Kreatives Schreiben: Methode – »Ausblick«

Heute kommt erneut eine Methode zum Thema Kreatives Schreiben. Aber seid gewarnt: Diese hier wird etwas persönlicher, wenn auch verpackt in dichterische Freiheit, sodass die Bedeutung eurer Worte immer versteckt bleibt.

Ich weiß, ich mache es geheimnisvoll, deshalb sage ich euch einfach mal, was zu tun ist: Lege einen leeren Zettel vor dich und schnapp dir einen Stift. Jetzt schreibst du ganz spontan fünf Begriffe auf, die dir zum letzten Jahr, Monat oder zur letzten Woche einfallen. Je kleiner der Zeitraum, desto schwieriger wird die Übung für dich selbst. Aus diesen fünf Begriffen suchst du dir nun ganz intuitiv einen aus. Verlasse dich auf dein Gefühl und denke nicht darüber nach, das ist ganz wichtig für diese Übung. Diesen Begriff nimmst du als Thema für die nächsten fünf Wörter, die du aufschreibst. Auch das muss wieder spontant geschiehen. Wenn du also beispielsweise den Begriff Beruf ausgesucht hast, schreibst du dazu fünf Begriffe auf, die dir dazu einfallen. Das gleiche wiederholst du nun immer wieder, bis du vier Mal fünf Begriffe aufgeschrieben hast. Merkst du schon, wie du immer tiefer in eine bestimmte Richtung gehst und in deine innersten Gefühle eintauchst?

Bevor es mit dem nächsten Schritt weitergeht, ein kleines Beispiel. Dabei handelt es sich nicht um die Blöcke, die ich selbst bei der Übung genommen habe, denn diese hier habe ich mir gerade völlig frei ausgedacht, ohne dabei eine persönliche Verbindung zu haben.

Erster Block zum Thema 2019:

  1. Schule
  2. Urlaub
  3. Freunde
  4. Familie
  5. Klimawandel

Zweiter Block zum Thema Urlaub:

  1. Ferien
  2. Sommer
  3. Meer
  4. Familie
  5. Süden

Dritter Block zum Thema Sommer:

  1. Italien
  2. Hitze
  3. Schwimmen gehen
  4. Freude
  5. Wandern

Vierter Block zum Thema Hitze:

  1. Schwitzen
  2. Kopfschmerzen
  3. Sonnenbrand
  4. Abkühlung
  5. Eisessen

Lese dir die Wörter nun alle noch einmal genau durch und fühle dich in das Jahr 2019 zurück. Gehe in Gedanken näher auf die Punkte ein, auf die du dich am meisten konzentriert hast.

Jetzt schreibst du ein Gedicht mit folgender Struktur:

  1. Vers: ein Ort
  2. Vers: was tut das lyrische Ich an diesem Ort?
  3. Vers: Frage oder Vergleich zum Bisherigen
  4. Vers: ein Detail an diesem Ort auswählen (etwas Sichtbares)
  5. Vers: das Detail heranzoomen und Detail im Detail scharfstellen
  6. Vers: eine Aussage / ein Fazit
  7. Vers: das gleiche wie Vers 1
  8. Vers: das gleiche wie Vers 2

Info: In Vers 7 und 8 werden die ersten beiden Verse des Gedichts wortwörtlich wiederholt. Der Ort muss nicht unbedingt ein existierender Ort sein, er kann frei ausgedacht sein. Die einzelnen Verse müssen sich nicht zwingend reimen.

Verpacke deine Worte in Metaphern, die für die Gefühle stehen, die du beim Schreiben fühlst. Fasse die einzelnen Verse so kurz wie möglich, schreibe keine langen Sätze. Sei dir bewusst darüber, dass niemand das Gedicht so verstehen kann wie du es verstehst. Niemand weiß, welche Wortwahl für dich selbst eine Metapher ist, für andere aber nur eine Aussage. Hinter deinem Gedicht kann sich alles verbergen.


Beispiel für ein Gedicht:

Zu Hause

Ich bin mittendrin und doch nur stiller Beobachter

Wie lange schon bin ich hier ohne etwas zu tun?

Eine glückliche Familie am Feiern

Zwei Mädchen, die still danebenstehen

Sie sind nicht glücklich

Zu Hause

Ich bin mittendrin und doch nur stiller Beobachter


Jetzt seid ihr an der Reihe! Postet eure Gedichte in die Kommentare, wenn ihr wollt. Ihr könnt euch gegenseitig Feedback geben, aber achtet darauf, dass ihr nur einen einzigen wohlmeinenden Satz schreibt, der aussagt, was das Gedicht in euch ausgelöst hat.

Ich freue mich auf eure eigenen Werke!

Eure Lara

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