Rezension: »Die Nebel von Avalon« von Marion Zimmer Bradley

Eigentlich bin ich mehr der Typ, der viel Fantasy gemischt mit ebenso viel Romantik liest, und auch Young Adult gegenüber bin ich überhaupt nicht abgeneigt. Trotzdem musste ich „Die Nebel von Avalon“ mitnehmen, als es mir im Bücherregal meiner Oma aufgefallen ist.


Inhalt

Im Werden und Vergehen einer Zeit entbrennen Kämpfe, werden Helden geboren und geheimnisvolle Dinge wirken im Verborgenen. Aus ihnen entstehen die Märchen, Legenden und Sagen. Jede Generation erzählt und denkt sie aufs Neue und sucht zu ergründen, wo die Wahrheit liegt. Aber die Wahrheit hat viele Gesichter, sagt Morgaine, die Hohepriesterin von Avalon – auch Herrin vom See genannt – und berichtet die wahre Geschichte von König Artus, ihrem Bruder, von den Rittern seiner Tafelrunde, allen voran Lancelot, und von den Mysterien diesseits und jenseits dieser Welt.

Wohl zum ersten Mal erzählt eine Frau diese wundersame Geschichte, zeigt die christlich stilisierten Heldengestalten in einem neuen Licht und erinnert daran, daß einst Frauen die Macht in den Händen hielten: Sie lenken im Verborgenen das Geschick ihrer Zeit und setzen den König der Legenden auf den Thron, geben ihm das heilige Schwert Excalibur, mit dem er die Sachsen für immer vertreibt.

Aber es geht um mehr bei diesem Kampf um Leben oder Tod. Rituale, Magie, visionäre Einsichten, Versagen und Größe fordern die Menschen heraus, die um den richtigen Weg des Glaubens und des Lebens ringen. In der Enthüllung des Mysteriums vom Heiligen Gral erfüllt sich das Schicksal von König Artus und seinen Rittern. Es ist Höhepunkt und Abstieg zugleich, denn Avalon, die Insel der Apfelbäume, die alte Welt der Naturreligion, versinkt unwiederbringlich in den Nebeln der Zeit. Der letzte Merlin Britanniens, der bucklige Barde Kevin, rettet den Christen dieses Mysteriums, wie es die Druiden des Sonnengotts einst beim Untergang von Atlantis taten. Blindheit und Wahn regieren die Welt, die sich dem männlichen Gott, dem Kreuz und dem Schwert verschreibt und das Weibliche, das gebärende Element, als sündig und heidnisch verschmäht. Und so entschwindet die Herrin und Hohepriesterin als Hüterin des Kessels, als Bewahrerin der Einheit und Mitte ins Nebelreich. Morgaine wird zur Fee, und das dunkle Mittelalter beginnt …

Marion Zimmer Bradley schuf ein gewaltiges Epos in der großen Tradition der Ritterromane, die anhand der Genealogie und des Schicksals großer Helden ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte erzählen. Aber wohl zum ersten Mal sind es nicht nur die Ritter, sondern ebensosehr faszinierende Frauen, die das Geschehen bestimmen. In diesem Roman geht es nicht nur um Zeitkolorit oder um das Heraufbeschwören vergessener Ideale, sondern um Einblicke in geistige Zusammenhänge und um das Erhellen eines unverständlichen, märchenhaften Geschehens. Eifersucht, Kampf und Ängste, Hass und Liebe, Lust und schmerzliche Loyalität, Fanatismus und Leidenschaft, Magie, Macht und Ehrgeiz setzen folgenschwere Ereignisse in Gang und bestimmen das Leben der Menschen. So entstehen unlösbare Konflikte und Beziehungen – sei es im paradiesischen Reich der Feen oder in Camelot, an König Artus‘ Hof, bei den Königsriten auf der Dracheninsel oder auf der einsam düsteren Burg Tintagel in Cornwall …, immer geht es um das packende Schicksal von Menschen, die sich im Sog der Ereignisse bewähren oder scheitern. Im Strom des großen Geschehens ist es ihre Zerrissenheit und Unsicherheit, ihr Denken, Fühlen und Handeln, dem man mit atemloser Spannung folgt.

„Die wunderbarste Nach-Erzählung der Sage um König Artus, die ich je gelesen habe. Absolut unwiderstehlich.“

Isaac Asimov über „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley

Allgemeine Informationen

Titel: Die Nebel von Avalon

Autorin: Marion Zimmer Bradley

Genre: Mythen / Sagen, Urban Fantasy

Format: Hardcover

Seiten: 813

Verlag: S. Fischerverlage

Reihe / Band: Avalon-Saga / Band 1

gelesen: 08.12.19 bis 15.01.20


Über die Autorin

Marion Zimmer Bradley wurde am 3. Juni 1930 in Albany, New York, geboren und starb mit 69 Jahren am 25. September 1999 in Berkeley, Kalifornien, an den Folgen eines Herzinfarktes. Sie wurde mit ihren Fantasy-Romanen weltweit berühmt und verfasste in den 1960er Jahren zusätzlich Groschenhefte, Scheuerromane, Lebensbeichten, Krimis und Softpornos unter den Pseudonymen Lee Chapman, John Dexter, Miriam Gardner, Valerie Graves, Morgan Ives und John J. Wells.

