Rezension: »Drei Schritte zu dir« von Rachael Lippincott, Mikki Daughtry und Tobias Iaconis

Inhaltsangabe:

Stella ist ein Kontrollfreak: überall to-do-Listen, genaue Pläne und ein strikter Tagesablauf. Sie geht eben gern auf Nummer sicher. Denn nach dem schockierenden Tod ihrer Schwester Abby haben sich ihre Eltern getrennt und könnten es nicht verkraften, auch noch Stella zu verlieren.

Umso frustrierender ist für Stella, dass sie an Mukoviszidose leidet und deshalb ihre Zeit im Krankenhaus verbringen muss, anstatt mit ihren Freundinnen auf Abschlussfahrt zu fahren. Um auch anderen Mukos das Leben (oder vielmehr Sterben) mit ihrer Krankheit zu erleichtern, bloggt sie auf Youtube und stellt ihr eigenes Leben als Muko vor.

Doch als Stella den gutaussehenden und rebellischen Will kennenlernt, gerät ihr strukturiertes Leben völlig außer Kontrolle. Will leidet an B cepacia, einer besonders schlimmen bakteriellen Erkrankung, die für Mukos den Tod bedeutet – denn B cepacia Patienten werden ohne langes Drumherumreden von allen Spenderlisten für eine neue Liste gestrichen. Kein Wunder also, dass Will es satt hat, ständig neue Experimente über sich ergehen zu lassen, wenn wieder mal ein Arzt glaubt, ein Medikament gegen B cepacia gefunden zu haben.

Die Mukoviszidose verlangt von den beiden, dass sie mindestens drei Schritte Abstand voneinander halten – denn eine Ansteckung könnte für den jeweils anderen den Tod bedeuten. Blöd nur, dass Stella sich dafür verantwortlich fühlt, dass Will seine Behandlung durchzieht – denn sie hält überhaupt nichts vom Aufgeben. Dafür weiß sie nur zu gut, wie wichtig es ist, zu kämpfen.

Dabei kommen die beiden sich immer näher und es ist selbst für die Pflegerin Barb zu erkennen, dass die Beziehung zwischen Stella und Will in einer Katastrophe enden wird – denn irgendwann wird einer von ihnen nachgeben und den Schritt machen, der für sie beide tödlich wäre …


Bibliographische Daten

Titel: Drei Schritte zu dir
Autoren: Rachael Lippincott, Mikki Daughtry, Tobias Iaconis
Übersetzung: Nina Frey
Genre: Young Adult
Format: Hardcover
Verlag: dtv


Meine Meinung

Ich muss ehrlich sagen, dass der Schreibstil mich direkt in das Leben von Stella und Will entführt und erst wieder herausgelassen hat, als das Buch zu Ende war. Das Buch ist so unglaublich einfach und schnell zu lesen, aber gleichzeitig so herzzerreißend traurig und dramatisch, dass ich einige Male schon dachte, ich müsse eine Pause einlegen – die ich aber vor lauter Neugierde wie es weitergeht mit Sicherheit nicht überlebt hätte.

Die Autorin hat mit ihrem Schreibstil Stellas und Wills Gefühle so echt rübergebracht, dass ich sogar an einigen Stellen stille Tränen vergießen musste – erst das zweite Mal dieses Jahr beim Lesen. Deshalb ist das Buch auf jeden Fall ein Highlight und etwas ganz Besonderes.

Die Idee des Buches ist erst einmal super kreativ. Gut, das Medikament, das Will ausprobieren sollte, um sein B cepacia in den Griff zu kriegen, war natürlich erfunden, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Aktuell sitzen noch viele Wissenschaftler an einem wirksamen Medikament gegen Mukoviszidose und es ist wirklich zu hoffen, dass bald eins gefunden wird, da es so vielen Menschen das Leben retten würde.

Auch die Umsetzung hat mir unheimlich gut gefallen. Das Thema ist sehr ernst und doch hat Rachael Lippincott es geschafft, mit so viel Leichtigkeit daranzugehen, dass es einem fast schon vorkommt, man wäre selbst Stella und somit von dieser Krankheit betroffen. Man merkt deutlich, dass dieses Leben mit tragbarem Sauerstoffgerät für Stella und Will ganz normal ist, genau wie die vielen sehr ausgedehnten Krankenhausbesuche. Der Tod ist quasi ein präsentes Thema in ihrem Leben, obwohl sie noch so jung sind und so viele Dinge erleben wollen.

Auch die Problematik, die beide Protagonisten mit ihren Eltern haben, wurde im Nachhinein wirklich toll gelöst. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass Wills Mutter ihn tatsächlich so sieht, wie er ist, sondern habe immer das Gefühl gehabt (genau wie Will), sie sehe nur die Krankheit statt ihren Sohn. Letztlich war es dann ja doch ganz anders als ich die ganze Zeit über gedacht hatte, und so konnte ich auch wieder einige Tränen vergießen.

Auch die Sache mit Stellas Eltern hat mich sehr berührt. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie es im Inneren der Eltern zuging, nachdem ihre älteste Tochter gestorben war, denn der Partner hat den anderen natürlich immer wieder an Abby erinnert – womit es eigentlich schon fast beschlossene Sache war, dass sie eine Auszeit brauchen. Besonders bemerkenswert fand ich, dass sie sich dann doch für Stella zusammengerissen haben.

Auch bei der Sache mit Poe musste ich weinen – sowohl im Film als auch im Buch. So eine Dramatik war zwar eigentlich bei diesem schweren Thema des Buchs vorauszusehen, aber damit gerechnet habe ich zunächst trotzdem nicht damit.

Fazit

„Drei Schritte zu dir“ ist ein sehr emotionales, mitreißendes Buch, bei dem es sich wirklich lohnt, sich ein bisschen Zeit zu lassen, um das Geschehene zu verarbeiten. Ich musste noch nie bei einem Buch so viel heulen wie bei diesem.

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