Rezension: »Love Letters to the Dead« von Ava Dellaira

Endlich, endlich kann ich wieder auf meinen alten Blog von vor zwei Jahren zugreifen. Somit kann ich auch die Rezensionen von damals auf diesen hier übertragen. Das heißt: einige der in nächster Zeit folgenden Rezensionen sind schon älter, die Bücher habe ich irgendwann vor zwei Jahren gelesen.


Inhalt

Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie einen Weg zurück ins Leben …


Bibliographische Daten

Titel: Love Letters to the Dead
Autorin: Ava Dellaira
Übersetzung: Katarina Ganslandt
Genre: Young Adult
Format: Hardcover
Seiten: 407
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16314-6
Sprache: Deutsch
gelesen: 25.11.19 bis 07.12.19

Erster Satz: »Lieber Kurt Cobain, wir haben gerade Englisch und sollen einen Brief an eine berühmte Persönlichkeit schreiben, die schon verstorben ist.«


Meine Meinung

Das Buch hat mich sofort angesprochen, als ich es zwischen den Mängelexemplare liegen gesehen habe. Es wirkt, handle es sich bei der Geschichte rund um Laurel um eine Traumwelt, aber auch der Aspekt, dass das gesamte Buch in Briefen geschrieben ist, kommt durch den Titel und die gewählte Schriftart stark zum Ausdruck. Das Cover allein hat schon etwas Sentimentales, das einen als Leser*in mehr von der Geschichte erhoffen lässt, wie beispielsweise große Gefühle und auch ganz viel Ehrlichkeit.

Auch der Schreibstil der Autorin hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Aneinanderreihung der Sätze wirkt für Briefe wirklich authentisch, lebhaft und irgendwie echt. Da ist nichts, das dem/der Leser*in das Gefühl von etwas Unwirklichem vermittelt. Auch hat Ava Dellaira mit ihrer Wortwahl große Feinfühligkeit gegenüber der Protagonistin Laurel und ihrer traumatischen Vergangenheit bewiesen. Beinahe kommt es einem dadurch so vor, als lese man wirklich richtige Briefe anstelle eines „richtigen“ Buches.

Laurel selbst hat in ihrer Vergangenheit einige sehr traumatische Dinge erlebt, wovon man als Leser*in zunächst nicht viel erfährt. Anfangs weiß man nur, dass ihre Schwester May angeblich Selbstmord begangen hat – und dass Laurel dabei war, als es passierte. Obwohl Laurel sich in ihrem „neuen“ Leben ohne ihre Schwester eher verschlossen verhält und nicht will, dass jemand etwas von ihrer Verwandtschaft zu May erfährt, lässt sie ihre Gedanken in den Briefen frei heraus. Sie fängt nach und nach an, sich in ihren Briefen den Toten anzuvertrauen, die entweder für sie selbst oder für ihre Schwester große Vorbilder waren.

Durch das dadurch entstehende Selbstvertrauen traut sie sich letztlich auch, offener gegenüber den noch lebenden Menschen zu sein, mit denen sie Kontakt hat. Dazu gehören natürlich ihre neuen Freundinnen, ihr Schwarm Sky, und auch ihre Familie. Besonders bemerkenswert finde ich, dass die Autorin es hier geschafft hat, Laurel wie einen realen Menschen auftreten zu lassen. Nichts wirkte irgendwie überzogen oder übertrieben, es gab keinen einzigen Moment, an dem ich das Gefühl hatte, das Buch würde sich in die Länge ziehen oder ginge zu schnell voran.

Von den Charakteren habe ich natürlich besonders Laurel als Protagonistin schnell in mein Herz geschlossen. Sie war mir sehr sympathisch, was mitunter auch daran liegt, dass sie sehr einzigartig ist. Auch konnte ich mir mit der Zeit auch May immer besser vorstellen, obwohl man sie in dem Buch ja nie wirklich „erlebt“. Laurels neuen Freundinnen Hannah und Natalie konnte ich nicht sofort die gleiche Sympathie entgegenbringen, aber besonders ab der Hälfte wurden die beiden immer freundlicher und ich konnte sie auch endlich verstehen.

Fazit

Zusammengefasst ist »Love Letters to the Dead« ein wunderschönes, trauriges, emotionales und nervenaufreibendes Buch, das große Gefühle und viele Wahrheiten in sich beherbergt. Es ist nichts für schwache Nerven, da es einige Geschehnisse gibt, die einige Leser*innen triggern könnten, aber Ava Dellaira ist auch mit diesen Themen unglaublich feinfühlig umgegangen. Und beim letzten Brief, den Laurel geschrieben hat, sind mir doch tatsächlich auch die Tränen gekommen.


Zitate

»Auch wenn man meint, alles richtig gemacht zu haben, kann man sich nie sicher sein, was am Ende rauskommt. Manchmal ist von einem Moment zum anderen nichts mehr wie vorher. Wenn Dad früher nach einem Tag auf der Baustelle nach Hause kam, bewunderte ich seine Muskeln und seine Stärke. Jetzt sieht er so müde aus, als wäre er von einem Bulldozer überrollt worden. In unserer Kindheit konnten May und ich auf ihm herumklettern. Jetzt habe ich fast schon Angst, ihn versehentlich anzustupsen, weil sonst vielleicht die ganze in ihm aufgestaute Traurigkeit herausschwappt.«

Seite 44

»Vielleicht ist es ja das, was Liebe bewirkt. Dass ein Leben, ein Mensch oder ein Moment, den man nicht verlieren möchte, einem für alle Ewigkeit erhalten bleibt.«

Seite 162

»Wenn ich ganz ehrlich bin, dann weiß ich nicht, wie ich meiner Schwester verzeihen soll. Ich weiß nicht, wie ich ihr verzeihen soll, weil ich gar nicht das Recht habe, wütend auf sie zu sein. Und ich habe Angst, sie für immer zu verlieren, wenn ich es doch bin.«

Seite 261

»Vielleicht wünscht sich jeder, von jemandem beschützt zu werden oder einen geliebten Menschen beschützen zu klnnen, aber in Wirklichkeit ist das unmöglich. Niemand kann einen anderen wirklich beschützen. Erst recht nicht vor sich selbst.«

Seite 285

»Jedem passieren im Leben Dinge, die nicht fair sind. Entweder sind wir für alle Zeiten deswegen auf irgendjemanden wütend und fühlen uns ungerecht behandelt oder wir entscheiden uns dafür, zu versuchen, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, das Beste daraus zu machen.«

Seite 361

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