Rezension: »The Hate U Give« von Angie Thomas (deutsche Ausgabe)

Inhaltsangabe:

Starr muss sich für jede Person außer für ihren Freund Chris verstellen. Geht auch gar nicht anders, wenn man nicht herausfinden will, was passiert, wenn seine beiden eigenen Welten mit einem Mal aufeinandertreffen. Denn Starr lebt in zwei Welten statt in einer, wie viele andere Jugendlichen ihrer Altersgruppe vielleicht. In dem Slum Garden Heights, der ihr Zuhause darstellt und in dem überwiegend Schwarze leben, hat sie einen Slang, wie die typischen Ghetto-Kids. An ihrer überwiegend weißen Privatschule jedoch kann sie sich so nicht zeigen. Das würde ihrem Ruf schaden, allein schon wegen ihrer Hautfarbe „cool“ zu sein. Aber was soll man auch machen, wenn außer einem selbst nur eine einzige andere dunkelhäutige Person an deiner Schule ist? Umso schlimmer ist es für sie, dass ihr Freund Chriss weiß ist – wenn ihr Vater davon erfahren würde, wäre Starr so gut wie tot, das steht fest. Chris ist der einzige von ihrer Schule, der ihr wahres Ich kennt, und so fühlt sie sich in seiner Nähe immer am wohlsten.

Doch als sie zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal zu einer Party in Garden Heights geht, trifft sie Khalil wieder, den sie fast schon seit ihrer Geburt kennt und der trotz des mittlerweile immer weniger werdenden Kontakts immer noch ihr bester Freund ist. Als Schüsse fallen und Starr und Khalil flüchten, werden sie von einem weißen Polizisten angehalten, der sie auffordert, aus dem Auto zu steigen.

Es kommt, wie es kommen muss: Khalil macht aus Sorge um Starr eine einzige falsche Bewegung, um sich zu vergewissern, ob mit ihr alles okay ist, und schon lösen sich Schüsse aus der Pistole des Polizisten.

Drei Schüsse, die Starr nie wieder vergessen wird, denn sie haben Khalil das Leben genommen.

Starr weiß, dass sie genau zwei Möglichkeiten hat: entweder sie hält die Klappe, oder sie erhebt ihre Stimme für die Öffentlichkeit, um für das Recht der gesamten schwarzen Bevölkerung Amerikas zu kämpfen – und für Khalil. Aber ist sie dazu wirklich mutig genug?


Bibliographische Daten

Titel: The Hate U Give
Autorin: Angie Thomas
Übersetzung: Henriette Zeltner-Shane
Genre: Young Adult
Format: Taschenbuch
Verlag: cbt


Meine Meinung

Die Art, wie die Geschichte erzählt wird, hat mich von Anfang an umgehauen und auch erst einmal auf dem falschen Fuß erwischt. Aber das war gut so, denn so konnte ich schon nach den ersten Seiten gar nicht mehr aufhören zu lesen. Den Slang, den Starr hat, findet sich auch im Schreibstil an sich wieder, was mir ebenfalls unheimlich gut gefallen hat. Außerdem konnte ich genau die Unterschiede zwischen der Sprache im Slum und an der Privatschule „heraushören“, wodurch die Kluft, die Starr jedes Mal überschreiten musste, noch deutlicher wurde.

Vorab muss ich einmal sagen, dass ich total begeistert von diesem Buch bin. Wirklich. Die ganze Geschichte war so real und gleichzeitig so unglaublich, dass ich komplett mitgerissen wurde. Besonders muss meiner Meinung nach der Autorin gedankt werden, dass sie so ein gesellschaftskritisches Thema so unfassbar feinfühlig umgesetzt hat und besonders, dass sie den Mut hatte, das Buch zu veröffentlichen.

Ansonsten kann ich auch nur von der Umsetzung des Buches schwärmen. Erstmal ist die Thematik so wichtig und aktuell, aber gleichzeitig auch sehr gesellschaftskritisch und trifft bei vielen sicherlich auf einen Wunden Punkt, aber genau das ist das, was die Geschichte rund um Starr so besonders macht. Man sieht dieses Mal die andere Seite der ganzen Geschehen, die vor Allem in den USA wegen Rassismus eine große Rolle spielen. Denn während in den Nachrichten oft von den Verschulden des Opfers die Rede ist, um die Tat des Täters zu rechtfertigen, ist Starr eine Augenzeugin und weiß aus nächster Nähe, was wirklich passiert ist – sie lässt sich nicht von der propagandaartigen Polizei und der Presse eines Besseren belehren. Das macht sie für mich sofort unglaublich sympathisch, und ihr Slang war einfach genauso ein Teil von ihr, wie ihre Freunde an der Privatschule.

Auch alle weiteren Charaktere wurden sehr gut umgesetzt. Da Khalil schon recht früh im Buch stirbt, erfährt man zunächst nicht viel von ihm, aber dafür dann eben doch mehr als über jede andere Person. Denn oftmals sagen die Erinnerungen, die einige Menschen an eine bestimmte Person haben, mehr über deren Charakter aus als ihre Taten. So war für Starr und auch für mich von vornherein klar, dass er unmöglich ein typischer Gangbanger und Drogendealer war, sondern dass sein Verhalten einen bestimmten Grund haben musste, den man im Laufe des Buches natürlich ebenfalls herausfindet.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, war, wie Starr in den verschiedensten Situationen reagiert hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass einige Autoren bei dieser Thematik oft die Protagonistin oder den Protagonisten zum großen Helden der Story gemacht hätte, und somit einige übertriebene Dinge im Buch drin gewesen wären. So war das hier gar nicht. Ich konnte Starrs Verhalten komplett nachvollziehen, und es fühlte sich für mich so an, als wären ihre Reaktionen völlig authentisch und keineswegs überzogen.


Fazit

„The hate u give“ ist ein Buch, das meiner Meinung nach wegen dieser unglaublich wichtigen und feinfühlig überbrachten Thematik jede einzelne Person lesen sollte. Natürlich ist dieses Thema vielleicht nicht für alle, das, was sie favorisiert hätten, aber so etwas muss es auch einmal geben, weil dieses Buch einfach so unglaublich gut ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand, der keine rassistischen Züge hat, es nicht gut finden könnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s