Kreatives Schreiben: Allgemeine Informationen und erste Erkenntnisse

Zu meinem Geburtstag im Dezember habe ich von meinem Vater einen Gutschein zu einem Workshop für Kreatives Schreiben bekommen. Dieser fand letzte Woche im schönen Hamburg statt und ich möchte euch jetzt mal versuchen zu erklären, was ich dort alles gelernt habe.

Der Workshop fand bei Tamara Jarchow statt, Dozentin für virtuelle Kommunikation und kreatives Schreiben.


Was ist Kreatives Schreiben?

Kreatives Schreiben gibt einem Impulse, die dabei helfen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu erkennen, wer man ist. Oder wie Jürgen Kugele schreibt:

„Werde der, der du bist, werde wesentlich, erkenne dich selbst, entwickle dein ganzes Potenzial.“

Jürgen Kugele, 2009, „Werde, der du bist!“

Es geht sowohl um unsere Wahrnehmung als auch um die Prozessanalyse. Dies klingt jetzt so wissenschaftlich, ist aber im Grunde genommen gar nicht so schwierig zu verstehen.

Von Natur aus ist jeder Mensch mit seiner eigenen Wahrnehmung darauf ausgelegt, sich selbst zu bestätigen. Natürlich lenken wir unsere Wahrnehmung selbst in irgendeine Richtung, aber dies geschieht unbewusst, weshalb es oft schwierig ist, unser wirkliches Selbst kennenzulernen.

Bei der Prozessanalyse handelt es sich um die Dokumentation der jeweiligen Schreibeinheit. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kreatives Schreiben die Achtsamkeit seiner selbst fördert und somit auch Auswirkungen auf den Schreibenden hat. Durch eine Prozessanalyse werden Entwicklung und Ergebnisse näher betrachtet.


Regeln für Kreatives Schreiben

Es ist besonders wichtig, dass man weder sich selbst noch andere für das, was geschrieben wurde, bewertet. Ebenso wenig ist eine Deutung zugelassen, da der Prozess beim Kreativen Schreiben wichtiger ist als das Produkt. Das heißt, der Vorgang des Schreibens ist insgesamt wichtiger als das, was dabei herauskommt.

Sollte man Kreatives Schreiben in einer Gruppe behandeln, muss für jeden selbstverständlich sein, dass der Autor selbst entscheidet, was und ob er etwas aus seinem Text vorliest. Im Falle, dass der Autor etwas vorliest, wird dies streng vertraulich gehalten. Das heißt, dass niemand, der nicht in der Gruppe dabei war, irgendetwas von dem erfährt, was vorgetragen wurde. Natürlich gilt dann auch hier wieder die Regel, dass der Autor selbst sich nicht für seinen Text schämen soll. Es ist unerlässlich, dass man aufhört, den eigenen Text schlechter zu machen als er wirklich ist. Ich weiß selbst, dass das leichter gesagt als getan ist, aber wenn man einmal über seinen eigenen Schatten springt, merkt man, wie gut es sich anfühlt, mal unvoreingenommen auf das von sich selbst Geschriebene zu sehen. Genauso wichtig ist es, dass man das Thema niemals verfehlen kann. Beim Kreativen Schreiben ist man nicht in der Schule oder auf der Arbeit, wo bestimmte Dinge von einem erwartet werden, die auf eine genaue Art und Weise zustande kommen müssen.


Den eigenen Text zum Leben erwecken

Als Hobby-Autorin weiß ich selbst, wie schnell man das Gefühl hat, der Text sei nicht gut genug und die Wörter müssten anders klingen, um das auszudrücken, was man eigentlich mit dem Text sagen will. Lasst solche Zweifel einfach hinter euch und holt euch eine oder mehrere Personen dazu, um sie euren Text laut vorlesen zu lassen. Ich versichere euch, dass diese Übung ganz unerwartete Emotionen bei euch auslösen wird, weil ihr ausnahmsweise mal nicht als Autor des Textes handelt, sondern als Zuhörer. Natürlich gilt auch hier wieder die Regel, dass man selbst entscheidet, was man vortragen oder in die Hände anderer geben will. Und bevor ich den Workshop gemacht habe, hätte ich mich mit Sicherheit niemals getraut, persönliche Texte in die Hände eines anderen zu geben und ihn diese vorlesen zu lassen. Aber ich kann euch nur ans Herz legen, einmal über euren eigenen Schatten zu springen. Es müssen ja nicht gleich persönliche Texte wie Tagebucheinträge oder so sein, auch eine Geschichte oder ein Gedicht, etwas, woran ihr gearbeitet habt und das euch wichtig ist, kann diese Gefühle auslösen. Es lässt euch selbst zufriedener mit dem werden, was ihr geschaffen habt.