Quelle: Wikipedia


Meine Meinung

Das Cover

Ehrlich gesagt war ich vom Cover her nicht sofort angetan vom Buch. Ich finde, es sieht einfach zu alt aus, als dass ich es mit einem guten Buch verbinden würde. Das gleiche Problem hatte ich bereits bei einigen Klassikern, die ich gelesen habe.

Ansonsten finde ich, dass die Abbildung auf dem Cover sehr gut zur Geschichte selbst passt.

„Ein Hund, der noch ein halber Wolf ist, wird besser gegen die Wölfe kämpfen als jeder andere Hund.“

Auszug aus „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, Seite 41

Der Erzählstil

Der Erzählstil ist wahrscheinlich nicht für jeden etwas, mich konnte er aber sofort begeistern. Ich hätte erst anhand der Aufmachung des Buches gedacht, der Schreibstil hätte mehr etwas von einem Klassiker, wie beispielsweise „Stolz und Vorurteil“ oder „Vom Winde verweht“, aber so ist es überhaupt nicht. Es ist recht modern geschrieben, aber trotzdem noch so, dass ich nie überlegen musste, in welcher Zeit es spielt, nämlich in der Zeit unmittelbar vor dem Mittelalter. Die Sprache der Charaktere wurde hervorragend daran angepasst und trotzdem gab es einige Szenen, die in typischen Klassikern niemals aufgetaucht wären, weil sie zu „erotisch“ gewesen wären (es war nie wirklich erotisch, aber es gab schon einige Beschreibungen, die nicht ganz jugendfrei waren).

Leider bin ich aber trotzdem durch den sehr anschaulichen Schreibstil nicht sehr schnell vorangekommen und manchmal hat sich die Geschichte auch etwas in die Länge gezogen, was aber im Nachhinein weniger schlimm ist, weil ich weiß, dass diese Stellen einfach zum Buch dazugehören und es auch ausmachen.

„Wir und nur wir können Leben um Leben das zu Ende führen, was wir in Bewegung gesetzt, und den Schaden wiedergutmachen, den wir angerichtet haben.“

Auszug aus „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, Seite 570

Die Handlung

Was die Handlung des Buches betrifft, bin ich immer noch etwas zwiegespalten. Es ging sehr unerwartet los, da zuerst aus der Sicht von Morgaines Mutter Igraine erzählt wurde, die ich im Übrigen sehr sympathisch fand. Im Laufe der Geschichte kamen immer mehr Protagonisten dazu: erst Igraine, dann Morgaine, Viviane, Gwenhwyfar, Morgause, Gwydion und noch weitere. Dadurch wurden immer wieder neue Schatten auf die einzelnen Geschichten geworfen und der Leser hatte einen guten Überblick darüber, was andere Charaktere wohl von den Handlungen anderer Charaktere gehalten haben. So kam es beispielsweise vor, dass ich ein bestimmtes Geschehnis einfach atemberaubend fand, im nächsten Kapitel aber schon eine andere Sicht auf die Dinge hatte.

Insgesamt gibt es sehr viele Handlungsstränge gleichzeitig, was aber nie verwirrend war. Eher im Gegenteil, es hat die Geschichte sehr präzise durchdacht und sehr authentisch wirken lassen und auch ein großer Spannungsfaktor wurde somit aufgebaut.

Natürlich ging es in dem Buch weniger um Spannung als um die Nacherzählung der Sage um König Artus. Trotzdem wurde ich als Leserin immer wieder hin- und hergerissen, konnte komplett in die perfekte Welt Avalons und die unperfekte Welt außerhalb eintauchen und auch bei den Feen war ich ein paar Mal zu Besuch.

Besonders gefallen hat mir, dass das Buch nicht nur eine schöne Geschichte war, sondern auch eine wunderschöne Nacherzählung der Sage um König Artus. Es ging sowohl um Intrigen, die Ausbreitung des Christentums, die Verdrängung aller „heidnischer“ Bräuche, Familie, Liebe und Trauer. Es war alles dabei, was in einem Buch da sein muss, bis hin zum letzten Punkt. Dadurch, dass es sich eben auch um eine Nacherzählung handelt, wirkte alles sehr wahrheitsgemäß, nachvollziehbar und verständlich und auch unglaublich informativ.

Das Buch konnte mich also allein schon deshalb überzeugen, weil ich nach dem Lesen um Welten schlauer geworden bin als ich es vorher war.

Trotzdem gab es auch einen Aspekt, der mir nicht gefallen hat und der gar nicht mal so unwichtig ist. Es ging nämlich über viele 100 Seiten gefühlt immer um das gleiche Thema. Dadurch wurde es manchmal sehr langweilig und ich musste sehr kämpfen, das Buch weiterzulesen.

Insgesamt überwiegen die positiven Aspekte deutlich, was auch meine sehr positive Einstellung zum Buch selbst verdeutlicht.

