rund um Starr so besonders macht. Man sieht mal die andere Seite der ganzen Geschehnisse rund um das Thema Police brutality. Während in den Nachrichten nämlich oft von den Verschulden des Opfers die Rede ist um die Tat zu rechtfertigen, ist Starr eine Augenzeugin und weiß aus nächster Nähe, was wirklich passiert ist – sie lässt sich nicht von der ganzen Propaganda der Polizei und der Presse eines Besseren belehren, denn sie weiß, was sie gesehen hat.

„Funerals aren’t for dead people. They’re for the living.“

Seite 107

Nicht so gut hingegen fand ich, dass das Buch an einigen Stellen wirklich sehr heftig gekürzt wurde. Besonders zum Ende hin wurden teilweise einige Wochen übersprungen, die im Original noch beschrieben wurden, wodurch einfach zwischendurch auch der Zusammenhang ein bisschen fehlt.


Die Charaktere

Starr war mir allein schon aufgrund ihres Slangs sympathisch, aber auch, weil sie sich nicht so einfach unterkriegen lässt. Sie hat Selbstzweifel, das schon, aber das ist denke ich auch normal in ihrer Situation. Auch ihre Reaktionen in bestimmten Szenen hat mir sehr gut gefallen. Sicherlich hätten viele Autoren den Protagonisten so eines Buches zum großen Helden der Story gemacht, und somit zu sehr übertrieben. So war das hier gar nicht – ich konnte Starrs Verhaten komplett nachvollziehen und es fühlte mich so an, als wären ihre Reaktionen völlig authentisch und keineswegs überzogen gewesen. Auch wenn ich da zum Glück nicht aus eigener Erfahrung mitreden kann.

„Sometimes you can do everything right and things will still go wrong. The key is to never stop doing right.“

Seite 132

Khalil fand ich ebenfalls sehr gut umgesetzt. Zwar stirbt er beinahe direkt am Anfang des Buches, aber trotzdem wird immer mehr über ihn und seine Vergangenheit aufgedeckt, sodass er mir sofort sympathisch war. Ich bin nämlich der Meinung, dass Erinnerungen mehr über einen Charakter aussagen als dessen Taten. So war für Starr und auch für mich von vornherein klar, dass er unmöglich ein typischer Gangbanger und Drogendealer war (ob sich diese Vermutungen bestätigt haben, werde ich hier nicht weiter ausführen, um nicht zu spoilern), sondern dass sein Verhalten einen bestimmten Grund haben musste.

„Brave doesn’t mean you’re not scared, Starr,“ she says. „It means you go on even though you’re scared. And you’re doing that.“

Seite 271

Auch alle anderen Charaktere waren sehr gut umgesetzt, sodass ich hier wirklich nichts zu bemängeln habe.


Fazit

Das Buch eignet sich wirklich sehr gut für den Englischunterricht, da den Schülern so nicht nur die englische Sprache ein bisschen nähergebracht wird, sondern auch, weil die Thematik so unfassbar wichtig und feinfühlig überbracht wurde.

Beinahe ganz am Ende ist mir übrigens noch ein Zitat von Prof. Dr. Christopher Ribbat ins Auge gefallen:

„It’s a novel that’s entertaining and political at the same time. And that I think, is a really spectacular feat.“

Seite 368

Das kann ich so unterschreiben. Also bitte, bitte, bitte, lest das Buch – nur eben nicht in der gekürzten Ausgabe.


Meine Bewertung

Gestaltung: 2/5 ⭐

Erzählstil: 3,5/5 ⭐

Handlung: 4/5 ⭐

Charaktere: 5/5 ⭐


Gesamt: 3,5/5 ⭐


Liebe Grüße,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s