Oft hilft es auch, den eigenen Text selbst laut vorzulesen. Das müsst ihr nicht vor versammelter Mannschaft oder so tun, ihr könnt ganz allein sein und sicher, dass euch keiner hören kann. Lest eure Tagebucheinträge, Geschichten oder Gedichte, das, was ihr geschrieben habt, für euch selbst laut vor und spürt die Gefühle nach, die ihr beim Schreiben hattet.

Einen wichtigen Punkt muss ich aber ganz dringend noch erwähnen: Solltet ihr jemand anderem euren Text anvertrauen, ihn diesen laut vorlesen lassen, selbst vorlesen oder ihm einfach so zum stillen Lesen geben, klärt diesen darüber auf, keine Wertung zu geben! Ich weiß, dass ich selbst damit meine Probleme habe und früher habe ich ganze Textausschnitte aus einem Buch meinen Freundinnen gegeben, damit sie mir sagen können, wie sie ihn finden und ob er ihnen gefällt. Tut so etwas nicht, denn damit lasst ihr eure Selbstzweifel wieder zu! Gebt denjenigen, denen ihr euren Text anvertraut, stattdessen einen Zettel mit, auf dem sie die Gefühle ausdrücken sollen, die sie beim Lesen oder Zuhören des Textes gefühlt haben. Das hilft dir selbst mehr weiter als jede auf die Qualität des Geschriebenen beschränkte Kritik.

Solltet ihr selbst einen Text bekommen oder zuhören, achtet darauf, dass der Autor des Geschriebenen immer Recht hat. Es ist sein persönlicher Text, er gehört ihm allein und niemand hat das Recht dazu, ihn irgendwie in einer Art und Weise zu bewerten (ich weiß, dass das unlogisch klingt, weil ich selbst ja auch Rezensionen schreibe, aber dazu komme ich später noch mal). Der Autor, sei es du oder irgendeine andere Person, darf sich gegenüber einer Kritik auch niemals rechtfertigen. Das ist gar nicht nötig, weil der Autor selbst entscheiden kann, was er von dem Feedback halten soll. Es ist ihm selbst überlassen, ob er darauf antwortet oder nicht. Genauso wichtig ist, dass auch der Leser oder Zuhöhrer immer Recht hat. Jeder hat eine eigene Persönlichkeit und dadurch eigene Interpretationen von bestimmten Texten, weshalb auch ein Autor nicht sagen kann, dass ein Leser das komplett falsch verstanden hat.


Wie sind Kritiken am Text und Rezensionen miteinander vereinbar?

Vielleicht habt ihr die Antithetik in meinen Worten zuvor bemerkt. Doch auf den zweiten Blick erscheint alles gar nicht mehr so unlogisch. Wenn ich von Kritik gesprochen habe, meinte ich ein Feedback, das sich auf die subjektive Wahrnehmung bezieht und nicht auf die Qualität irgendeines Textes. Mit subjektiver Wahrnehmung ist gemeint, dass man sich selbst fragt, was der Text in einem ausgelöst hat und welche Gedanken oder Assoziationen man dazu bekommen hat. Außerdem ist Feedback natürlich immer wohlmeinend formuliert.

In einer Rezension ist es ganz ähnlich. Man schreibt nicht einfach „Das Buch ist schlecht“. Das würde allem widersprechen, was ich vorher aufgelistet habe. Stattdessen betrachtet man in einer Rezension einzelne Aspekte. Ich betrachte beispielsweise immer einzeln erst das Cover, den Erzählstil, die Handlung und die Charaktere. Wenn mir ein Cover nicht gefällt, dann schreibe ich das natürlich auch in die Rezension. Ich sage aber nicht „Das Cover ist hässlich“. Das wäre eine Bewertung, die mir nicht zusteht abzugeben, weil jeder einen anderen Geschmack hat. Stattdessen sage ich „Das Cover gefällt mir nicht so gut“ oder „Das Cover gefällt mir überhaupt nicht“. Erkennt ihr den Unterschied? Im ersten Fall gebe ich eine Aussage ab, die nicht bestritten werden kann. Sie lässt keine anderen Meinungen zu und steht scheinbar fest. Im zweiten Fall jedoch spreche ich von mir selbst und meiner eigenen subjektiven Wahrnehmung.


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag ein bisschen fürs Kreative Schreiben begeistern und habe euch neugierig gemacht. Vielleicht habt ihr ja auch schon selbst Erfahrungen mit diesem Thema gemacht. Ich würde mich wirklich freuen, mal zu hören, was ihr so davon haltet!

Eure Lara

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