„Sprich nie von dem Brunnen, aus dem du nicht trinkst!“

Auszug aus „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, Seite 599

Die Charaktere

Da es sich bei dem Buch mehr um eine Nacherzählung als um Prosa handelt, waren die Charaktere auch nicht allzu tiefgründig. Trotzdem gab es einige Persönlichkeiten, die ich sofort ins Herz geschlossen habe, wie beispielsweise Morgaine, Viviane und Artus. Dabei werden gerade diese drei nicht immer von ihren besten Seiten gezeigt, und besonders Artus hatte es wohl nicht leicht in der Geschichte.

Morgaine war die Haupterzählerin der Geschichte. Sie hatte zwischendurch Passagen, in denen aus ihrer Sicht aus der Ich-Perspektive erzählt wurde, was den anderen Charakteren und Protagonisten verwehrt blieb. Dadurch konnte ich sie am Ende des Buches wahrscheinlich am allerbesten verstehen. Ich konnte ihre Handlungen und ihre Charakterweise gut nachvollziehen und war dankbar, dass sie eine der wenigen Frauen in der Geschichte war, die sich nicht von den Männern haben einschüchtern lassen. Auch ihre „böse“ und „heidnische“ Seite fand ich sehr interessant und hat ihren Charakter nur noch beliebter bei mir gemacht.

Gwenhwyfar war im Grunde genommen ein einfältiges Mädchen, das viel zu fromm und unschuldig dargestellt wurde. Außerdem erweckte sie zwischendurch immer den Anschein, recht intelligent zu sein, dann wiederum redete sie solch ein dummes Zeug, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, was ich von ihr halten sollte.

Viviane, Igraine und Morgause waren sehr unterschiedliche Schwestern, die alle einen eigenen Charakter und andere Vorlieben und Vorsätze hatten. Viviane, die Hohepriesterin und Herrin vom See, die Morgaine erzogen hat, erschien mir manchmal wie eine liebende Mutter, Tante und Schwester, dann jedoch wieder als eine gefühlskalte Priesterin, die kein Erbarmen hat und selbst dann nicht haltmacht, wenn sie ihrer Familie mit ihrem Verhalten wehtut. Igraine hatte keinen allzu großen Part in der Geschichte und kam nur relativ weit am Anfang vor, war mir aber in den Kapiteln aus ihrer Sicht sehr sympathisch. Leider wurde sie dann jedoch immer unsympathischer, und zwar sobald die Kapitel nicht mehr aus ihrer Sichtweise erzählt wurden. Sie hat Morgaine nach der Geburt von Artus einfach nicht mehr beachtet und deshalb konnte ich sie einfach irgendwann nicht mehr verstehen. Morgause ist wohl diejenige von den drei Schwestern, die sich am meisten von den anderen beiden unterschieden hat. Sie hatte ihren eigenen Kopf, war klug, scharfsinnig und mütterlich, aber auch zu heftigen Intrigen fähig. Außerdem war sie nie wirklich treu, was ich ihr aber nicht verübeln konnte, wenn ich bedenke, mit wem sie verheiratet wurde.

Artus habe ich von Anfang an liebgewonnen und auch die ganzen Skandale und Intrigen sowie seine Fehler und Schwächen haben daran nichts geändert. Zwar muss ich zugeben, dass er wahrscheinlich nicht der perfekte König oder Gemahl war und dass einige seiner Handlungen einfach merkwürdig waren, aber irgendwie konnte ich ihn doch immer verstehen und hatte Mitleid mit ihm, wenn etwas passiert ist, das ihm naheging.

Alle Charaktere in der Geschichte waren sehr einfallsreich, allerdings muss ich gestehen, dass ich manchmal mit den Namen durcheinanderkam, besonders was die Ritter Gawain, Uwain, Uriens, Uther, Gareth, Galahad, Gwydion, Accolon und Avaloch anging. Diese Namen waren mir alle einfach viel zu ähnlich, wodurch ich oft verwirrt wurde.

„Die Menschen schaffen die Welt, die uns umgibt, durch das, was sie denken, jeden Tag neu.“

Auszug aus „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, Seite 7

Fazit

„Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley war eine komplett neue Leseerfahrung für mich. Die Geschichte hat es wirklich in sich, es ist von allem etwas dabei und dabei ist alles so detailreich und großartig beschrieben, dass ich das Gefühl habe, jetzt ein gutes Stückchen intelligenter zu sein.


Bewertung

Cover: 2,5/5 ⭐

Erzählstil: 4,5/5 ⭐

Handlung: 4/5 ⭐

Charaktere: 4/5 ⭐


Gesamt: 4/5 ⭐


Ich muss gestehen, eine so ausführliche und lange Rezension habe ich noch nie geschrieben. Aber dieses Buch ist einfach so unvergesslich gewesen, dass ich so viel zu sagen hatte und trotzdem habe ich einige Dinge rausgekürzt, die ich gerne noch aufgelistet hätte. Dann hätte ich aber spoilern müssen, von daher bin ich immer gespannt auf Kommentare, falls ihr das Buch schon gelesen habt, damit ich mich ein bisschen mit euch darüber austauschen kann!

Eure Lara

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