Rezension: »Die Lieferung« von Andreas Winkelmann

Inhaltsangabe:

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fällt es mir bei diesem Buch sehr schwer, eine richtige Inhaltsangabe zu schreiben. Es ist so viel passiert, das ich darin unterbringen müsste, dass wahrscheinlich alles nur verwirrender wird, wenn ihr meine eigene Version lest, weshalb ich jetzt ausnahmsweise einfach mal die Inhaltsangabe übernehme, die sich im Buch auf der zweiten Seite findet. Klar lässt diese auch noch Spielraum und ist eher kurz und knapp, aber sie klingt weitaus weniger wirr, als meine Gedanken gerade.

Seit Wochen hat Viola das Gefühl, verfolgt zu werden. Es ist, als klebte ein Schatten an ihr – und immer, wenn sie sich umdreht, ist er verschwunden. Viola bleibt jetzt abends lieber zu Hause. Zum Glück gibt es ja Netflix und den Lieferdienst.

Doch die Pizza, die er bringt, wird für immer unangetastet bleiben …

Eine bleiche, verstörte und vollkommen unterernährte Frau wurde in den Hamburger Bergen aufgegriffen. Als der Hamburger Polizeikommissar Jens Kerner sie verhören will, stirbt sie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rebecca kommt er einem Täter auf die Spur, der so perfide ist, dass es alle Vorstellungen übersteigt. Als die beiden begreifen, mit wem sie es da zu tun haben, ist es schon fast zu spät …


Bibliographische Daten

Titel: Die Lieferung
Autor: Andreas Winkelmann
Genre: Thriller
Format: Taschenbuch
Verlag: Rowohlt


Meine Meinung

Besonders bei Thrillern mag ich es, wenn es einen Er/Sie-Erzähler gibt, und so ist es auch hier wieder der Fall. Durch die Erzählweise wird die Geschichte klarer und sichtbarer in ihren Facetten, als wenn es einen Ich-Erzähler gäbe, der keinen Spielraum mehr für eigene Gedanken ließe.

Ebenfalls sehr gut finde ich, dass die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Mal begleitet man den Kommissar Jens Kerner, mal seine Kollegin Rebecca, oder aber Viola als Opfer. Auch aus der Sicht des Täters wird manchmal geschrieben, und zwar aus dessen Kindheit, die zumindest ein Stückweit seine Taten erklärt. Diese traumatischen Erlebnisse sind zwar in keinster Weise Entschuldigungen für das, was er seinen Opfern antut, aber trotzdem konnte ich ihn als Leserin nie wirklich hassen, weil ich zumindest teilweise Verständnis für seine Handlungen hatte.

Jetzt aber weiter mit dem Schreibstil an sich, den ich auch ziemlich gern mochte. Ein bisschen hat er mich an den von Sebastian Fitzek in dessen Thriller „Amokspiel“ erinnert, nur leider gab es da doch auch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Einige Sätze waren nämlich teilweise so kompliziert, dass ich sie beim besten Willen nicht verstanden habe. Glücklicherweise waren diese Sätze nicht sehr ausschlaggebend für das weitere Geschehen, aber schade fand ich es dennoch, weil für mich diese Textstücke einfach keinen Sinn gemacht haben, sosehr ich mich um ein Verständnis bemüht hab. Mein zweiter und letzter Kritikpunkt ist die Verwirrung, die bei mir aufgetaucht ist, wenn der Autor mal statt eines Fragezeichens einen Punkt gesetzt hat. Meines Wissens nach müssen auch nach rhetorischen Fragen, bei denen ein „oder nicht“ an den eigentlichen Satz drangehängt wird, nämlich auch Fragezeichen gesetzt werden. Das hat der Autor leider selten gemacht, wenn nicht sogar überhaupt nicht, und das hat mich extrem gestört, weil ich so einige Sätze noch mal lesen musste. Denn für mich sollten richtig gesetzte Fragezeichen einfach Voraussetzung für ein perfektes Buch sein. Somit ist „Die Lieferung“ für mich auch nicht perfekt.

Die Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen. Der Täter war mal anders, als in vielen anderen Thrillern, da ich mich als Leserin teilweise auch in ihn hineinversetzen konnte. Das ist bei einigen Büchern dieses Genres nicht der Fall, da der Täter immer automatisch der Böse ist. Hier wurde ich so hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl zum Täter und gleichzeitig großem Hass auf ihn, weil er seinen Opfern diese schrecklichen Dinge antut (nein, ich werde nicht verraten, was er macht), dass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, auf wessen Seite ich wirklich stand.

Der Anfang des Buches ist sehr geheimnisvoll, aber man versteht mit dem weiteren Verlauf der Geschichte immer mehr vom Beginn, was mir unglaublich gut gefallen hat.

Nervenkitzel war durch dieses ganze Herumgeschubse in alle möglichen Denkweisen auch oft da, und manchmal konnte ich einfach nicht anders, als das Buch kurz zur Seite zu legen und noch mal meine eigenen Gedanken zu ordnen, bevor ich weiterlesen konnte. Die große Spannung, die durch die Rückblicke und die Perspektivwechsel aufgekommen ist, darf man ebenfalls nicht vergessen, zu erwähnen, da sie einen Großteil der ganzen Story ausmacht.

Auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Jede Person war einzigartig, und besonders Jens fand ich sofort sympathisch mit seiner Cowboy-Art, die eigentlich überhaupt nicht zu seinem Namen passt. Der Täter war ebenfalls mehr als vielseitig, und insgesamt waren einfach alle Charaktere im Buch auf ihre Art komplett unterschiedlich und doch authentisch.

Was mich an der Umsetzung der Idee jedoch ein bisschen gestört hat, war die Aufteilung der einzelnen Kapitel. Denn ob ihr mir nun glaubt, oder nicht, das Buch hat insgesamt wirklich nur sechs Kapitel plus Epilog, obwohl es fast 400 Seiten hat. Das heißt jetzt nicht, dass die Kapitel alle super lang waren. Also, klar waren sie das, aber jedes Kapitel hatte noch mehr oder weniger als 10 Unterkapitel. Das fand ich sehr irritierend, weshalb ich es als Kritikpunkt erwähnen muss.


Fazit

Insgesamt fand ich diesen Thriller super spannend und wirklich interessant, da er mal ein anderes Gefühl auch zum Täter angesprochen hat.

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